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Die Autofahrer haben genug von der Parkplatzsituation in deutschen Städten. Das besagt auch die repräsentative Umfrage von AutoScout24, welche im Februar dieses Jahres durchgeführt wurde. Demnach sind Autofahrer besonders in Großstädten über die Parkplatzsituation frustriert. Doch Park-Apps könnten Abhilfe schaffen. Zwar gibt es in neuen Fahrzeugmodellen die Parkplatzsuche im Navigationsgerät auch schon serienmäßig, doch auch (Dienstwagen-)Fahrer ohne eigenes Fahrzeug oder mit einem älteren Modell sollten nicht auf diese Hilfe verzichten müssen. Doch kann man solche Apps überall anwenden? Und was zeigen sie an und wie funktionieren sie?

Leider muss man sagen, dass von diesen kleinen Helfern besonders die Autofahrer etwas haben, die in der Großstadt unterwegs sind. Der urbane Raum wird bisher, auch aufgrund des Verkehrs, am meisten bedient. Das bestätigt auch Steven Pakasathanan, Chief Sales Officer bei der ampido GmbH. Sie bietet die App ampido Parken ParkplatzSharing an: „Ein Ausbau in ländlichen Gebieten ist vorerst nicht geplant, da dort weniger Parkplatznot besteht. ampido-Parkplätze sind in Großstädten wie Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart verfügbar, aber auch immer mehr in mittelgroßen Städten wie Bremen, Oberhausen oder Wuppertal.“ Auch die kostenfreie App cleverPARKEN von AXA bedient zunächst große und mittelgroße Städte wie unter anderem Berlin, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, aber auch Trier sowie Darmstadt. Annähernd gleich sieht es bei der App ParkNow aus, die unter anderem als Standardservice in BMW-Fahrzeugen zu finden ist. Ein Anbieter ist sogar in ganz Europa auf dem Vormarsch: „Mit ParkU finden Autofahrer jederzeit europaweit ihren idealen Parkplatz. Unsere Kernmärkte befinden sich in der Schweiz, Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Dazu kommen Parkplätze an Flughäfen und Kreuzfahrthäfen in insgesamt 55 Städten in 30 europäischen Ländern“, erklärt Jasmin Sterling, Head of Sales & Operations DACH der ParkU GmbH. Von all dem sind die Macher der App Park and Joy noch weit entfernt. Diese haben im Oktober letzten Jahres ihre App in Hamburg gestartet. Allerdings folgen in naher Zukunft auch Städte wie Dortmund, Oberhausen, Moers, Bonn und Hagen, womit auch das Ruhrgebiet als großes Ballungszentrum gut bedient wäre.

Wenn man sich also in einer dieser Städte befindet, muss man noch mehr Voraussetzungen erfüllen, um die Park-Apps nutzen zu können. Da wäre zum Beispiel ein Endgerät mit einem iOS- oder Android-Betriebssystem, wie es bei ParkU, Park and Joy, ParkNow, ampido, aber auch allen Apps von der evopark GmbH der Fall ist. Letztere bieten die passende Technologie und Software für jegliche Park-Apps, wie zum Beispiel clever- PARKEN. Bei ihrer Technologie, aber auch bei ParkU und ParkNow sind Registrierungen notwendig, um den Service nutzen zu können. ParkNow, ampido, cleverPARKEN und ParkU lassen sich auch ohne Smartphone nutzen, indem man stattdessen die Websites zur Registrierung und Suche bedient. Da sich beispielsweise der Dienst cleverPARKEN von AXA auf Parkplätze im Parkhaus bezieht, wird dem Kunden dort nach der Registrierung noch eine Karte mit einem RFID-Chip zugeschickt, die dafür sorgt, dass keine Parkscheine gezogen werden müssen und später mit einem beliebigen Zahlungsmittel gezahlt werden kann, egal ob SEPALastschrift, Kreditkarte oder PayPal. Von einer Transaktionsgebühr sieht die AXA ab, verlangt jedoch bei der Registrierung einmalig eine Gebühr. Die zugesendete Chip-Karte kann dann hinter der Windschutzscheibe liegen, wird vom Parkhaus problemlos registriert und wird gleichzeitig als Datenspeichermedium verwendet.

Sind die Nutzer registriert, müssen nur noch die Parkplätze gesucht und gefunden werden. Doch woher wissen die Apps, wo welche Parkplätze frei oder besetzt sind? Während cleverPARKEN auf Daten des Schrankensystems zugreift, müssen andere Anbieter wie die von Park and Joy auf Sensoren zurückgreifen: „Die Funktionalität zum Finden von Parkplätzen beruht auf Sensoren, mit denen kostenpflichtige Parkplätze ausgerüstet werden. Diese Sensoren erkennen, ob ein Fahrzeug abgestellt ist, sie ermöglichen eine bisher nicht erreichte Genauigkeit der Prognose. Die Sensoren registrieren über unterschiedliche Detektionstechnologien (Magnetfeld, Infrarot), welche Parkplätze belegt und welche frei sind. Sie übermitteln diese Information an eine zentrale Server-Infrastruktur“, teilt Robert Zillekens, Director Park and Joy, T-Systems International GmbH, Connected Mobility, mit. Eine andere Möglichkeit bietet die ParkNow-App: „Die ParkNow- App erkennt anhand der GPS-Lokalisierung des Mobiltelefons, ob sich der Nutzer in einer kostenpflichtigen Parkzone befindet. Mit nur einem Fingerdruck in der App kann der Parkvorgang am Straßenrand gestartet werden. Noch einfacher gestaltet sich das Parken im Parkhaus: Dort startet und endet der Parkvorgang dank ParkNow-Zugangskarte automatisch mit der ticketlosen Ein- und Ausfahrt. Der Weg zum Parkautomaten und die lästige Suche nach Kleingeld sind somit sowohl am Straßenrand als auch im Parkhaus überflüssig“, so Julia Frank, Pressesprecherin der ParkNow GmbH. Hier verhält es sich also ähnlich wie bei cleverPARKEN. ampido entwickelte das Angebot noch weiter und bietet nicht nur gewerbliche, sondern auch private Stellplätze an: „Parkplatzbesitzer gleich welcher Art können ihre Parkplätze flexibel stunden-, tage -oder monatsweise zu den Zeiten vermieten, zu denen diese nicht benötigt werden. Parkplatzreservierungen werden vom System in Echtzeit verbucht, sodass User stets eine aktuelle Übersicht über freie Parkplätze in ihrer Nähe angezeigt bekommen“, erörtert Pakasathanan.

Nun heißt es einen Parkplatz suchen, finden und sichern. Bei Park and Joy ist keine vorherige Reservierung des Parkplatzes möglich. Dafür ermittelt die App in Echtzeit die Parkzone, in der man unterwegs ist, und bietet freie Parkplätze an. Informationen wie Preise und Parkvorschriften werden zudem angezeigt. Damit der Fahrer als „Park and Joy“-Nutzer zu erkennen ist, muss dieser eine Smart-Parking-Vignette hinter die Windschutzscheibe legen, die problemlos auf der Internetseite von Park and Joy heruntergeladen werden kann. Unter Angabe des Nummernschilds und des gewünschten Bezahlverfahrens kann der User schließlich das Parkticket verwalten und je nach Belieben die gewünschte Zeit angeben und auch abändern. Am Ende wird nur das Zeitintervall bezahlt, innerhalb dessen man auch den Parkplatz genutzt hat.

Ähnlich sieht es bei ParkNow aus: „Beim Abstellen des Fahrzeugs am Straßenrand erkennt ParkNow automatisch gebührenpflichtige Parkzonen und mit nur einem Klick kann der digitale Parkschein gelöst werden. Beendet und bezahlt wird der Parkvorgang automatisch, sobald die Fahrt fortgesetzt wird“, so Frank. Sterling gibt eine ähnliche Auskunft zu ParkU: „In der App und auf unserer Website kann man über die Suchfunktion den Ort eingeben, an dem man einen Parkplatz sucht. Nun werden dem User sowohl Parkplatzinformationen zur Umgebung als auch Parkplätze angezeigt, die zum gewählten Zeitraum reservierbar sind. Der Buchungsprozess erfolgt bei registrierten Nutzern nach der Wahl des Parkplatzes. Parkplätze, sofern verfügbar, können auch ad hoc reserviert werden, jedoch immer nur unter Angabe einer Endzeit.“

Auch wenn nicht gerne über Geld geredet wird. Bei den Park-Apps lohnt es sich. Denn bei den meisten müssen nur die Parkgebühren, die anfallen, gezahlt werden. Entweder direkt oder am Monatsende. Bei ParkU fällt noch für jedes Parken eine Servicegebühr in Höhe von 0,35 Euro an und eine Transaktionsgebühr von 1,4 Prozent. Bei ParkNow bezahlen Nutzer mit dem Servicepaket Silber eine Servicegebühr in Höhe von 0,25 Euro pro Parkvorgang und Nutzer eines Gold-Servicepakets zahlen eine monatliche Servicegebühr in Höhe von 2,99 Euro.

Doch welchen Vorteil können nun Flotten daraus ziehen? Alle Anbieter betonen ihre Reichweite, die Zeitersparnis und das ticket -und bargeldlose Zahlen. Für die Fuhrparkverwaltung heißt das auch ein Vermeiden der Zettelwirtschaft, die durch Tickets entsteht. Die Apps erleichtern also nicht nur die Handhabung, sondern auch die Bezahlung.

Fazit
Park-App – ja oder nein? Die Vorteile scheinen zu überwiegen. Die Vorstellung scheint perfekt, bereits vorab oder in Echtzeit direkt einen Parkplatz zu finden, zu reservieren ohne ein Ticket zu ziehen oder den Parkautomaten am Straßenrand zu suchen. Nach dem Einparken aussteigen und die Parksituation nach Belieben per App verwalten. Gezahlt wird direkt oder am Monatsende, man muss sich um nichts kümmern. Doch geht man davon aus, dass man nicht die Möglichkeit hat, wie bei ParkNow die Technologie vollintegriert im Navigationssystem zu nutzen, sondern stattdessen per App: Es kommt gezwungenermaßen zu dem Szenario, dass man ein Smartphone am Steuer nutzt. Das ist nicht nur verboten, sondern kann auch zu Unfällen führen. So sollten Autofahrer die Dienstleistung einer Park-App entweder vor Fahrtbeginn nutzen, die Anwendung dem Beifahrer überlassen oder vorab auf die Website des Anbieters gehen. Ansonsten könnte die Idee zur Verbesserung der Parksituation schnell in einer Misere enden.