PDF DOWNLOAD

Wenn man die Zulassungszahlen des Kraftfahrt- Bundesamtes (KBA) betrachtet, könnte man meinen, dem Oberklasse-Segment kommt nur eine geringe Bedeutung zu. Nicht einmal ein Prozent der Verkaufszahlen machte es im Jahre 2017 aus. Dennoch, eine leichte Steigerung zum Vorjahr, von 0,8 auf 0,9 Prozent, war zu verzeichnen. Allerdings sind uns die Modelle, um die es hier geht, sehr bekannt und stets präsent, wenn Politikerinnen und Politiker damit chauffiert werden oder ihnen Stars und Sternchen bei gesellschaftlichen Ereignissen entsteigen. Sprich: Oberklasse-Modelle sind äußerst repräsentativ und wahre Aushängeschilder ihrer Hersteller. Auch gesellt sich zur klassischen Stufenheck-Limousine mittlerweile das Coupé, das einmal mehr Ausdruck individuellen Geschmacks auf hohem Niveau ist.

Die Oberklasse bietet die Speerspitze deutscher Ingenieurskunst in Bezug auf die neuesten Technologien, Komfortausstattungen und Designtrends. Gerade wenn es um das autonome Fahren geht, können in vielen Oberklassemodellen schon sämtliche marktreifen Technologien verbaut werden, teils sind sie bereits serienmäßig an Bord, teils können sie gegen Aufpreis bestellt werden. Auch in puncto Komfort lässt sich eine Oberklasse nicht nur für längere Reisen, teils auch in einer Langversion, in eine bequeme Lounge umfunktionieren – Stichwort Medien- und Soundausstattung, Sitzkomfort mit Massagefeatures, Klimatisierung und Belüftung. Auch zum Arbeiten können sämtliche Accessoires zur mobilen und diskreten Kommunikation bereitgestellt werden.

Im Einzelnen treten acht Modelle gegeneinander an, die in der Mehrheit schon im letzten Vergleich vor etwas mehr als einem Jahr miteinander konkurrierten. Auch diesmal haben wir aufgrund der fehlenden Kalkulierbarkeit über den frei zugänglichen Kalkulator von ALD auf exklusive Premiummodelle der Hersteller Alpina, Bentley, Cadillac, Maybach und Rolls-Royce verzichtet. So stellen sich nun erneut folgende Modelle dem Vergleich: Audi A8, BMW 640d Gran Coupé und 730d, Jaguar XJ, Maserati Quattroporte, Mercedes-Benz S 350 d und Volvo S90. Dazu kommt der Infiniti Q70, drei Coupé-Modelle fallen weg; der neue Audi A7 (siehe auch Seite 127), dessen Dieselmotorisierung noch nicht erhältlich ist, der Mercedes-Benz CLS sowie der Porsche Panamera, welchen es (derzeit) nicht mit Dieselmotorisierung gibt.

Zusätzlich bieten wir eine Auswahl aktuell auf dem Markt erhältlicher Oberklasse-Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid- oder reinem Elektromotor mit sämtlichen Kostenaufstellungen des Vergleichs. Hier zeigen BMW, Porsche, Tesla und Volvo, inwiefern sich ihre Modelle als Alternativen in dieser Klasse eignen. Im Spätherbst will Audi den A8 mit Plug-in-Hybrid-Motor einführen, der auf der IAA 2017 vorgestellte Mercedes- Benz S 560 e mit aufladbarem Elektromotor soll schon bald die Verkaufsfreigabe erhalten. Für den Jaguar XJ soll 2019 eine rein elektrische Neuauflage geplant sein.

Bezüglich der Ausstattung geben wir wesentliche Sicherheits- und Komfortfeatures vor, zusätzlich führen wir segmentspezifische und restwertrelevante Ausstattungen wie Diebstahlwarnanlage, Sitzheizung, Verkehrszeichenerkennung, Spurwechselwarner, Umgebungskameras und ein Smartphone Interface auf.

Unser letzter Vergleich liegt zwar gerade 14 Monate zurück, doch es hat sich etwas getan in der Zwischenzeit. So hat Audi sein Flaggschiff in dieser Zeit weiterentwickelt und in die vierte Generation gebracht. Die modifizierte Mercedes- Benz S-Klasse wurde schon vor einem Jahr in Schanghai vorgestellt, seitdem ist sie technologisch und optisch aufgefrischt verkäuflich. Bei den Hybrid- und Elektroalternativen hat Porsche den Panamera als Plug-in-Hybrid-Variante herausgebracht, die seit April 2017 erhältlich ist.

Für den Vergleich haben wir Motorisierungen zwischen 125 kW/170 PS und 230 kW/313 PS gewählt. Die untere Grenze markiert der Infiniti Q70 2.2 d, der leider nur diesen einen Selbstzünder zur Auswahl bietet. Die obere Grenze bildet der BMW 640d Gran Coupé, bei dem auch nur diese eine Dieselmotorisierung erhältlich ist. So bildet sich eine durchschnittliche Leistung von rund 196 kW/266 PS ab. Die Durchschnittsverbräuche zwischen 4,5 und 6,2 Litern auf 100 Kilometer lassen nicht vermuten, dass es sich um eine der größten Pkw-Klassen handelt. Im Durchschnitt aller Vergleichsmodelle stehen 5,3 Liter/100 km. Den niedrigsten Wert beim CO2-Ausstoß verzeichnet der BMW 730d mit 119 g/km.

Die Reichweite der Fahrzeuge im Vergleich beläuft sich auf Werte von 1.129 bis 1.733 Kilometer, was in jedem Fall bedeutet, eine lange Strecke komfortabel ohne Tankstopps bestreiten zu können. Im Durchschnitt fahren die Oberklasse-Modelle mit einer Tankfüllung 1.386 Kilometer weit.

Weitere wertungsrelevante Daten beziehen sich auf das Kofferraumvolumen, das bauartbedingt bei den hier vorherrschend zusammenkommen den Stufenheck-Limousinen bis zur Rückbank bemessen wird, sowie die Zuladung. 530 Liter bestenfalls bis 450 Liter wenigstens im Heck zeigen eine relativ homogene Verteilung. Die Oberklasse eignet sich eher nicht als Lastentransporter, doch Zuladungswerte zwischen 444 und 720 Kilogramm lassen doch einiges an Gewicht, sei es im Kofferraum oder im Fahrgastraum, zu. BMW 7er und Maserati Quattroporte gestatten beide sowohl viel Volumen als auch Gewicht.

Große Abweichungen zeigen nicht nur die Listenpreise. Wenn eine reichhaltige Serienausstattung – vor allem eine solche, die Elemente unserer Ausstattungsvorgaben betrifft – vorhanden ist, bleiben die Kosten für zusätzliche dienstwagenrelevante Sonderausstattungen gering, was sich wiederum positiv auf den Gesamtpreis auswirken kann. Hier liegen der Volvo, der Infiniti und der Jaguar vorne. Die Spanne der Listenpreise, sowohl mit als auch ohne Sonderausstattungen, ist relativ breit von 46.176,47 Euro (ohne Sonderausstattung) bis 83.403,36 Euro und von 49.773,10 Euro bis 87.184, 87 Euro (mit Sonderausstattung). Im Durchschnitt kostet eine Oberklasse-Limousine 66.832 Euro und braucht noch Zubehör im Wert von 2.845,49 Euro, um unsere Ausstattungsvorgaben zu erfüllen.

Da die Leasingraten vornehmlich einen direkten Zusammenhang mit dem Listenpreis aufweisen, zeichnet sich ab, dass die Fahrzeuge mit den günstigsten Gesamtpreisen auch mit im Vergleich attraktiven Leasingraten aufwarten können. Hier liegen also ebenfalls Volvo, Infiniti und Jaguar vorn. Bei allen drei Laufleistungen ergeben sich für den Volvo die günstigsten Leasingraten (515,59/602,78/733,34 Euro), gefolgt von Infiniti (617,77/701,71/829,60 Euro) vor Jaguar (728,25/838,39/997,84 Euro). Inklusive der Kraftstoffkosten ergibt sich selbiges Ranking: Infiniti (697,53/821,34/1.029,00 Euro) vor Volvo (595,35/722,42/932,74 Euro) und Jaguar (822,97/980,46/1.234,63 Euro).

Der Restwert, den wir neuerdings in Zusammenarbeit mit Schwacke separat ausweisen, beeinflusst ebenfalls die Leasingrate. Besonders stabil zeigt sich der Restwert des Audi A8, der nach 36 Monaten und 30.000 jährlich gefahrenen Kilometern immer noch 46,33 Prozent seines ursprünglichen Neuwerts besitzt. Knapp darunter liegt der Mercedes-Benz S 350 d mit 46,22 Prozent. An dritter Stelle folgt der BMW 730d mit 42,54 Prozent.

 Doch unterm Strich zählen im Kostenvergleich auch noch andere Daten mit, sodass sich am Ende der BMW 730d den Spitzenplatz sichern kann. Seine Leasing- und Betriebskosten liegen zwar nicht unter den besten drei Positionen, sondern im Mittelfeld. Aber er kann mit hervorragenden Kraftstoffkosten, bedingt durch einen sehr guten Durchschnittsverbrauch, punkten. Ebenfalls weist er, wie schon erwähnt, einen niedrigen CO2-Ausstoß, eine hohe Reichweite und sehr gute Ladedaten auf.

Den zweiten Platz belegt der Volvo S90, der durch die Bank niedrige Kosten auf seiner Habenseite aufführen kann. An dritter Stelle überrascht der Infiniti Q70, der ebenfalls durchweg niedrige Kosten verursacht. Einige nicht verfügbare Ausstattungsdetails verhindern ein noch besseres Abschneiden.

Wer in seiner Funktion als Geschäftsführer oder Person des öffentlichen Lebens eine Vorbildrolle einnehmen möchte oder wen künftig Fahrverbote aufgrund von Feinstaubbelastung treffen könnten, der sollte einen Blick auf die alternativen Plug-in-Hybrid- oder rein elektrisch betriebenen Modelle werfen. Diese liegen in Bezug auf ihre Leasingkosten zumeist auf recht hohem Niveau, lediglich der Volvo S90 Twin Engine bietet sich auch auf der Kostenseite als Alternative an. Die Kraftstoffkosten beziehen sich auf die aus den Herstellerangaben errechneten Durchschnittskosten für Superbenzin, Stromkosten sind nicht berücksichtigt. Immerhin wächst das Angebot an alternativen Oberklasse-Modellen. Die vorne genannte Speerspitze der Ingenieurskunst bezieht sich eben auch auf die Möglichkeiten, alternative Antriebstechnologien zu perfektionieren und für kleinere Klassen und damit für den Massenmarkt zu etablieren.

And the winner is … BMW 730d

 

 

So haben wir gewertet

Der neue Flottenmanagement-Kostenvergleich setzt sich aus fünf Hauptkriterien – den Kosten über Laufzeit und -leistung, den technischen Daten, den flottenrelevanten Daten, der Ausstattung und den einmaligen Kosten beim Kauf – zusammen. Dabei erhalten die jeweils drei günstigsten Modelle eine grüne Markierung und die drei teuersten eine rote Markierung. Ebenfalls werden flottenrelevante Fakten wie die Dichte des Servicenetzes sowie der Restwert in Prozent grün beziehungsweise rot markiert und dementsprechend bewertet. Die technischen Daten eines jeden Modells werden unter den Gesichtspunkten des Durchschnittsverbrauchs in l/100 km laut NEFZ-Fahrzyklus, des CO2-Ausstoßes in g/km, der Reichweite in km sowie der Ladungsdaten – Kofferraumvolumen in l, max. Laderaumvolumen in l und Zuladung in kg – beurteilt und entweder mit Grün für die drei Bestwerte beziehungsweise Rot für die drei schlechtesten Werte gekennzeichnet. Zusätzlich erhalten segmentspezifische technische Daten, eine entsprechende Grün-Rot-Bewertung.

Zusätzlich wird eine besonders lange Laufzeit der Fahrzeuggarantie mit einem Pluspunkt respektive einer grünen Markierung hervorgehoben. Abweichungen von der segmentspezifischen Mindestausstattung für einen Dienstwagen werden rot gekennzeichnet, wenn diese auch nicht gegen Aufpreis erhältlich sind. Eine grüne Kennzeichnung im Bereich Ausstattung kann aufgrund von inkludierter Mehrausstattung erzielt werden, wenn diese einen Mehrwert in puncto Sicherheit beziehungsweise Komfort für den Dienstwagennutzer darstellt.

 

Mindestausstattung für einen Dienstwagen aus dem Segment Oberklasse
 
• Rundum-Airbagschutz für Fahrer und Beifahrer
• Bluetooth-Freisprechanlage
• aktiver Bremsassistent
• Einparkhilfe mit Sensoren/Rückfahrkamera
• fest verbautes Navigationsgerät
• 2-Zonen-Klimaautomatik
• Nebelscheinwerfer
• Verkehrszeichenerkennung
• Notrufsystem/E-Call
• Radio
• Umgebungskameras
• Sitzheizung vorn
• Diebstahlwarnanlage
• Smartphone Interface
• Spurwechselwarner