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Während in vielen Lebensbereichen und Unternehmensbranchen die Digitalisierung längst Einzug gehalten hat und manchmal sogar unverhältnismäßig stark überzugreifen scheint, etabliert sie sich im Behördenverkehr mit dem Bürger nur schleppend. Sei es, weil dieser sehr zurückhaltend mit seiner Bereitschaft zum sogenannten E-Government reagiert, oder sei es, weil viele Schnittstellen darauf ausgerichtet werden müssen.

Das Projekt
Seit 2015 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Projekt i-Kfz begonnen, das Fahrzeugzulassungswesen zu modernisieren. In der ersten Stufe ist die Außerbetriebsetzung online möglich. Die zweite Stufe, seit dem 1. Oktober 2017 praktisch nutzbar, umfasst die Wiederzulassung eines Fahrzeugs auf denselben Halter ohne Wechsel des Zulassungsbezirks mit dem bei Außerbetriebsetzung reservierten Kennzeichen. Ergänzend trat zum 1. Januar 2018 eine Verordnung in Kraft, mit der eine neue Zulassungsbescheinigung Teil II (ZB II – ehemals Fahrzeugbrief) eingeführt wurde. Auf die ZB II wird – analog zur ZB I (ehemals Fahrzeugschein) – ein verdeckter Sicherheitscode aufgebracht. Das gilt als Vorbereitung für die internetbasierte Neuoder Wiederzulassung (Stufe 3). Laut Mitteilung des BMVI ist die digitale An-, Ab- und Ummeldung von Fahrzeugen beziehungsweise die Halterdatenänderung über das Internet mit Stufe 3 i-Kfz ab 2019 geplant. Dann sind im Straßenverkehrsrecht alle Voraussetzungen geschaffen, damit erstmals auch Unternehmen beziehungsweise gewerbliche Nutzer als Halter i-Kfz über sogenannte Nutzerkonten einsetzen können.

Als Voraussetzung für internetbasierte Zulassungsdienste gilt neben den darauf ausgelegten Dokumenten auch ein Personalausweis mit Onlinefunktion beziehungsweise ein elektronischer Aufenthaltstitel. Bezahlen kann man per ePaymentsystem wie beispielsweise der Kreditkarte.

Doch gelten die neuen Erleichterungen auch für Unternehmensflotten und deren Dienstleister, die regelmäßig viele Fahrzeuge zulassen oder abmelden müssen? Bereits in unserem letzten Bericht (Flottenmanagement 6/2016) stellte sich heraus, dass sich das Verfahren – damals war erst die internetbasierte Abmeldung umgesetzt – für juristische Personen umständlich gestaltet und sich eher für Privatpersonen und Einzelunternehmer sowie Selbstständige eignet.

Expertenrat
Bereits von Beginn der Projektplanung an sind namhafte Dienstleister mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Kfz-Zulassung beratend in das Projekt eingebunden. Ihre Expertise soll der Erarbeitung einer unkomplizierten und zweckmäßigen Umsetzung dienen und die Interessen ihrer Kunden aus der Autovermiet-, Leasing- und Fuhrparkbranche mit einbinden. „Wir blicken auf 60 Jahre Erfahrung im Bereich der Kfz-Zulassung zurück. Durch die Beteiligung am Projekt i-Kfz des BMVI gestalten wir den Prozess der digitalen Zulassung aktiv mit, zum einen durch die Teilnahme an Arbeitskreisen und zum anderen im Rahmen der Verbandsarbeit des Bundesverbandes Kraftfahrzeug- Kennzeichen e. V. (BKK)“, beschreibt Philipp Kroschke, Geschäftsführer der Kroschke Gruppe (CKG/DAD), das Engagement.

Auch die PS-Team Deutschland GmbH & Co. KG ist weiterhin in beratender Funktion in das Projekt eingebunden: „Wenn es um Prozesse für Privatpersonen geht, sehen wir unsere Aufgabe darin, diese auf ihre prinzipielle Tauglichkeit für Unternehmen zu prüfen“, so Carsten Schäfer, Director Fleet bei PS-Team.

DIE ZULASSER Services GmbH ist durch ausgewählte an das ZULASSER-System angeschlossene Zulassungsdienste durch deren Geschäftsführer auf Verbands- oder Gremienarbeit in die weitere Entwicklung des Themas i-Kfz eingebunden. „Damit werden aktiv praxisnahe Impulse gesetzt, um die Interessen der Marktteilnehmer gebührend zu berücksichtigen“, erklärt Thomas Krüger, Geschäftsführer DIE ZULASSER Services GmbH, den Zweck ihrer Teilnahme.

Letztlich bietet ein reibungsloser digitaler Prozess sowohl für die Flottenwelt und den Endverbrauchermarkt als auch für die Zulassungsbehörden eine dauerhafte Entlastung. Allerdings müssen die Prozesse stabil, sicher und anforderungsgerecht sein. „Die Vorteile einer weitgehenden Digitalisierung wird PS-Team in die Wertschöpfungskette des Kunden einbauen“, verspricht Schäfer. Und auch bei Kroschke/DAD sieht man den Mehrwert der Mitwirkung am Projekt i-Kfz darin, den Kunden frühzeitig Informationen zur Verfügung stellen und Transparenz über die gebotenen Möglichkeiten schaffen zu können, um gemeinsam an innovativen Lösungen zu arbeiten.

Stand heute
Das Projekt läuft seit 2012 mit erheblichen Projektkosten. i-Kfz betrifft lediglich ein kleines Segment der jährlich rund 9,5 Millionen Vorgänge, bei denen bei einer Fahrzeuganmeldung bereits das Thema i-Kfz umgesetzt wurde, das heißt, Stempel und Marke im Zulassungsteil mit reversiblen Aufklebern verwendet wurden. „Die Marktakzeptanz ist gering oder wie es selbst Behörden schriftlich formuliert haben: ‚Es gibt keine kundenspezifische Akzeptanz‘“, gibt Thomas Krüger, DIE ZULASSER, seinen Eindruck wieder.

Grund für die schlechte Akzeptanz sind etliche Hürden, die einem gewerblichen Kunden die Inanspruchnahme internetbasierter Zulassungsdienste erschweren. Wenn der Halter eines Fahrzeugs eine juristische Person ist, wessen e-ID kann dann für die Zulassung verwendet werden? Außerdem: Letztlich wird immer ein Personalausweis mit Onlinefunktion (e-ID) benötigt. Und den haben bislang relativ wenige Menschen. Es ergibt sich derzeit also nur eine sehr eingeschränkte Anzahl von Anwendungs-Szenarien. „Aus gewerblicher Sicht – vor allem aus der Perspektive großer Fuhrparks, die sehr viele Fahrzeuge einsteuern – scheinen heute noch viele Fragen ungelöst“, bewertet Carsten Schäfer, PS-Team, die aktuelle Entwicklung. „So ist derzeit völlig unklar, ob praxistaugliche Bevollmächtigungsverfahren zur Verfügung stehen und ob die Anforderungen angeschlossener Prozesse wie beispielsweise die Fahrzeugfinanzierung ausreichend berücksichtigt wurden“, fasst er die problematischen Punkte zusammen. Auch essenzielle Wünsche von Großkunden sollen berücksichtigt werden. Eine Lösung für diese Kundengruppe sei zwar in Arbeit, weiß Philipp Kroschke, Kroschke Gruppe, der Zeitpunkt für die Umsetzung sei aber nicht bekannt. So ist die Möglichkeit von Onlinezulassungen am Wochenende – ein Wunsch vieler Autohändler – derzeit noch nicht in Sicht.

Die flottentaugliche Umsetzung von i-Kfz erfordert nicht nur ein barrierefreies Zusammenspiel vieler Stellen, sondern auch die Regelung einiger hoheitlicher Aufgaben: Wer darf die Siegel aufbringen, Zulassungsbescheinigungen ausstellen? Wie wird die Zulassungsgebühr bestimmt? Eine standortübergreifende Kommunikation mit allen 440 Zulassungsstellen in Deutschland oder eine Nutzerverwaltung mit übertragbaren Rollen muss sowohl für den Kunden als auch für beauftragte und ausführende Dienstleister gewährleistet sein. Bezahldienstleister, Schilder-, Plaketten- und Sicherheitslabelhersteller müssen sicher in die Prozesse eingebunden werden, damit die internetbasierte Zulassung auch für alle Nutzer attraktiv wird.

Abhilfe
Aus Flottensicht scheint das Projekt i-Kfz mittelfristig (noch) keine Alternative zu sein. Gut, dass oben genannte Dienstleister längst alltagstaugliche Prozesse anbieten, um die Zulassung von Flottenfahrzeugen zu erleichtern. Aus den Beschreibungen lässt sich erkennen, dass sehr viel Know-how in die Anpassung der Schnittstellen zu den Behörden geflossen ist, sodass sowohl Transparenz als auch Revisionssicherheit gegeben ist.

Seitens der Kroschke Gruppe können Dienstleistungen entlang der kompletten Prozesskette rund um die Themen Zulassung, Ummeldung oder Abmeldung umgesetzt werden: „Die Zulassungsaufträge können über ein Web-Portal eingesteuert, verfolgt und kontrolliert werden. Die Abwicklung erfolgt digital über eigens dafür entwickelte Schnittstellen zu verschiedenen deutschen Zulassungsbehörden oder analog über unsere bundesweit rund 500 Standorte. Nach erfolgter Zulassung erhält der Kunde die Dokumente und Schilder per Post“, beschreibt Dr. Mirko Dobberstein, Geschäftsführer der DAD Deutscher Auto Dienst GmbH (DAD), die Zulassungsprozesse bei Kroschke/DAD.

Den Fokus auf die vollständige digitale Unterstützung von Flottenprozessen legt auch PS-Team, auch wenn das Unternehmen bezogen auf das E-Government im engeren Sinne den bisherigen Lösungsansätzen eher kritisch gegenübersteht. „Wir übernehmen für unsere Kunden die Fahrzeugabmeldung vollständig, dokumentieren die einzelnen Vorgänge transparent und jederzeit nachvollziehbar und können dank sehr hoher Fallzahlen die einzelne Dienstleistung sehr günstig anbieten. Hinzu kommt die Integration in unser Dokumentenmanagementsystem. Indem wir die ZB II bei uns verwahren, beschleunigen wir die Zulassung und Stilllegung von Flottenfahrzeugen“, sagt Carsten Schäfer über das zulassungsbezogene Portfolio des Wallufer Dienstleisters.

Im Verbund von 25 angeschlossenen Zulassungsdienstleistern gelten DIE ZULASSER ebenfalls als einer der führenden hybriden Servicedienstleister. Das Unternehmen verbindet exzellente digitale hochperformante Prozesse mit individuellen menschlichen Serviceleistungen. Dabei werden Flotten über Einzelfirmen und/oder Leasinggesellschaften, 4.000 Autohäuser mit deren Privat- und Firmenzulassungsgeschäft und Hersteller bundesweit bedient.

Fazit
Derzeit eignen sich die digitalen Zulassungsprozesse (Stilllegung und Wiederanmeldung von Fahrzeugen), die die Behörden mit i-Kfz anbieten, nur sehr bedingt für Flottenbetreiber. Wie genau die sogenannten Nutzerkonten aussehen, die für gewerbliche Nutzer eingerichtet werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Solange können Flotten Prozessunterstützung durch die erfahrenen Dienstleister beziehen, die mit digitalen Schnittstellen die Vorgänge flottengerecht angepasst haben und somit optimal ausführen können.