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Im Januar kam dann mein neuer CX-5 „Nakama Intense“ Skyactiv AWD – die Bezeichnung lässt Schlimmes erahnen – mit allen zu dem Zeitpunkt von Mazda angebotenen Assistenz- und Sicherheitssystemen. 34 Jahre trennen die beiden Fahrzeuge und setzt man sich wechselweise vom einen in den anderen Pkw, wird schnell klar, wie sehr sich das Automobil verändert hat. War man damals noch mit 115 PS schnell als gnadenloser Heizer verschrien, wird man heute mit unter 200 PS – so scheint es jedenfalls – nur noch müde belächelt. Trotz aller aktuellen Verbrauchs- und Abgasdiskussionen scheinen wir auch hier die immensen Fortschritte zu vergessen. Glauben Sie mir: Verkehrsteilnehmer, die hinter Charlie mehr als fünf Kilometer hergefahren sind, waren wie auf Droge … Mangels Kat, Aktivkohlefilter, Abgasrückführung, Lambdaregelung oder elektronischer Benzineinspritzung wurde der CO2-Ausstoß damals ohnehin erst gar nicht gemessen (und wenn, dann wahrscheinlich in Gramm pro Meter).

Verbrauchte der Fiesta selten unter acht Liter auf 100 Kilometern bei 40 PS und weniger als 800 Kilogramm Leergewicht, so bewegen wir heute den Eineinhalbtonner mit dreifacher Leistung bei ähnlich gesitteter Fahrweise mit deutlich unter sieben Litern. Der viel gescholtene Diesel, wegen seines CO2-Ausstoßes und des schonenden Umgangs mit den fossilen Brennstoffen vor noch nicht allzu langer Zeit hochgelobt, rußt selbst bei heftigster Beschleunigung nicht mehr. Im Gegenzug werden Steigungen mit immer höheren Drehmomentwerten regelrecht plattgewalzt (wie viele von uns erinnern sich noch an den legendären „Strich-Achter“ und seinen verzweifelten, doch heldenhaften Kampf mit dem alten  Albaufstieg am Aichelberg?). Wartungsintervalle haben sich drastisch verlängert, die Mechanik der Fahrzeuge ist wesentlich haltbarer. Na, wenn das kein Fortschritt ist.

Allerdings sehe ich der Entwicklung und der wachsenden Zahl der angebotenen und verbauten Technik (Adieu Analog-Instrumente) mit gemischten Gefühlen entgegen. Konnte man früher kleinere Reparaturen noch in Eigenregie durchführen, so ist dies heute praktisch nicht mehr möglich. Ölwechsel? Machbar, aber man muss dann auch das Überwachungssystem zurücksetzen, weil es sonst Fehlermeldungen hagelt. Überhaupt: Fehlermeldungen. Hier werden wir über immer größer werdende Displays mit Hinweisen konfrontiert, die es früher mangels Assistenz- und Sicherheitssystemen nicht gab. Da funktionieren plötzlich der Abstandsregeltempomat oder das City-Safety-System nicht mehr, weil Sensoren wegen der Witterung (starker Schneefall, Nebel) vorübergehend den Dienst verweigern. Überall leuchtet, blinkt, piepst und vibriert es. Man wird automatisch wieder in die Spur gelenkt, zur Kaffeepause dank eines Müdigkeitsassistenten ermahnt und gleichzeitig zum etwas schonenderen Umgang mit dem Gaspedal im wahrsten Sinne des Wortes animiert, weil sonst das virtuelle Bäumchen im Display nicht weiter wächst. Moderne Navigationssysteme weisen uns den Weg und führen uns gekonnt an Staus und Behinderungen vorbei (naja, zumindest in der Theorie). Kurzum: Das Automobil wird deutlich komplexer. Mit steigender Komplexität steigt allerdings auch das Mängelrisiko. Kurios hierbei ist, dass nicht, wie früher, die Mechanik versagt. Vielmehr sorgen die Helferlein für immer mehr Frust. Auch Reparaturen werden nicht billiger. Keine Frage: Viele Entwicklungen machen die Fahrt mit dem Automobil sicherer und etwas entspannter. Allerdings denke ich, dass sich die Emotionen, die einst mit dem Automobil verbunden waren, gewandelt haben … so wie das Automobil selbst.

 

AUTOR

Seit mehr als 20 Jahren ist Peter Insam für den Einkauf von Betriebsmitteln und Investitionsgütern für den Medizintechnik-Hersteller Maquet GmbH in Rastatt tätig. Hierzu gehört auch der Fuhrpark mit 350 Fahrzeugen am Standort Rastatt, für den er als Fuhrparkmanager zuständig ist. Zuvor sammelte er zahlreiche Erfahrungen im Rahmen von Auslandsaufenthalten in Frankreich und Australien. Weltweit verwaltet der Getinge-Konzern, zu dem auch die Maquet GmbH gehört, etwa 6.000 Fahrzeuge.