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Die Nutzungsdauer eines Pkw lag laut einer Datenerfassung des Kraftfahrt-Bundesamts am 1. Januar 2017 bei durchschnittlich 9,3 Jahren. In der Statistik sind alle in Deutschland zugelassenen Pkw, also auch Privatfahrzeuge, erfasst. Vor zehn Jahren lag dieser Wert im Schnitt noch bei 8,1 Jahren. Im heutigen Zeitalter schnelllebiger Technologien wird das Kfz dennoch über einen extrem langen Zeitraum genutzt. Zum Vergleich: Die Erstnutzung eines Smartphones liegt im Durchschnitt nur bei gerade einmal zwei Jahren. Entsprechend überlebt ein Auto theoretisch mehr als vier Smartphone-Generationen. Selbst ein Flottenfahrzeug kommt im Leasing auf über drei Jahre.

Der große Unterschied in der Nutzungsdauer macht es für Autohersteller nahezu unmöglich ein System zu entwickeln, welches auch in der Zukunft noch up-to-date ist. Insbesondere wenn man bedenkt dass schon die Entwicklung eines neuen Modells rund drei bis vier Jahre in Anspruch nimmt. Das heißt bis ein Fahrzeug auf den Markt kommt, ist das bei Entwicklungsstart aktuellste Smartphone schon lange veraltet. Die Lösung sind Softwarekonzepte, die es ermöglichen das Fahrzeugsystem regelmäßig zu aktualisieren und so unter anderem die Konnektivität über die gesamte Betriebsdauer aufrecht zu erhalten. Die gute Nachricht: Ein Großteil der Autobauer hat mittlerweile ein updatefähiges System im Portfolio. Das jeweilige Konzept sowie dessen Umfang ist in unserer Übersicht abgebildet.

Dem Thema „Connected Cars“, also voll vernetzte beziehungsweise konnektive Fahrzeuge, hat sich unter anderem der Bundesverband Digitale Wirtschaft e. V. (BVDW) angenommen und zehn Thesen veröffentlicht. Demnach geht die Wertschöpfung im digitalen Zeitaltert schon lange über den reinen Verkauf hinaus. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass das Auto immer weniger als „Statussymbol“ angesehen wird. Dagegen steigt die Bedeutung für andere Mobilitätsformen sowie die Vernetzung der Geräte untereinander. Laut Experten des BVDW sollen periphere Dienste wie Kundenbeziehungen, Beratung und Service in Zukunft mehr Umsatz erzielen können als Fahrzeugkauf. Letztendlich sollen laut dem Thesenpapier nur Hersteller von der „digitalen Revolution“ im Bereich der voll vernetzten Fahrzeuge profitieren können, wenn sie ein digitales Ökosystem schaffen.

Allerdings warnt der BVDW auch vor Risiken. Denn sollte die Entwicklung nicht gelingen, dann könnte die Konnektivität nicht von den Autoherstellern geprägt werden. In diesem Fall würde sich für branchenfremde Unternehmen wie Google, Apple oder Microsoft eine Chance eröffnen in den Markt einzusteigen und den etablierten Herstellern so den Rang abzulaufen. Kritisiert wird die fehlende Einheitlichkeit bei den „Connected Cars“. Auf einem Gerät gespeicherte Präferenzen wie Sitzeinstellung des Fahrers sollten sich automatisch auf alle Fahrzeuge übertragen, um so einen Mehrwert für den Nutzer zu generieren.

Auf Anfrage von Flottenmanagement geben jedoch alle beteiligten Hersteller an, in den letzten Jahren stark an der Konnektivität gearbeitet zu haben. Sie stellt ein Kernelement der strategischen Zukunftsentwicklung dar. Rüdiger Hüttemann, Mitglied der Geschäftsleitung der Volvo Car Germany GmbH, gibt hierzu Auskunft: „Konnektivität gehört zu den „Must have“ Features eines modernen Automobils. Die Hersteller müssen den diesbezüglichen Anforderungen der Kunden umfangreich gerecht werden – speziell im Premium-Segment.“ Entsprechend hoch sei der Stellenwert in der Entwicklung. Diese erfordere laut Hüttemann einen ganzheitlichen Ansatz einer kompletten Vernetzung von Automobil und Serviceleistungen.

Unter der kompletten Vernetzung ist unter anderem jegliche technisch bedingte Interaktion in einem Automobil zu verstehen. Es werden also zahlreiche Daten gesammelt, weshalb sich natürlich automatisch die Frage nach dem Datenschutz stellt. Momentan herrscht hier eine rechtliche Grauzone. Neuerdings wird in der Diskussion allerdings zwischen „online“ und „offline“ unterschieden. Die „offline“ Datenspeicherung findet in allen Fahrzeugen statt. Bei älteren Modellen können diese Daten nur in der Werkstatt ausgelesen werden. Moderne Fahrzeuge kommunizieren diese mittlerweile ebenso „online“ in Echtzeit. Somit können diese jederzeit extern abgerufen werden. Daher müssen in diesem Fall die Daten gegen externe Angriffe und unbefugte Nutzung geschützt werden. Entsprechend steht der Schutz personenbezogener Daten im Fokus. Es dürfen anhand der Daten keine Rückschlüsse auf den Fahrer, wie beispielsweise eine GPS-Ortung, gezogen werden. Vorteilhaft kann die Ortung im Falle eines Unfalls sein. Zu nennen ist hier das e-Call-System, welches ab 2018 in allen Pkw serienmäßig verbaut sein muss. Das System sendet im Fall eines Unfalls einen Notruf ab und übermittelt gleichzeitig den Standort des Fahrzeugs.

Denn moderne Fahrzeuge sind in der Lage den aktuellen Status selbstständig abrufen zu können und gegebenenfalls zu handeln. Das Auto weiß somit zu jedem Zeitpunkt, wo es sich befindet, was in der unmittelbaren Umgebung passiert und welche Maßnahmen entsprechend einzuläuten sind. So kann der Fahrer unter anderem basierend auf der Auswertung von Fahrzeugdaten über den nächsten Servicetermin oder anstehende Reparaturen informiert werden. Über eine selbstständige Kommunikation des Systems mit einer verbundenen Werkstatt kann hierbei sogar die Terminvereinbarung automatisch erfolgen.

Ein weiterer Punkt ist die Interaktion mit dem Smartphone. Denn speziell für Dienstwagenfahrer ist das Smartphone von enormer Bedeutung und aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken. Schließlich sind dort alle Kontakte und Termine hinterlegt. Auch deshalb wächst laut Alf Pollex, Leiter Connected Car und Infotainment in der Elektronikentwicklung der Marke Volkswagen, die Bedeutung der Interaktion zwischen Fahrzeug und Smartphone immer weiter. Diese Interaktion zwischen dem Fahrzeug und einem externen Gerät verläuft in den meisten Fällen über ein Infotainmentsystem. Über ein solches System kann der Fahrer sowohl auf das Smartphone als auch auf die wichtigsten Fahrzeugdaten zugreifen. Bei Ford spricht man im Zusammenhang mit dem Infotainmentsystem von der Verbindung der für den Fahrer wichtigen Aspekte wie Erreichbarkeit, Komfort und Sicherheit.

Letztendlich legen die Kunden bei der Kaufentscheidung eines Fahrzeugs viel Wert auf die Konnektivität. Ebenso zählen wie bereits angesprochen weitere Serviceleistungen zu den Entscheidungskriterien bei einem Fahrzeugkauf. Hierzu gehört unter anderem die Updatefähigkeit des Fahrzeugs (siehe Übersicht auf Seite 66) und so beispielsweise die Möglichkeit, die Karten der Navigation regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Somit verfügt der Fahrer über aktuelle Informationen zu Baustellen oder Streckensperrungen, die ein schnellstmögliches Erreichen des Fahrziels ermöglichen. Viele Hersteller bieten Aktualisierungen der Karten oder des gesamten Systems, je nach Angebot sogar kostenfrei an.

Fazit: Die unter dem oft benutzten Begriff der Konnektivität bekannten voll vernetzten Fahrzeuge sind Fluch und Segen zugleich. Dem Fahrer bieten sich durch die Interaktion des Autos mit externen Geräten viele Vorteile. So kann der Dienstwagenfahrer auch während der Fahrt über das Auto problemlos auf die im Smartphone gespeicherten Daten wie Kontakte zugreifen. Durch Updates stehen dem Fahrer zudem immer die aktuellsten Straßenkarten zur Verfügung. Allerdings sendet das voll vernetzte Auto ständig Signale nach außen. Die Gefahr vor Fremdzugriff oder Manipulation ist deshalb durchaus gegeben. Schützen kann sich der Fahrer dagegen kaum. Er ist darauf angewiesen dass die Autohersteller die Daten ausreichend verschlüsseln.