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Seit Ende 2013 sind alle Tankstellenbetreiber in Deutschland verpflichtet Preiserhöhungen und -Senkungen an die Markttransparenzstelle beim Bundeskartellamt zu melden. Seitdem konnten konkrete Daten über Treibstoffkosten und die Kostenverläufe nach verschiedenen Kriterien gesammelt und in Studien ausgewertet werden, so dass nun belastbare Ergebnissen präsentiert werden können.

Preisänderungen und Preisniveau sind nämlich alles andere als willkürlich, sondern folgen vielmehr Gesetzmäßigkeiten. Demnach sind es drei Kriterien, die signifikante Unterschiede zu Tage fördern und die berücksichtigt werden können, um Kosten einzusparen: 1. Der Lieferant, die Mineralölgesellschaften, 2. der Standort, die Postleitzahl-Gebiete und 3. der Tanktag und Zeitpunkt. Wenn die Einsparpotenziale klar sind, ist der vierte Faktor die Fahrer zu sensibilisieren, möglichst nur eine optimale Betankung nach den Kriterien vorzunehmen – sofern der Fahrer eine Wahl hat.

Motivation und Einsparpotenziale
Eine kurze Umfrage unter den Mitgliedern des Fuhrparkverbandes hat gezeigt, dass Tankzeitpunkte vor dem Hintergrund der Tagespreise bisher nicht oder zumindest nur in wenigen Fällen geprüft werden. Auf der anderen Seite läge es aber auch daran, dass die eingesetzte Fuhrparksoftware das nicht auswerten könnte. Klar ist aber, dass das bezüglich der Kostenbetrachtung für das Fuhrparkmanagement besonders interessant ist. Denn rund ein Viertel der gesamten Fuhrparkkosten sind Kraftstoffkosten. Schon bei 15 Fahrzeugen kommen schnell 300.000 gefahrene Kilometer pro Jahr zusammen. Das kann einer Spritmenge von circa 21.000 Litern bei sieben Litern Durchschnittsverbrauch entsprechen. Schon hier können vierstellige Eurosummen eingespart werden. Je mehr Fahrzeuge im Einsatz sind, desto beeindruckender sind die Möglichkeiten.

Datenlieferant Tankkarten
In der Regel arbeiten die Fuhrparks heute mit Tankkarten, die eine übersichtliche und beleglose Abrechnung ermöglichen. Sie vereinfachen den Abrechnungsprozess, da alle Transaktionen Fahrzeug- und Fahrer-spezifisch aufgezeichnet werden. Auch entfallen überflüssige Dokumentationen, das Einheften von Quittungen und das Bargeldrisiko, Reisekostenvorschüsse werden eingespart und die Flottendaten sind übersichtlich aufbereitet. Anbieter sind die Mineralölgesellschaften, Leasinggesellschaften oder unabhängige Dienstleister. Alle bieten gute Services mit den anbieterspezifischen Vor- und Nachteilen, die jedes Unternehmen je nach eigener Situation abwägen muss. Wichtig ist, dass es für den Fuhrparkverantwortlichen leicht nachvollziehbar sein soll, wo, zu welcher Uhrzeit und bei welchem Anbieter getankt wurde. Und das sind genau die Kriterien, die für den Kraftstoffpreis ausschlaggebend sind.

Untenehmensspezifische Analyse
Es ist empfehlenswert zusätzlich das gezeigte und das erforderliche Mobilitätsverhalten der Fahrzeugnutzenden zu betrachten. Nicht alle Fahrzeuge müssen häufig betankt werden und sind hinsichtlich der Tankzeitpunkte variabel steuerbar. Das bedeutet, abhängig von den Preisentwicklungen am Markt sind bei entsprechender Disposition Kostenersparnisse denkbar.

Es ist zudem hilfreich in Tankreportings den Tankzeitpunkt und den Zapfsäulenpreis konsequent nachvollziehbar zu machen. Spritkostenreportings sind in verschiedener Güte am Markt erhältlich und hier sollten gegebenenfalls seitens der Fuhrparks entsprechende Forderungen auf Verbesserung der Datenqualität erhoben werden, falls erforderlich. Auch IT-Firmen haben hier gegebenenfalls noch Entwicklungspotenzial, Fuhrparksoftware bezogen auf die Auswertbarkeit von Tankzeitpunkten zu verbessern.

Sensibilisierung der Fuhrparknutzer
„Wir weisen unsere Fahrer darauf hin, dass sie nach Möglichkeit nicht bei Aral, Shell, Esso tanken sollen, da dort die Konditionen über unseren Tankkartenanbieter nicht so gut sind und die Preise ja eh höher“, sagt ein Fuhrparkleiter. Konsequenzen gebe es bei Nichteinhaltung aber bisher keine. Aber konkrete Auswirkungen und Preisverläufe stellt er ins Intranet, um seine Fahrer zu sensibilisieren.

Prinzipiell stellt sich die Frage, ob die Tankgewohnheiten freiwillig oder mit Nachdruck geändert werden sollten. Das hängt davon ab ... Zum Beispiel von den Nutzungsgewohnheiten und der Art des Fuhrparks. Von strikter Vorschrift, Tankzeitpunkte einzuhalten, ist eher abzuraten. Ausreden wird es immer geben. Besser ist es, ein entsprechendes Bewusstsein bei den Mitarbeitern entstehen zu lassen, und sie vielleicht an den Einsparungen zu beteiligen.

Tankzeitpunkte
Die Mineralölgesellschaften zeigen innerhalb einer Woche ein sehr unterschiedliches Preisverhalten, was aber auch bestimmten Gesetzmäßigkeiten folgt, die es herauszufinden und zu nutzen gilt. Dies liegt in der Natur des Wettbewerbs. Dazu kommt, dass Mitarbeiter die über Tankkarten verfügen bezüglich der Preissensitivität träge werden. Andererseits ist es auch so, dass große Umwege, nur um „billig“ zu tanken, nicht sinnvoll sind. In ihrem dritten Jahresbericht der Markttransparenzstelle wird der Zyklus analysiert. Im Vergleich der Wochentage gibt es wenig Unterschiede, im Tagesverlauf steigen ab etwa 6 Uhr morgens die über Nacht relativ hohen Preise bis zur Mittagszeit. Um die Mittagszeit steigen die Preise in vergleichsweise geringem Umfang an. Bis zum Abend fallen die Preise dann wieder bis zu ihrem Tief ab etwa 18 Uhr. Spätestens ab 21 Uhr steigen die Preise überwiegend ganz deutlich an.

Tankstellenbetreiber und Standort
Fakt ist: Es gibt hochpreisige und niedrigpreisige Anbieter mit Preisdifferenzen oft bis zu zehn Cent. Die sind in der Regel bekannt oder können durch Rankings identifiziert werden. Es gibt auch klare regionale Unterschiede. Hamburger tanken beispielsweise günstiger als Bayern. Das hat die Auswertung der Kraftstoffpreise in 16 Bundesländern durch den ADAC gezeigt. Wenn Fahrer im Fuhrpark also die Wahl haben, ob sie in Rheinland-Pfalz oder in Hessen tanken, weil sie beispielsweise im „Grenzgebiet“ eingesetzt sind, kann auch hier ein Check der Postleitzahl-Gebiete sinnvoll sein. Alle Kriterien gleichzeitig wird der Fahrer nicht beachten und vor allem auch abwägen können. Da ist aber die Technik gefragt, ihm diese Entscheidung in Zukunft leichter zu machen.

Axel Schäfer
Bundesverband Fuhrparkmanagement

 

AUTOR

AXEL SCHÄFER ist seit 2010 Geschäftsführer des von ihm mit initiierten und mit gegründeten Bundesverbandes Fuhrparkmanagement e. V. Zuvor war er viele Jahre erfolgreich im Vertrieb bei führenden Leasinggesellschaften tätig, bevor er sich 1991 selbstständig machte. Der diplomierte Finanzierungs- und Leasingwirt (VWA) ist seit 1992 als Autor, Trainer/Fachreferent in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Seine Kernkompetenz liegt nach wie vor in Fuhrparkmanagement und Leasing. Von 1992 bis 2012 war er Autor und Herausgeber des Praxishandbuchs Fuhrparkmanagement, aktuell gibt er das Fuhrparkcockpit für Mitglieder des Fuhrparkverbandes heraus, eine digitale Know-how-Sammlung, die umfangreiches Fuhrparkwissen bereitstellt.