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Wer erinnert sich noch an die asiatischen Kleinbusse aus den 1980er-Jahren, die aussahen, als könne man sie einfach umschubsen? Sie eigneten sich zum Transport von bis zu sieben Personen oder einer Menge Waren und beschränkten sich auf äußerst kompakte Außenmaße mit schmalem Radstand: Mit etwa 3,5 Metern Länge und 1,5 Metern Breite lagen die Maße der auch als Minivan bezeichneten Klasse weit unterhalb des Größenraums, den wir für unseren aktuellen Minivan-Kostenvergleich vorgesehen haben. Die ausgewählten heutigen Fahrzeuge sind also länger und breiter, dafür mit niedrigerer Dachhöhe. Hier waren also die Japaner die Vorreiter einer Klasse, die in den letzten Jahren eine gewisse Beliebtheit erfahren hat, weil sie zwei wesentliche Voraussetzungen funktioneller Fahrzeuge aufweist: Kompakte Außenmaße sind nützlich im Stadtbetrieb und das Hochdach sorgt für Laderaum. Wenn dann das Design anspricht und die technischen Daten günstige Unterhaltskosten versprechen, steht dem Erfolg der Modelle auch im Fuhrparkbereich nicht mehr viel im Wege.

Die Abgrenzung innerhalb der Klasse, die beim Kraftfahrt-Bundesamt „Van“, unterteilt in „Minivan“ und „Großraumvan“, lautet, gehört zu den Herausforderungen, die es im frühesten Stadium des Vergleichs zu meistern gilt. Der letzte Kostenvergleich in der Klasse hatte in der Ausgabe 4/2015 die Kompaktvans und Großraumvans im Fokus. Um möglichst von jedem Hersteller mit verfügbaren Modellen einen Vertreter unterzubringen, wählten wir die Abgrenzungskriterien für die Minivans in einem Größenbereich bis 4,37 Meter Länge. So findet auch der Peugeot 3008 Platz in diesem Vergleich, der im Minivan- und Kompaktvan-Vergleich in der Ausgabe Flottenmanagement 3/2014 in der Rubrik Kompaktvan rangierte, im letzten Kompaktvan-Vergleich nahm der etwas größere Peugeot 5008 dort die Herausforderung an. Die Höhe wiederum ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Kleinwagen. Wir ziehen nur die Modelle in Betracht, die höher als 1,53 Meter sind. So kommt dem Nissan Note sogar die Ehre zuteil, nicht nur bei den Kleinwagen, sondern auch bei den Minivans im Wettbewerb zu stehen. Er gehört zu den Modellen, bei denen die Grenze zu anderen Segmenten fließend verläuft und die die Abgrenzung schwierig gestalten. Eben diese fließende Grenze würde auch die Pkw-Varianten der Kleintransporter einschließen, diese lassen wir aber bewusst außen vor.

So leiten wir nun den Blick auf den Vergleich der Minivans: Die Modellauswahl hat sich innerhalb der letzten zwei Jahre nur wenig verändert. Aufgrund eingestellter Produktion kommen der Seat Altea und der Toyota Verso-S nicht mehr vor, leider gibt es von jenen Herstellern derzeit auch keinen Ersatz in diesem Segment. Neu hinzugekommen sind der BMW 2er als Active Tourer und wie oben erwähnt der Nissan Note sowie der Peugeot 3008. Die Klasse ist keine, in der es viele Neuigkeiten gibt. Zu den neuesten Modellen gehören der BMW 2er Active Tourer sowie der Hyundai ix20, die jeweils Ende 2014 und Mitte 2015 neu auf den Markt kamen. Die letzten Facelifts liegen zwei Jahre und mehr zurück. Dafür werden einige Modelle in neuer Generation zum nächsten Modelljahr erwartet: In einer Kooperation planen Citroën, Opel und Peugeot die Nachfolger für C3 Picasso, Meriva und 3008; zu lesen ist, dass der Fokus auf Crossover-Design mit SUV-Elementen gelegt werden soll. Kurzum: In diesem Vergleich treten zehn Modelle gegeneinander an.

Neben der obligatorischen Mindestausstattungsvorgabe, die vom Flotteneinsatz beeinflusst ist, haben wir als weitere Einschränkungskriterien das Leistungsspektrum der Dieselmotoren auf rund 80 kW/109 PS festgelegt und ein manuelles Schaltgetriebe vorgegeben. Wesentlich darunter liegt der Nissan Note mit 66 kW/90 PS, um einiges darüber liegt der Kia Venga mit 94 kW/128 PS. Eine größere Bandbreite ergibt sich auch auf der Preisebene: Der mittlere Preis für ein nach unseren Vorgaben ausgestattetes Fahrzeug beläuft sich auf 20.731,77 Euro netto. Die tatsächliche Spanne reicht von rund 16.950 Euro für den Nissan Note bis hin zu 26.327,73 Euro für den Münchner Minivan, das sind fast 10.000 Euro netto Unterschied. Ein Automatikgetriebe scheint in der Klasse nicht so nachgefragt zu sein, lediglich der BMW 2er Active Tourer, der Peugeot 3008 und der Volkswagen Golf Sportsvan können in den ausgewählten Modellvarianten mit Schaltautomatik geordert werden. Bei zwei Modellen erwies sich das vorgegebene Start-Stopp-System als kleine Hürde, die Versionen des Citroën C3 Picasso und Kia Venga konnten nicht mit Start-Stopp-System kalkuliert werden. Wer im weitesten Sinne innerhalb dieser Klasse gerne ein Modell mit alternativem Antrieb wählen möchte, kann mit dem BMW 225xe Active Tourer ein Hybridmodell mit Plug-in-Lademöglichkeit oder mit dem Kia Soul EV, dem Renault Kangoo Z.E. oder dem Nissan Leaf ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug erhalten, für das es zudem die seit Kurzem beschlossene staatliche Förderung gibt. Mit Erdgasantrieb sind der Opel Combo und die Fiat-Modelle 500L und Qubo erhältlich.

Die jeweiligen Motorleistungen sorgen bei den Minivans in unserem Vergleich für Höchstgeschwindigkeiten zwischen 174 und 195 Stundenkilometern. Ihre Durchschnittsverbrauchswerte liegen laut Herstellerangaben zwischen 3,6 und 4,5 Litern auf 100 Kilometern, also relativ eng beieinander. Im Mittel sind dies 4,0 Liter, dieses wird von sechs Modellen unterboten. Beim letzten Vergleich lag der Durchschnittsverbrauch bei 4,2 Litern, jedoch teilweise bedingt durch andere Motorisierungen. Durchgesetzt hat sich mittlerweile der Einsatz von sechs Gängen. Bei sechs der zehn Modelle findet es serienmäßig Verwendung. Bedingt durch die Tankinhalte, die zwischen 41 und 60 Litern liegen, schaffen die kleinen Vans rein rechnerisch eine Strecke zwischen 1.111 und 1.463 Kilometer ohne Tankstopp. Auch in Sachen Schadstoffausstoß können sie sich sehen lassen: Das schadstoffärmste Modell emittiert 93 Gramm CO2 pro Kilometer, im Durchschnitt liegt der CO2-Ausstoß bei 104 Gramm. Sie sind ausschließlich mit A und A+ bei der Energieeffizienz bewertet und können damit als umweltfreundlich gelten.

Weitere wesentliche Daten im Kostenvergleich, die die Rangliste beeinflussen, beziehen sich auf die Rubriken Kofferraumvolumen und Zuladung. Gerade bei der Klasse „Minivan“, die vom Raumkonzept des Fahrzeugs her schon auf Volumen fokussiert, sind die Daten auch für die Wahl des Nutzers entscheidend. Im Durchschnitt fassen die Minivans in unserem Vergleich 1.444 Liter und können an Gewicht 437 Kilogramm zuladen. Der Volkswagen Golf Sportsvan und auch der BMW 2er erweisen sich als Lademeister sowohl für Volumen (1.520 und 1.510 Liter) als auch Gewicht (500 und 465 Kilogramm), sie führen beide Wertungen jeweils an erster und zweiter Stelle an. Bei den meisten der Minivans, nämlich bei sieben Modellen, liegt das Kofferraumvolumen im Bereich bis 1.486 Liter, also dicht am Wert des Sonderwertungssiegers. Nur drei bieten mit Daten von 1.241 bis 1.386 Liter wesentlich weniger Laderaum. Die Zuladungsdaten entsprechen der jeweiligen Basisklasse, dem Kleinwagen. Sie liegen in der Modellauswahl mit 364 bis 500 Kilogramm verhältnismäßig nah beieinander.

Die alles entscheidenden Werte wiederum beziehen sich auf die Kosten, die jeder Fuhrparkmanager und User-Chooser vor einer Bestellung kennen will. In den Full-Service-Leasingraten für die Laufleistungen 20.000, 30.000 und 50.000 Kilometer sowie die jeweiligen Betriebskosten belegen der Ford B-Max, der Nissan Note sowie der Citroën C3 Picasso die Podestplätze, jedoch tatsächlich in anderer Reihenfolge als im Gesamtklassement. Mit den günstigsten Full-Service-Raten in allen Laufleistungen kann der Citroën punkten. Durch den etwas höheren Kraftstoffverbrauch gelingt ihm das bei den Betriebskosten allerdings nur in den Laufleistungsstufen 20.000 und 30.000 Kilometer. Bei 50.000 Kilometer Jahresfahrleistung hat der Nissan Note leicht, mit einer Differenz von knapp vier Euro, die Nase vorn und liegt bei den geringeren Jahresfahrleistungen auf Platz zwei. Mit nur wenigen Euro Unterschied belegt der Ford B-Max den dritten Rang. Auch bei den Full-Service- Raten liegen Nissan Note und Ford B-Max nur wenig auseinander. Das ist symptomatisch für sämtliche Raten innerhalb des Siegerfeldes. Entscheidungsbedeutsam werden dadurch andere Größen oder gar die generelle Markenausrichtung im Fuhrpark.

Über alle Wertungskriterien hinweg siegt der Ford B-Max, der nicht nur eine gute Kostenbasis hat, sondern mit günstigen Verbrauchs- beziehungsweise Schadstoffausstoßdaten sowie der Servicenetzdichte punkten kann. Einziges Manko in der Bilanz stellt das vergleichsmäßig geringe Kofferraumvolumen dar. Der Zweitplatzierte Nissan überzeugte ebenfalls mit niedrigen Kosten sowie geringem Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß. Abstriche gab es in Bezug auf die Reichweite aufgrund des kleinen Kraftstofftanks sowie vergleichsmäßig geringere Zahl der Servicebetriebe. Entscheidende Punkte konnte der Citroën C3 Picasso mit günstigen Betriebskosten- und Full-Service-Raten sowie dem großen Kofferraumvolumen sammeln, die ihm unterm Strich den dritten Platz bescherten. Wer in jedem Fall least, kommt auch um den fünftplatzierten Golf Sportsvan nicht herum, der mit weitgehend durchschnittlichen Kostenraten in der Konkurrenz steht, aber aufgrund eines verhältnismäßig hohen Listenpreises beziehungsweise aufgrund höherer Sonderausstattungsbeträge in der Wertung Punkte verliert. Auch wenn sich in der Klasse innerhalb der letzten Jahre nicht sehr viel bewegt hat, bietet sie interessante und flexible Fahrzeuge zu guten Konditionen. Und es tummeln sich dort sowohl deutsche als auch europäische und asiatische Hersteller – und damit ist potenziell für jeden Fuhrpark etwas dabei.

 

Flottenmanagement-Vorgabe
Mindestausstattung

• ABS – Antiblockiersystem
• Bluetooth-Freisprecheinrichtung
• ESP – Elektronisches Stabilitätsprogramm
• Geschwindigkeitsregelanlage
• Klimaautomatik
• Navigationssystem
• Nebelscheinwerfer
• Parksensoren hinten
• Radio CD/MP3
• Rundum-Airbagschutz
• Start-/Stopp-System
• USB-Anschluss

 

So haben wir gewertet
Der Fokus der Bewertung liegt auf den Leasing-, Betriebs- und Treibstoffkosten. Die jeweils drei gü nstigsten Fahrzeuge erhalten eine grü ne, die jeweils drei teuersten eine rote Markierung. Ebenfalls in die Grü n-Rot- Bewertung fließen neben den Ladungsdaten wie Zuladung und dem Kofferraumvolumen der Durchschnittsverbrauch, der CO2-Ausstoß sowie die Reichweite mit ein, da auch dies wichtige Kriterien fü r die Nutzung in der Flotte sind. Gleiches gilt fü r die Dichte des Servicenetzes, denn das entscheidet, wie lange das Fahrzeug im Falle einer Panne oder des normalen Services nicht zur Verfü gung steht. Signifikante Abweichungen bei der Garantiezeit oder des Inspektionsintervalls haben wir ebenso bewertet wie das Nichterfü llen der Mindestausstattung. Auch der Listenpreis ist ein Kriterium, entscheidet dieser doch ü ber die steuerliche Belastung bei der Ein- Prozent-Regelung. Alle anderen angegebenen Werte dienen nur der Information.