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Was ist der Škoda Superb eigentlich? Mittelklasse? Obere Mittelklasse oder gar Oberklasse? Man weiß es nicht so genau, die Modelle des osteuropäischen Volkswagen-Ablegers mit dem messerscharfen Design und der soliden Qualität zu vernünftigen Preisen reihen sich gerne zwischen den üblichen Segmenten ein. Jedenfalls basiert das Markenflaggschiff auf dem modularen Querbaukasten für Frontantrieb und bedient sich der Triebwerke des Konzern-Baukastens. Das sind inzwischen nur noch Vierzylinder für dieses Segment, um der heutzutage erwarteten Effizienz Rechnung zu tragen. Bis zu 280 PS kann der Interessent bekommen – Flottenmanagement bevorzugte für den ersten Test die 150 PS starke Diesel-Variante. Die ist nämlich genau richtig für den Einsatz im kilometerträchtigen Gewerbebereich, bietet sie doch bei hervorragender Wirtschaftlichkeit ordentliche Fahrleistungen. Wer den neuen Superb entdeckt, erkennt auf Anhieb die Verwandtschaft innerhalb der Generationen; allerdings trugen die Designer Sorge dafür, dass er ebenso unverkennbar als das aktuelle Modell wahrgenommen wird.

Messerscharfe Sicken ziehen sich über das gesamte Kleid – zwei davon in den Flanken sowie ganze sechs Blech gewordene Falten in der Motorhaube, von denen sich zwei zu einer breiten Erhebung formieren. Dazu kommen zackige Scheinwerfer und Rückleuchten, die der Gesamterscheinung einen durchtrainierten Touch verleihen. Die spitz zulaufenden Chromleisten im Bereich der C-Säule sorgen für Eigenständigkeit – der Škoda läuft also nicht Gefahr, verwechselt zu werden. Das gilt übrigens auch für die Innenarchitektur, die sich markeneigene Traditionen bis heute bewahrt. So ist das Zifferblatt mit einschlägiger Schriftart bedruckt – klar und gut ablesbar übrigens. Verschiedene Elemente wie sämtliche Lüftungsdüsen und die Einlagen beispielsweise des Instrumentariums und der Tastenleiste um den TFT-Monitor herum nehmen die zackige Formensprache der äußeren Gestaltung auf. Das Qualitätsniveau rangiert durchweg auf hohem Level – ob nun Spaltmaße oder Haptik, der Tscheche muss sich in keiner Disziplin vor dem Wettbewerb verstecken.

Lassen wir uns nieder. Am besten hinten. Sofort kommt wieder die Frage in den Sinn, welcher Klasse der Superb nun angehört. Wollte man die Platzverhältnisse im Fond als Maßstab nehmen, müsste man klar sagen: Oberklasse! Womöglich bieten nicht einmal alle wahren Oberklasse-Vertreter derartig viel Platz zwischen hinterer Sitzbank und den Vordersitzlehnen. Und dann die ganzen simplen, aber praktischen Kniffe, die der Superb draufhat. Wer den Viertürer kurzerhand als Chauffeur-Wagen umfunktionieren und es sich gutgehen lassen möchte, klappe einfach die Beifahrersitz-Lehne um und strecke die Beine aus. Auch zum Einladen langer Gegenstände macht sich dieses Feature gut. Apropos Laderaum – das Gepäckabteil fasst mit aufrechter Rückbank 625 Liter. Doch da geht noch mehr: Beim großen Škoda muss man nicht zwingend den Kombi nehmen, um die hinteren Stühle beiseiteräumen zu können. Dazu ist auch die Limousine in der Lage und vergrößert ihre Mitnahmekapazität sodann auf satte 1.760 Liter.

Die Sessel selbst präsentieren sich straff und bieten gute Sitzgelegenheiten für lange Reisen. Zusammen mit dem ausladenden Platzangebot avanciert der Skoda zum veritablen Kilometerfresser. Und immer wieder entdeckt man nützliche Funktionen – seien es die (zugegeben schon in früheren Generationen vorhandenen) kleinen Müllbecher oder die Tasten an der seitlichen Fläche der Beifahrersitz-Lehne: Jawohl, hier können Fahrer und hintere Passagiere das Nachbarmöbel verstellen, falls es ihnen einmal in die Quere kommen sollte. Freilich bewahrt sich der Superb jene fast schon zur Tradition gereiften Gimmicks wie zum Beispiel den im Tankdeckel untergebrachten Eiskratzer. Viel technisches Rüstzeug kennzeichnet den Jahrgang 2015. Zu den bodenständigen Optionen zählen elektronisch verstellbare Dämpfer, die der Limousine auf Knopfdruck etwas mehr Sportlichkeit bescheren. Aber die Komfortstellung passt besser zu dem Gleiter, der mit seiner sanft abgestimmten Federung ein Meister der Bodenwellen ist.

Doch nun zum Triebwerk. Mit 340 Nm ab 1.750 Touren ist der Selbstzünder hinreichend kräftig, um den Gleiter angemessen in Fahrt zu versetzen. Der Testwagen verfügte über das serienmäßig verbaute Sechsgang-Schaltgetriebe, dessen Gänge zwar nicht sportlich, aber äußerst geschmeidig einrasten. Allerdings: Da die maximale Zugkraft bis 3.000 Umdrehungen anhält, ist ohnehin schaltfaules Fahren angesagt. Und der konzernbekannte Diesel hält sich mit den Maschinentönen zurück: Während man sein Verbrennungsverfahren beim Kaltstart noch identifizieren kann, treten seine Lautäußerungen bei zunehmendem Tempo zurück. Mit Richtgeschwindigkeit über schnelle Pisten streifen gehört zur Paradedisziplin des großen Tourers. Und Ladung intelligent aufnehmen kann er auch – diverse Fächer und Netze helfen dabei, kleine und große Einkaufstüten so zu verstauen, dass sie auch bei einer Vollbremsung ihren Inhalt nicht über die Kofferraumfläche verteilen.

Ab 23.689 Euro netto ist der Superb als 2.0 TDI verfügbar. Serienmäßig ist neben der Klima- und Musikanlage auch die volle Sicherheitsausrüstung inklusive autonomer Notbremsung. In Sachen Assistenten ist der neue Superb fit – dann muss man allerdings zu einer höheren Ausstattungslinie greifen. Je nach Konfiguration gibt es schon ab 1.672 Euro (netto) das so genannte Businesspaket, welches Bluetooth-Freisprechanlage, eine elektrische Heckklappe, Müdigkeitserkennung, ein Navigationssystem, Verkehrszeichen- Erkennung sowie einen W-LAN-Hotspot enthält. Und gegen weitere Extrazahlungen wandern Dinge wie aktive Lenkung, Parkassistent, Rückfahrkamera sowie Stauassistent an Bord. Eine Empfehlung wert ist das riesige Panoramadach mit elektromotorischer Öffnungsfunktion (798 Euro netto), das im Bedarfsfalle für frische Luft und in jedem Falle für einen lichtdurchfluteten Innenraum sorgt. Nach wie vor ist es so, dass die Topversion nach den Firmengründern Laurin & Klement benannt sind. Dann werden 30.630 Euro netto aufgerufen, und es gibt neben den feinen Klavierlack-Applikationen eine Vielzahl an Luxusoptionen plus einen Hauch von Tradition.