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Flottenmanagement: Herr Minister Dobrindt, die Zahl der Fahrzeuge mit Elektroantrieb steigt stetig, aber langsam. Mit welchen Mitteln wollen Sie Unternehmen wie Privatpersonen für Elektromobilität begeistern? Welche strukturellen wie auch finanziellen Anreize wurden seitens des Bundes geschaffen, um die Elektromobilität zu etablieren?

Minister Alexander Dobrindt: Wir haben die besten Ausgangsvoraussetzungen, um der Elektromobilität weitere entscheidende Impulse zu geben. Aktuell sind 17 deutsche E-Modelle auf dem Markt, dieses Jahr kommen weitere 12 hinzu. Jetzt beginnt also die Markthochlaufphase. Die neuen Elektroautos sind technisch ausgereift, voll funktionsfähig, machen Spaß. Ich nutze in Berlin und Umgebung ein Elektrofahrzeug bereits als Dienstwagen.

Was fehlt, ist zum Beispiel ein echter Gebrauchtwagenmarkt, der auch Privatleuten leichter die Chance gibt, solche Autos zu kaufen. Dazu wäre es nötig, dass die Fahrzeugflotten, insbesondere die staatlichen, einen höheren Anteil an der Elektromobilität erlangen. In meinem Ministerium arbeite ich bereits darauf hin.

Direkte Kaufprämien wird es nicht geben. Ich sehe keinen besonderen Anreiz darin, Autos, die 40.000 Euro und mehr kosten, mit einer staatlichen Prämie im Preis um 5.000 Euro zu senken. Wir setzen auf andere Privilegien, etwa die Kfz-Steuerfreiheit, Sonderparkplätze oder Vorteile bei der Dienstwagenbesteuerung. Zusätzlich habe ich ein Elektromobilitätsgesetz auf den Weg gebracht. Mit Privilegien für E-Autos: zum Beispiel bei Parkplätzen oder bei der Benutzung von Busspuren. Wir schaffen den rechtlichen Rahmen. Welche Busspur wann und wie genutzt werden kann, bleibt die Entscheidung der Kommunen.

Flottenmanagement: Bundesweit wurden seit 2009 in sogenannten Modellregionen und Schaufenstern Konzepte für den Aufbau von Infrastrukturen und der Verankerung der Elektromobilität im öffentlichen Raum erprobt. Haben diese Projekte die ambitionierte Zielsetzung, „bis zum Jahr 2020 zum Leitmarkt für Elektromobilität zu werden“, verändert?

Minister Alexander Dobrindt: Nein. Wir werden das Ziel, Leitmarkt für Elektromobilität im Jahre 2020 zu sein, erreichen. Deshalb wollen wir diese Technik weiter fördern. Es ist aber ein langwieriger Prozess. Es war richtig, zunächst Erfahrungen zum konkreten Regelungsbedarf in den Modellregionen und Schaufenstern zu sammeln. Wie der Name „Schaufenster“ schon sagt, werden die vom Bund mit annähernd 180 Millionen Euro geförderten Demonstrations- und Pilotvorhaben hier gebündelt und für jedermann sichtbar gemacht. Mit über 500 Projektpartnern aus allen Bereichen haben wir unser Ziel erreicht, in Deutschland vorhandene Kompetenzen aus den Bereichen Elektrofahrzeuge, Energieversorgung und Verkehrssysteme systemübergreifend zu bündeln und Synergien zu gewinnen. Denn nur im Zusammenspiel von Politik und Industrie – auf allen Ebenen – können wir Deutschland als Leitmarkt für Elektromobilität etablieren.

Flottenmanagement: Welche Zielgruppen soll das Elektrofahrzeug angesichts begrenzter Reichweite und Ladeproblematiken (Ladezeit und -infrastruktur) ansprechen? Ist die Elektromobilität nicht eher noch ein Zukunftsmodell? Welche Rolle spielt Carsharing in diesem Zusammenhang?

Minister Alexander Dobrindt: Wir müssen die Rahmenbedingungen für Elektroautos so ausgestalten, dass der Kauf eines E-Autos für alle attraktiv ist. Das ist auch ein Auftrag an die Hersteller. E-Autos gehören zur Mobilität der Zukunft dazu. Wer die Antriebstechniken der Gegenwart erfunden und ihnen zum Durchbruch verholfen hat, muss dies auch bei den Technologien der Zukunft schaffen. Die Politik kann dazu beitragen, dass die Attraktivität der E-Autos steigt.

Mit unserem im Frühjahr in Kraft tretenden Elektromobilitätsgesetz haben wir zusätzliche Anreize zum Kauf eines Elektroautos auf den Weg gebracht. In einer zweiten Stufe geht es jetzt um den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Eine Teststrecke für längere Fahrten gibt es bereits auf der A 9. Hier knüpfen wir an, damit Deutschland ein Grundversorgungsnetz mit Schnellladestationen erhält. Auf den Bundesautobahnen werden wir deutschlandweit an Raststätten rund 400 zusätzliche Ladesäulen errichten. Künftig soll es möglich sein, mit einem Elektrofahrzeug von der Nordseeküste bis zur Zugspitze zu fahren.

Auch fürs Carsharing soll es Sonderparkplätze geben, die wir noch dieses Jahr erlauben werden. Wir wollen diesen Trend damit unterstützen, gerade in Ballungsgebieten. Die Kommunen entscheiden aber letztlich auch hier selbst, wo diese kostenfreien Angebote sinnvoll sind.