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Wie exklusiv möchten sie unterwegs sein? Nein, die Rede ist mitnichten von Bentley oder Ferrari. Auch bezahlbare Autos müssen nicht an jeder Ecke stehen. Unter der Haube des behandelten Objekts mit der Bezeichnung Q50 werkelt ein profaner, 2,1 Liter großer Dieselmotor mit vier Zylindern, und der Markenname Infiniti entspringt dem Gedächtnis eifriger Nissan-Marketingexperten. Denn es handelt sich hierbei um die derzeit noch rare Luxusdivision des bekannten japanischen Konzerns, die in Europa zwar schon länger erhältlich, aber dennoch erst im Aufbau begriffen ist. Schließlich etabliert man ein neues Label nicht von heute auf morgen. Der Infiniti bringt alles mit, was ein Premium-Mittelklässler so braucht: Potente Aggregate, Heckantrieb und jede Menge Technik. Außerdem bieten die noblen Infiniti-Modelle eine markante Design-Kontinuität und generell einen attraktiven Auftritt. Oberhalb des einprägsamen Kühlergrills prangt eine auffällig geschwungene Motorhaube, um sich mühelos in die Köpfe vorbeigehender Passanten einzubrennen. Wenn die Verantwortlichen dieser Marke eines können, dann ist es Aufmerksamkeit erregen mit ihren Produkten.

Doch keine Sorge, sie können noch mehr als das. Sie sind zum Beispiel Experten im Bereich Hybrid-Antrieb; doch wer in Europa nachhaltige Verkaufserfolge erzielen möchte, muss einen Diesel im Angebot haben. Daher gibt es den Q50 mit einem 170 PS starken Selbstzünder – damit ist er goldrichtig für etwaige Außendienstler, die einerseits nicht zu schwachbrüstig motorisiert unterwegs sein wollen, andererseits aber ein wachsames Auge auf die Kosten haben müssen. Da kommt der Japaner als ökonomische Variante gerade recht – mit 4,8 Litern gemittelt macht der Viertürer eine wahrlich gute Figur, was die Behörden denn auch honorieren mit der lupenreinen Effizienzklasse A. Steigen wir also ein in den „2.2D“ – Infiniti rundet hier auf. Der Selbstzünder verfügt nämlich über exakt 2.143 Kubikzentimeter; doch der kleine kosmetische Eingriff will und muss auch gar nichts verschleiern, denn der ausgesprochen langhubige Vierzylinder braucht sich keineswegs verstecken mit seinen inneren Werten.

Er produziert 400 Nm Drehmoment bereits ab 1.600 Touren. Erst jenseits der 2.800 Umdrehungen flacht die Zugkraft-Kurve wieder ab. Damit ist der Hecktriebler gut für 230 Sachen, und auch der Sprint bis Landstraßentempo kann sich sehen lassen. Für die Automatikvariante meldet das Werk 8,5 Sekunden – damit geht der Japaner als sportlich durch. Apropos Automatik: Die Ingenieure stellen sieben Fahrstufen zur Verfügung, was ein erfreulich niedriges Drehzahl-Level zur Folge hat. Abgesehen davon überzeugt das Wandler-Getriebe durch weiche und spontane Schaltvorgänge. Kickdown-Anforderungen benötigen zwar ein Sekündchen Bedenkzeit, dann aber stürmt der Q50 los und drückt seine Passagiere in die großzügigen Fauteuils. Dabei klingt die Maschine hemdsärmelig und macht keinen Hehl aus ihrem Verbrennungsverfahren – störend aber wird der Vierzylinder selbst gegen Drehzahlende nicht. Nur zur Information: Auch Fans manueller Schaltgetriebe müssen von Infiniti nicht nach Hause geschickt werden.

Bleibt der Innenraum. Hier trifft sachliche Architektur auf geballte Technik. Wer TFT-Fläche mag, wird seine helle Freude haben. Denn die Mittelkonsole beherbergt ein großes Display, das für die Straßenkarte reserviert ist. Darüber hinaus hockt unter Monitor Nummer eins noch ein zweites Feld in ähnlicher Größe, das für die Ausgabe vom Einstellungen zuständig ist und wo je nach Konfiguration auch zahlreiche Apps liegen. Wer sämtliche Features des komplexen Infiniti Q50 komplett ausschöpfen will, muss die eine oder andere Lektion nehmen. Allerdings sind die nötigsten Dinge für den Fahralltag intuitiv erfassbar. Die Technologie des jungen Q50 erstreckt sich indes nicht nur auf das Enter- und Infotainment. In puncto Fahrwerk und Sicherheit haben die Entwickler alle Register gezogen, um die Mittelklasse auf Augenhöhe mit dem Premium-Wettbewerb zu hieven. Dazu gehört beispielsweise eine neuartige Lenkung ohne mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und den Rädern. Und da der Lenkwinkel mittels Aktuator erzeugt wird, kann das Übersetzungsverhältnis quasi frei bestimmt werden – außerdem kann man per Knopfdruck eine Kennlinie vorwählen.

In der Praxis vermittelt die Anlage ordentlichen Fahrbahnkontakt und liefert exakte Rückmeldung; in der City erfreut der Q50 durch leichtgängiges Rangieren, ist aber auch bestens geeignet für Ausfahrten auf die geschwungene Landstraße. Die Dämpfung stellt einen ausgewogenen ausgewogenen Kompromiss dar zwischen dezenter Sportlichkeit und ausgeprägten Tourer-Qualitäten. Zusammen mit den kommoden Sitzen macht der Viertürer eine gute Figur auf langen Strecken. Das großzügige Raumangebot kommt ihm außerdem zugute. Vorn lebt es sich ohnehin luftig, doch auch im Fond macht das Reisen Spaß. Lange Personen müssen kaum befürchten, mit ihren Beinen an die vorderen Lehnen zu stoßen.

Mindestens 30.705 Euro netto müssen die Interessenten für den Q50 2.2D überweisen. Für den Preis gibt es eine recht großzügige Grundausstattung inklusive Bluetooth-Freisprechanlage, Klimaautomatik, Radio, Rückfahrkamera sowie Tempomat. Für die neuartige adaptive Lenkung werden zusätzlich 840 Euro fällig – darin enthalten ist zudem ein Fahrspur-Assistent. Weitere 714 Euro bescheren dem Q50 Voll-LEDScheinwerfer. Beim Thema Sicherheit haben sich die Infiniti-Ingenieure so richtig ins Zeug gelegt und dem Q50 alles mitgegeben, was gut und teuer ist. Interessant ist das so genannte Safety-Shield-Paket mit autonomer Bremsfunktion, Heckaufprall-Schutz, Spurverlassenswarnung, aktivem Tempomat sowie Totwinkel- Alarm. Beim Heck-Crash-Verhinderer handelt es sich um Detektoren für Querverkehr beim rückwärtigen Rangieren. Neben akustischen Warnsignalen erhöht das System den Fahrpedal- Widerstand und tätigt einen Bremseingriff, falls man trotz fließenden Verkehrs weiterfahren möchte. Das gesamte Paket darf mit 2.184 Euro als fair eingepreist durchgehen. Für das Navigationssystem verlangt Infiniti je nach Ausstattungslinie 2.016 Euro . Bei den höheren Varianten gibt es ausschließlich das Multimedia-Paket (2.689 Euro), das ein Bose-Soundsystem mit 14 Lautsprechern enthält. Wer es optisch ein bisschen schöner mag, bekommt ab 252 Euro netto (alle Preise netto) diverse Dekors. Das Auge reist schließlich mit.