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Dabei ging es – das war einer der Gründe für das gemeinsame Auftreten der beiden Verbände – nicht zuletzt um den ganzheitlichen Blick auf die betriebliche Mobilität sowie das Heben von Synergiepotenzialen im Unternehmen. Denn „in beiden Funktionsbereichen geht es um effiziente Mobilität: bedürfnisgerecht, kosten- und umweltoptimiert, aber auch sicher muss sie sein“, sagt Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement.

Schon heute gibt es in großen Unternehmen oft einen Hauptverantwortlichen sowohl für den Bereich Dienstreisen wie auch für das Flottenmanagement. Natürlich verantworten weiterhin Spezialisten das jeweilige Thema, die sich in der Tiefe der Materie zurechtfinden. Um weitere Einsparpotenziale heben zu können, sollte sich jedoch auch jemand im Unternehmen mit dem „großen Ganzen“ auseinandersetzen. Im Idealfall hilft diese Herangehensweise allen Beteiligten: dem Unternehmen, dem Mobilitätsmanager, dem Dienstreisenden – ob mit oder ohne Auto – und der Umwelt, denn auch dieser Faktor rückt immer weiter in den Fokus.

Besonderen Spaß bereitete dem Keynote-Sprecher CEO Wolfgang Prock-Schauer der Air Berlin der Lufthansa-Streik – eine willkommene Gelegenheit für ihn, seine auch in diesen Tagen zuverlässig abhebende Airline darzustellen. Zumal Air Berlin, auch in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Etihad, sein Angebot für Geschäftsreisende immer weiter ausbaut.

Mobilitätsmanagement
Das Zusammenwachsen von Travel Management und Flottenmanagement war eines der Hauptthemen, das sich durch die gesamte Veranstaltung zog. So wurden die Diskussionen und Vorträge zum Thema Zukunftsaufgabe Mobilität auch von den Präsidenten des VDR und Bundesverbandes Fuhrparkmanagement gemeinsam eröffnet. Denn es gibt zahlreiche Marktkräfte, die auf beide Bereiche wirken: wirtschaftliche Volatilität, Internationalisierung, Margendruck, sich stetig ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen, aber auch Technisierung und Automatisierung der Abläufe mittels Internet, Apps und Cloud. Dabei geht es nicht darum, dass der Travel Manager oder der Fuhrparkmanager seine Kompetenzen auf den jeweils anderen Bereich erweitert – sondern darum, gemeinsam Synergien zu erkennen und zu heben. Das wird dann vielleicht auch eine der wesentlichen Herausforderungen in größeren Unternehmen: interne Kompetenzstreitigkeiten zu vermeiden.

Die Marktanforderungen ändern sich permanent. Hatte Gottlieb Daimler 1901 noch prognostiziert, dass der Gesamtbedarf für Automobile weltweit – allein schon aus Mangel an geeigneten Chauffeuren – nicht über eine Million Fahrzeuge wachsen würde, sah die Welt keine hundert Jahre später schon ganz anders aus: Der – inzwischen selbst gefahrene – Dienstwagen wurde als Motivationsmodell in großen Unternehmen eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Dabei hat sich der gewerbliche Fuhrpark ganz nebenbei zum Innovationsmotor entwickelt: Denn hier entscheidet sich, welche neuen Technologien in den Markt kommen. Und zwar sowohl in den Flottenmarkt wie auch in den Privatmarkt: Es sind zwar lediglich rund zehn Prozent aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge auf Unternehmen registriert – diese sind jedoch für 60 Prozent aller Neuzulassungen verantwortlich und somit für die Auswahl und Ausstattung beispielsweise mit neuen Assistenzsystemen, die sich später im Privatmarkt wiederfinden.

Damit geht natürlich gerade in größeren Flotten eine Verantwortung in Sachen Umweltschutz einher: Denn die Fahrzeuge, die das Unternehmen drei Jahre einsetzt, fahren dann ein Vielfaches dieser Zeit in privater Hand über deutsche Straßen.

Inzwischen, so die These, reicht das Dienstfahrzeug nicht mehr aus, um junge Mitarbeiter zu motivieren: Ganzheitliche Mobilitätskonzepte müssen her, vom Dienstwagen über Carsharing bis hin zu Bahnkarten und Mietwagennutzung. Auch Nachhaltigkeit und Sicherheit sowie Zeitersparnis sind wichtige Themen für potenzielle neue wie auch bestehende Mitarbeiter. Das gilt nicht nur für die Mitarbeiter-Motivationsmodelle, sondern auch für die Planung und Durchführung von Dienstreisen im Allgemeinen. Laut BCD Travel haben nur rund drei Prozent aller Unternehmen in Deutschland einen ganzheitlichen Blick auf Mobilitätsmanagement in all seinen Facetten. Hier besteht also noch großer Handlungsbedarf. Denn die Thematik ist verzahnt, auch wenn sie in den meisten Unternehmen noch isoliert von verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird. Dadurch fehlt dann letztlich der Gesamtüberblick über die totalen Mobilitätskosten – und zwar insgesamt, „von Tür zu Tür“.

Dabei liegen die Lösungsansätze auf der Hand: Mobilitätsmanagement sollte bereichsübergreifend installiert werden, allerdings ohne einzelnen Abteilungen das Gefühl zu geben, hier „Macht“ abgeben zu müssen: Durch bereichsübergreifende Planungen und Auswertungen sowie die Schaffung von einheitlichen IT-Lösungen für eine einfache, bedarfsgerechte Steuerung bei maximaler Kostentransparenz über alle Unternehmensteile und Prozesse. Dafür werden vor allem eine übergeordnete Strategie, einheitliche Prozesse und von allen mitgetragene Rahmenbedingungen benötigt.

Ein ganz simples Beispiel für schlechte innerbetriebliche Effizienz: Unternehmen halten einen Dienstwagen-Pool bereit, der aber kaum genutzt wird, weil die Mitarbeiter lieber ihren Privatwagen fahren und diesen auf Kilometerbasis abrechnen. Dies führt, wenn es keine klaren Regelungen gibt, zu doppelten Kosten: Das Unternehmen hält Poolfahrzeuge vor und erstattet parallel privat Kosten.

Positionierung des Bundesverbandes
Der Bundesverband Fuhrparkmanagement mit inzwischen rund 300 Mitgliedsunternehmen von fünf bis über 20.000 Fahrzeuge hat sich zu einer gewichtigen Interessenvertretung entwickelt und mischt sich daher ab sofort als Stimme der Fuhrparkbetreiber stärker in politische und mediale Prozesse ein. Hierfür wurde ein Positionspapier beschlossen, das sich an den Leitthemen Qualifizierung, Kosten & Prozesse, Fahrzeuge sowie Umwelt & Gesellschaft orientiert. Zielrichtung des Vorstandsvorsitzenden Marc-Oliver Prinzing ist es, wie es sich für eine gute Lobby-Gruppe gehört, künftig schon zu Zeiten der Gesetzesfindung politischen Einfluss auszuüben, um neue Gesetze im Interesse der Mitglieder gezielt mitzugestalten. Das Positionspapier des Bunde s verbande s finden Sie komplett unter www.fuhrparkverband.de.

Nicht nur Arbeit
Nach der Arbeit kam das Vergnügen: Dieses spendierte Erich Sixt als langjähriger Partner des VDR. Der Autovermieter lud zu einer großen Abendparty in das Wasserwerk Berlin, wo fleißig „genetzwerkt“ wurde. Erich Sixt, dessen Erfolg sicher auch seinen pfiffigen Werbesprüchen zu verdanken ist, hatte in seiner Rede zur Abendveranstaltung auch wieder eine Idee für ein neues Sixt-Werbeplakat in Berlin direkt am neuen Flughafen: „Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu errichten“ könnte ein effektvoller Eyecatcher sein. Vielleicht können wir in einigen Jahren dennoch über BER zu einer der nächsten Veranstaltungen von VDR und Bundesverband Fuhrparkmanagement fliegen. Aber sicher noch nicht zur Herbsttagung des VDR im November.