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Seit vielen Jahren berichten Medien aller Art mehr oder weniger begeistert von den Alternativen zu klassischen Verbrennungsmotoren. Selbst die Bundeskanzlerin ließ sich mitreißen und proklamierte ganz gegen ihre sonst stoisch-abwartende Art für 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen. Das ist inzwischen eher kein Thema mehr. Dennoch verdoppelte sich der Absatz der Stromer letztes Jahr auf rund 6.000 Einheiten, gleichzeitig sinken die Preise.

Da die flottenrelevanten deutschen Hersteller ihre Elektropalette immer weiter komplettieren so wie jüngst Volkswagen mit dem e-up und dem e-Golf (Seite 57) oder gleich ganz neue Fahrzeuge entwickeln wie BMW mit dem i3 oder i8, ist langsam die Zeit im Fuhrpark gekommen, verstärkt die Einsatzmöglichkeiten von Elektrofahrzeugen zu prüfen. Auch wenn die „Elektros“ bedingt durch Reichweite und Ladezeiten nur begrenzt eine Alternative darstellen. Für Elektro-Fahrspaß (volles Drehmoment ab 0 Umdrehungen!) ohne Reichweitenbeschränkung gibt es Plug-in-Hybride, welche übrigens ähnlich große Steigerungsraten in den Zulassungsstatistiken verzeichnen.

Bei all den Elektroautos sind Erdgas und Autogas etwas in Vergessenheit geraten. Daher hier noch mal der Hinweis: Dies sind funktionierende alternative Kraftstoffe, die für eine Reduktion des Flotten-CO2-Ausstoßes sorgen können und darüber hinaus ähnlich schnell vollgetankt sind wie Diesel und Benziner. Die Reichweitenproblematik entfällt also, und Tankstellen gibt es zwischenzeitlich auch genügend. Einziger Wermutstropfen: Der Fahrer muss noch immer eine entsprechende Tankstelle gezielt anfahren und den alternativen Kraftstoff damit auch wollen.

Der Fuhrparkleiter an sich ist jedoch, so zumindest der Trend unserer aktuellen Online-Umfrage (Seite 36), ein zutiefst konservatives Wesen. Dies gekoppelt mit den immer kraftstoffsparenderen modernen Dieselmotoren und neuerdings auch Benzinern sowie der Tatsache, dass der Kilometerpreis beim Dieselfahrzeug einfach unschlagbar ist, wird dafür sorgen, dass in deutschen Fuhrparks noch lange überwiegend der klassische Diesel fährt. Auch, wenn er eigentlich nicht wirklich alternativlos ist.

Das erinnert mich ein bisschen an die Prognosen nach dem – auch medialen – Boom des Carsharings. Flugs war überall zu lesen, speziell junge Leute wollten sogar gar kein eigenes Auto mehr, in den Innenstädten schon gleich gar nicht. Auch diese Prognosen verwirklichen sich offenbar nicht oder zumindest in ganz anderen Zeiträumen als angedacht. Der zumeist einzige Grund, warum junge Leute kein eigenes Auto haben (wollen), ist das fehlende Geld hierfür. Auch deshalb ist der Dienstwagen ja ein so großes Motivationsmittel, um junges qualifiziertes Personal anzulocken.

Ralph Wuttke
Chefredakteur