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Am 7. Februar war es wieder soweit: Fuhrparkverantwortliche, Autohersteller, Leasinganbieter sowie Stromanbieter trafen sich auf dem BME-Thementag in Sulzbach/ Taunus, um über das brandaktuelle Thema „Nachhaltige Fuhrpark-Konzepte“ zu diskutieren.

Dass natürliche Ressourcen wie Erdöl zur Neige gehen, ist kein Geheimnis. Das Patent von 1855 auf die Herstellung von Kerosin aus Kohle oder Erdöl, das dem kanadischen Mediziner Abraham T. Gesner in den USA erteilt wurde, gilt als Startschuss der Epoche der modernen Erdölindustrie. Ursprünglich suchte man nach alternativen, preisgünstigen Brennstoffen zu Walöl. Stand heute: Erdöl ist der wichtigste Energieträger auf unserem Planeten sowie Ausgangsstoff für die chemische Industrie. Die Debatte über das Verschwinden der Erdölvorräte alarmiert Industrie und Wirtschaft: Welches Szenario offenbart sich der Menschheit, wenn das Erdöl alle ist?

Beim BME-Thementag „Nachhaltige Fuhrparkkonzepte – diskutieren und erleben!“ bekamen Flottenverantwortliche mittels verschiedener Experten- und Praxisberichte einen interessanten Einblick über neue, mögliche sowie flottentaugliche Technologien, die sogar während der Pausen via Probefahrt praktisch erprobt werden konnten. Die Absenkung von Kraftstoffverbrauch und Abgasemissionen gehörte in den letzten Jahren zu den Hauptaufgaben in der Fahrzeugentwicklung. Während laut Bundesregierung 2012 65 Prozent der Neuwagen auf einen Wert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer kommen müssen, sollen 2015 100 Prozent der Fahrzeuge diesen Emissionswert nicht überschreiten. Können die Hersteller diesen Grenzwert nicht erreichen, drohen Geldbußen. Für den Flottenbetreiber steht die Fuhrparksteuerung deshalb ganz unter dem Stern Umwelt plus Nachhaltigkeit.

Peter Stamm, Leiter Flottenmanagement und Personentransfer bei der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG und Mitglied der BMEFachgruppe Fuhrparkmanagement, begrüßte zu Beginn die Teilnehmer und lud diese zu aufschlussreichen Vorträgen über Umweltaspekte im Fuhrpark, alternative Antriebe sowie viele weitere „Pro-grüne-Flotte“-Themen ein. Mit „Steuerung eines Fuhrparks unter Umweltaspekten“ eröffnete Oliver Dehne, Leiter Consulting bei der Car Professional Fuhrparkmanagement und Beratungsgesellschaft mbH & Co. KG in Hamburg die Vortragsrunde. Warum sich Unternehmen zunehmend für eine grüne Flotte entscheiden, sei offensichtlich: Das Unternehmensimage solle in allen Geschäftsbereichen verbessert werden – es gelte, sich für ein umweltfreundlicheres Handeln und Denken zu engagieren. In Bezug auf die Unternehmensflotte könnten engagierte Fuhrparkmanager eine Verbesserung der Restwerte sowie damit verbundene, attraktivere Leasingraten langfristig erzielen. „Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich der Markt letztendlich entwickelt“, so Oliver Dehne, denn eine umweltfreundlichere Flotte nütze umweltbewussten Flottenbetreibern nichts, wenn sich dabei das falsche Fahrverhalten der Dienstwagenfahrer nicht ändere. Grenzwertdefinitionen sowie ein so genanntes Bonus-Malus-System – ein „Belohnsystem“ – für die Dienstwagenfahrer könnten diese dahingehend sensibilisieren, sich für ein verbrauchsarmes Fahrzeug zu entscheiden. Die Umsetzung einer grünen Flotte sei ein Vorhaben, an dem alle – Fuhrparkleiter, Personalabteilung, Marketingabteilung, Einkauf, Vertrieb, Geschäftsführung aber auch der Dienstwagenfahrer – teilnehmen müssen, um auch erfolgreich zu sein.

Udo Lambrecht, Fachbereichsleiter Verkehr und Umwelt, IFEU – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, unterstrich die bedeutende Wirkung aber auch die Folgen, die durch den Einsatz verbesserter und alternativer Antriebe entstehen könnten. Bei der Diskussion über die Notwendigkeit alternativer Antriebe müsse sich die Menschheit auch mit dem Problem der zunehmenden Verkehrsdichte befassen. Zwar sei die Elektromobilität zusammen mit erneuerbaren Energien ein Pro für die Umwelt, doch man müsse sich auch mit den Fragen rund um das Thema Herstellung, Nutzen sowie Recycling der Batterien beschäftigen. Umweltfreundlichkeit bedeute schließlich auch, dass die Hersteller eine differenzierte Berücksichtigung auf die spätere Entsorgung der Fahrzeuge – sprich auf die Materialien und die Batterie – schon heute in Angriff nehmen müssen.

Zu Wort kamen auch die Hersteller. So luden Michael Christof und Frank Kemmerer, beide Mercedes- Benz Vertrieb Deutschland in Berlin, zum Vortrag „Powertrain Strategy“ ein, bei dem es um nachhaltige Energiekonzepte und Mobilitätswege sowie alternative Antriebe bei Mercedes-Benz ging. Dabei unterstreicht der Hersteller, dass die Umsetzung einer „grünen Technologie“ und einer pro-aktiven CO2-Steuerung eine Herausforderung sei und Mercedes-Benz insbesondere auf seine neuen Motorengenerationen ab 2011 setze. Faszination wolle man dabei stets auch mit Verantwortung verknüpfen, so Michael Christof. Auch der Hersteller Mercedes-Benz hebt hervor, dass ein grünes Energie-Management nicht allein durch die Anschaffung von verbrauchsoptimierten Modellen zum Erfolg führ, sondern auch die Fahrer beispielsweise durch Fahrertrainings eingebunden werden müssen. Großes Ziel des Herstellers sind ein serienmäßiges Start-Stopp-System sowie ein Direkteinspritzsystem, das auch über eine Direktstartfunktion des Motors verfügt. Sprit sparen, CO2-Reduktion, Materialneuheiten und technische Innovationen stehen hier im Vordergrund.

Dirk Breuer, Pressesprecher Technik bei der Toyota Deutschland GmbH in Köln, schnitt das Thema nachhaltige Mobilität in Verbindung mit einer Null-Emissions-Strategie an, und stellte damit den Weg des Herstellers Toyota mit dem richtigen Fahrzeugkonzept zur richtigen Zeit anhand des Beispiels Toyota Prius als Plug-in-Hybrid- Modell für das Flottengeschäft der Zukunft vor. Bereits seit 1997 beschäftigt sich der japanische Hersteller mit der Vollhybridtechnik. Erfolgreiche Strategien sind das Ergebnis von Forschung und Technologienentwicklung, die sich in der Hybridtechnologie des Prius niederschlagen – wer an dieser Stelle misstrauisch war, konnte sich auf dem Gelände des Dorint Hotels in den Pausen ein erstes Bild mittels Probefahrt mit dem Prius machen. Somit präsentiert Toyota durchaus als wettbewerbsfähiger Importeur ein Modell, das sich für eine grüne Flotte eignen könnte. Letztendlich kommt es künftig immer auf den Bedarfszweck und die Nutzungskapazität solcher Alternativantriebe in einem Fuhrpark an.

„Elektromobilität mit Wasserstoff und Brennzelle“ schreibt sich die Adam Opel AG auf die Agenda. Dr. Lars Peter Thiesen, Leiter Einführungsstrategie Wasserstoff und Brennstoffzelle Europa bei der Adam Opel AG, erläutert den Teilnehmern die Strategie der Rüsselsheimer, CO2-Emissionen zu reduzieren und Alternativantriebe zu fördern – dabei steht der Entwicklungsstand der Brennstoffzellentechnologie am Beispiel Opel Ampera im Vordergrund, der Ende 2011 in den regulären Verkauf gehen soll. Warum Brennstoffzelle? Am Beispiel des Testmodells Opel HydroGen4 – ein Brennstoffzellensystem der vierten Generation – könne der Hersteller bereits jetzt hohe Reichweiten, ohne Einschränkungen bei der Fahrzeuggröße oder Funktionalität hinnehmen zu müssen, Null-Emissionen, Alltagstauglichkeit, Dynamik, Systemhaltbarkeit und selbst einen Betrieb bei Minustemperaturen als Ergebnis hervorheben. Offen bleibt – wie bei den meisten alternativen Antriebstechnologien –, wie sich dieses Konzept in der Gesamtstrategie der Alternativantriebe in Zukunft einordnen wird.
Gunter Glück, Geschäftsleitungsmitglied Kundenbetreuung LeasePlan Deutschland GmbH aus Neuss, vertrat die Leasing-Branche auf dem BMEThementag. „Elektromobilität unter Aspekten der Total Costs of Ownership”, lautete sein Vortrag. LeasePlan ist bereits seit 2007 aktiv dabei, mit einem so genannten Greenplan das Umweltengagement von Flottenbetreibern zu fördern; bedeutsam sei auch ein wirksames Incentive-Programm: Fahrertrainings mit dem Ziel „eco-Driver“. Thomas Dera, Abteilungsleiter Gebäudemanagement der Stadtwerke Kiel AG und LeasePlan-Referenzkunde, skizzierte die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen: gezielte Fuhrparkanalyse und –Beratung, sinnvolle Kostenbewertung und regelmäßige Reportings, die Einblendung bisheriger Negativ-Erfahrungen, die Unterstützung bei der Fahrzeugbeschaffung und last but not least, die Bereitstellung intelligenter Nutzungs- und Abrechnungskonzepte. So könnten Fuhrparkverantwortliche diesen schwierigen Balance-Akt zwischen Umwelt, Kosten und Motivation dauerhaft und erfolgreich halten.

Und woher kommt die Energie unserer mobilen Zukunft? René Caplan, Leiter Business Developement B2C RWE E-Mobility von der RWE AG mit Sitz in Essen, schloss die Runde mit seinem Vortrag „Zukunft Elektromobilität mit RWE“ und interessanten Ansätzen und Fakten aus Sicht der Energieversorger. Für RWE ist Elektromobilität ein wichtiger Schritt in Richtung klimafreundliche Mobilität. Letztendlich hinge der Erfolg dieses Alternativantriebs von einer ausgereiften Bündelung aus grünem Strom und intelligenter Infrastruktur ab.

So endete ein informativer und aufschlussreicher BME-Thementag, bei dem das Plenum interessiert und angeregt diskutierte – nicht nur nachträglich zu den Vorträgen, auch während der Pausen nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, Erfahrungen und Meinungen auszutauschen. Selbstverständlich steht das Thema noch am Anfang. Doch die ersten Schritte in die richtige Richtung sind getan. Elektromobilität sowie alternative Antriebe sind aufgrund der Tatsache, dass der fossile Brennstoff Erdöl unaufhaltsam zur Neige geht, notwendig, um ein Mobilitätsnetz, das mit der Weltbevölkerung wachsen wird, ermöglichen zu können. Alle Beteiligten sind auf gutem Wege – am Ende sind Verbraucher sowie Fuhrparkmanager als Kunden und Abnehmer für die alternative Antriebe gefragt. Denn ohne sie verpufft jede technologische Innovationsidee. 2011 als Jahr der Elektromobilität – ein guter Gedanke, den jeder für sich einmal in den Vordergrund stellen sollte. Schließlich werden unsere Gedanken auch durch elektrische Impulse geleitet.