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Wer heute einen Sprinter bestellen möchte, erlebt so ein bisschen Mercedes der guten, alten Zeit ohne Paket-Wirrwarr bei den Sonderausstattungen. Jedes Exemplar kann individuell zusammengestellt werden – das betrifft nicht nur den Aufbau, sondern gilt ebenso für sämtliche Komfort- und Technikmerkmale. So sind Dinge wie Bildschirmnavigationssystem, Sitzheizung, elektrische Schiebetüren und Xenonlicht für den Sprinter keinesfalls Fremdwörter. Wer jeden Tag weite Strecken zurücklegt, soll das ja auch kommod tun können. Ach ja, natürlich achtet man bei den Nutzeseln unseres Jahrtausends auch auf Effizienz und Ökologie. Daher gibt es gegen 211 Euro Aufpreis eine Start- Stop-Anlage – zumindest für die Selbstzünder- Varianten. Und um die geht es hier schließlich. Den Anfang bildet der 210 CDI mit einem zulässigen Gesamtgewicht von drei Tonnen – also nicht immer auf die Modellbezeichnung hören, nach deren Muster es lediglich zwei Tonnen sein dürften. Bei der Leistung kommt es dagegen hin; mit 95 PS macht der 2,2-Liter-Commonrail- Diesel die 100 (steht die erste Zahl des Modellnamens für das Gesamtgewicht, so weisen die letzten beiden auf die Motorleistung hin) zwar nicht ganz voll, reicht aber doch nah heran. Reicht denn die Power aus? Kurzer Radstand und normales Dach – so tritt der nützliche Schwabe an, um Autobahnen und städtische Gefilde zu erobern. Letzteres macht er gern, während die schnelle Piste nicht sein Revier ist, in dem er aber dennoch wildern kann. Nur Steigungen zwingen den Kastenwagen in die Knie, dann schafft der Schalthebel des Sechsganggetriebes prompt Abhilfe. Über bergige Passagen kann das Spitzenmodell des Trios nur lachen.

Es hört auf 316 CDI und mobilisiert bei gleichem Hubraum ordentliche 163 PS. Mit längerem Radstand und damit verbundener Verlängerung der Ladefläche plus Hochdach avanciert der flinke Sprinter zum Super-Lademeister, der seinem Namen alle Ehre macht. Kommt her, ihr Serpentinen! Der Selbstzünder schiebt jederzeit kräftig an, das macht nicht nur an Autobahnsteigungen Spaß, sogar hügelige Landstraßen erklimmt man jetzt mit einem Lächeln. An der Ampel bitte aufpassen, denn die Abschaltautomatik leitet das Anlassen der Maschine zwar unverzüglich wieder ein – aber frühzeitiges Einkuppeln verwirrt das System, die Kolben stehen still. Dafür hält die Vorrichtung eisern durch und lässt den Motor auch bei kalter Witterung nicht nach wenigen Sekunden wieder anspringen – bei vielen PKW mit Start-Stop ein Problem.

Und sonst? Die Getriebe sämtlicher hier getesteter Varianten lassen sich leichtgängig bedienen – hier müssen nicht unbedingt hartgesottene Fahrprofis ans Steuer. Dann schnell in die mittlere Variante 313 CDI und Steigungen ausprobieren. Geht auch ganz gut, wenngleich man die 34 fehlenden Pferdchen durchaus spürt. Der 313 CDI braucht auf der schnellen Piste eben etwas länger, um Richtgeschwindigkeit zu erreichen. Lange Aufstiege quittiert er mit trägerer Beschleunigung als der stärkere Bruder – wenn die Budgets üppiger ausfallen, sollte also ruhig zum kräftigeren Exemplar gegriffen werden. Hinreichend laufruhig sind übrigens alle drei Ausführungen, kein Wunder, schließlich verpassen die Entwicklungsabteilungen ihren nützlichen Anhängern keine B-Ware in puncto Motorentechnologie.

Dem Thema Dämmung wird im Transporterbereich offenbar ebenso Beachtung geschenkt. Und dem Sitzkomfort, denn die Stühle sind keineswegs von schlechten Eltern, auch in der Basis nicht. Gegen Aufpreis lässt sich das Wohlbefinden weiter steigern, zum Beispiel mit einer Schwingvorrichtung. Kommt zum Komfortbedarf auch noch ein größeres Raumproblem, sei die Version mit Super-Hochdach und Überhang empfohlen. In diesem Fall darf man sich im Laderaum gerne die Beine vertreten nach getaner Arbeit und leerem Abteil, an mangelnder Höhe scheitert es jedenfalls nicht. Wie schön, dass man genau so freizügig konfigurieren kann – das treibt nicht nur Autofans Glanz in die Augen. Sprinter bestellen ist also der wahre Luxus und ein Stück alter Mercedes-Geist. Er lebt also doch noch, auch im 21. Jahrhundert.