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Das Malheur werden viele kennen: Beim Einparken signalisierte ein unangenehmes Geräusch, dass die teure Aluminium-Felge die Bordsteinkante gestreift hatte. Der Lack ist beschädigt, die Felge weist unansehnliche Kratzspuren oder gar tiefe Schrammen auf, die selbst mit einem Lackstift nicht mehr zu retuschieren sind.

In der Tat haben Alufelgen einige natürliche Feinde. Anders als bei Stahlfelgen machen Streusalz, Steinschlag und Fahrbahnkanten dem leichten Material irgendwann so schwer zu schaffen, dass zumindest die Optik auf der Strecke bleibt, wenn denn nicht auch die Sicherheit, weil die Felge durch den Aufprall oder ein Schlagloch deformiert wurde. In solchen Fällen ist mit den Schäden schon gar nicht zu spaßen, denn die Felge ist neben dem Reifen das wichtigste Bindeglied zur Strasse. Aber selbst dann muss das nicht gleich bedeuten, dass beschädigte Alufelgen zum Schrott gehören.

Nun sind schon lediglich abgeschürfte Alu-Felgen nicht nur unschön und ärgerlich, sondern sie können gleich noch einmal teuer werden – dann nämlich, wenn ein Fahrzeug mit beschädigten Felgen verkauft werden soll. Diese lassen auf häufigere innige Kontakte mit Randsteinen schließen und machen schon deshalb Kaufinteressenten skeptisch. Die Folge: Es droht ein deutlicherer Preisabschlag. Wer beispielsweise einmal bei einem Leasingfahrzeug entsprechende Abzüge beim Restwert hat hinnehmen müssen, weiss das auch. Vor diesem Hintergrund haben professionelle Autoaufbereiter längst auch die Felgenreparatur in ihr Dienstleistungsprogramm aufgenommen, dort vielfach als Spezialgebiet des so genannten smart repair.

Eine gängige Vorgehensweise: Zuerst wird die Felge im Eingangstest auf technische Mängel wie Verformungen überprüft. Ist der Rundlauf in Ordnung, wird bei kleineren Kratzern oder Korrosion die beschädigte Stelle einfach ausgeschliffen. Bei tiefen Kratzern aber reicht das Polieren des Felgenhorns nicht mehr aus. Hier muss zunächst das fehlende Material aufgeschweißt werden. Dabei ist es wichtig, dass Felge und Schweißdraht aus der gleichen Legierung sind.

Im nächsten Arbeitsgang wird das überstehende Material bündig abgeschliffen, so dass die Dicke des Kantenbereichs gleich ist. Das empfindliche Aluminium muss dann zur Oberflächenbehandlung. Mehrere Schichten Speziallack geben der Felge die identische Farbe zurück. Lackierungen, ob Teil- oder Sichtflächenlackierungen, zählen zu den am häufigsten durchgeführten Instandsetzungsarbeiten. So können auch Oberflächenkratzer beseitigt werden.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, können die Fahrzeugaufbereiter dabei auf die Originalfarbtöne der jeweiligen Felgenhersteller zurückgreifen. Dadurch ist es in der Regel möglich, jeweils auch nur eine einzige Felge zu lackieren. Brillantfarbtonlackierungen, wie sie beispielsweise von Audi oder BMW verwendet werden, setzen allerdings spezielle Lackiertechniken und Vorbehandlungen der jeweiligen Felge voraus.
Abschließend kommt die Felge zum Tocknen in den Ofen. Nach einer halben Stunde ist der Lack ausgehärtet, die Reparatur ist abgeschlossen. Die Kosten dafür variieren je nach Schadensumfang und Felgengröße. Für die Behebung von kleineren Kratzern und Korrosionsschäden müssen mit mindestens 40 bis 50 Euro gerechnet werden. Aufwendigere Reparaturen können mit 150 Euro und mehr zu Buche schlagen. Eine solche Instandsetzung lohnt sich aber dennoch bei teureren Alurädern zu Preisen von 300 Euro und mehr.

Ein anderer Fall sind die so genannten Oxydationsschäden. Dabei sehen die Felgen in der Regel so aus, als sei darauf ein Kaugummi verteilt worden, oder aber es haben sich kleine weiße Risse in der Beschichtung gebildet. Diese Schäden treten hautpsächlich bei ab Werk polierten/glänzenden Felgen auf. Bei solchen Schäden muss bei der Bearbeitung Material innerhalb der Werkstoleranzen abgenommen werden, um für den weiteren Arbeitsablauf wieder „gesundes“ Material zu erhalten. Danach ergibt sich ein dem Original entsprechendes Bild, das mit speziellem Klarlack für Leichtmetallfelgen wieder versiegelt werden kann.

Kosmetische Reparaturen ganz im Sinne von smart repair werden beispielsweise auch von Wheel Wizard ausgeführt, einer Spezialabteilung des Fahrzeugaufbereiters Dent Wizard mit Firmensitz in Rellingen bei Hamburg, der als Marke unter dem Dach von Manheim DeFleet Services operiert. Hier werden die Leistungen unterteilt in Oberflächliche Beschädigungen, Kratzer an Streben und Bordsteinkratzer. Die Repraraturen erfolgen durch Anschliff, Anlackieren in Originalfarbe mit anschließender Versiegelung. Wheel Wizard gibt an, dass dafür die Reifen nicht von der Felge montiert werden müssen.

Problematischer wird es schon bei den so genannten Rundlaufschäden, bei denen die Felge beispielsweise durch Dellen oder Beulen verformt ist. Um aber nach der Instandsetzung eine alltagstaugliche und sichere Felge zu übergeben, muss jede Felge ausgiebig auf Risse geprüft werden. Risse dürfen nicht geschweißt werden. Zwar ist es mittels ausgeklügelter Technik heute schon möglich, Höhen- und Seitenschläge an Felgen instandzusetzen. Alu-Werkstätten halten dafür eine spezielle Maschine vor. Hierbei wird die Felge zunächst erwärmt und dann durch einen patentierten Walzvorgang zurückverformt.

Manche Fahrzeugaufbereiter erstellen dann auf Kundenwunsch ein Rundlauf- Protokoll. Es gibt aber auch Dienstleister, die ausdrücklich darauf verweisen, dass Sicherheit vorgehe. Durch Materialbeschädigungen, die über die Oberfläche hinaus gingen, entstehe ein erhöhtes Bruchrisiko für die Felge, aus diesem Grund würden keine Risse, Verformungen, Bruchstellen oder Kerben repariert. Auch Felgenhersteller lehnen die Reparatur einteiliger Felgen ab. Durch das Weichmachen während der Reparartur würde sich das Gefüge ändern. Das könne dazu führen, dass die Felge breche oder reiße und Unfälle zur Folge haben.

Auch beim Institut für Fahrzeugtechnik des TÜV Nord steht man der Reparatur von Alufelgen grundsätzlich kritisch gegenüber. Durch Verformungen könnten gefährliche Risse im Aluminium entstehen. Jede Verformung des Rades könne zu Anrissen in der Materialstruktur führen, die derjenige, der das Rad reparieren wolle, von außen her nicht erkennen könne. Er seinerseits würde beim Reparieren die Stelle warm machen, durch die Erwärmung nähme er jedoch die Festigkeitseigenschaften aus dem Rad, so dass es hinterher nicht mehr geeignet sei für die Lasten am Fahrzeug.