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„Der Drang zu neuen Antrieben, unter denen der Elektromotor jetzt entscheidend im Fokus steht, hat unwiderruflich begonnen.“ So begrüßte Ludger Reffgen, Geschäftsführer der GE Auto Service Leasing GmbH in Oberhaching, am 8. September die geladenen Fuhrparkmanager zur eRoadshow in Neuss. Mittels fundierter Vorträge und Fahr-Möglichkeiten in entsprechenden Citroën- Modellen führte die herstellerunabhängige Leasinggesellschaft den Entwicklungsstand der E-Mobilität vor Augen. „Weltweit befindet sich GE mit der Verwaltung von rund 1,5 Millionen Fahrzeugen an der Spitze der herstellerunabhängigen Gesellschaften, unterhält auch ein überdachtes Energiemanagement und ist zudem in der Batterie-Forschung sehr aktiv. Mit dieser Veranstaltungsreihe wollen wir aufzeigen, wohin die Reise künftig geht.”

In seinem Vortrag „Politische Rahmenbedingungen für Elektromobilität” skizzierte Karl- Uwe Bütof, Ministerialdirigent im Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein Westfalen, anschließend noch einmal die Ausgangslage: „Wesentlich stellt sich die Frage, ob wir es uns bei einem weltweit stetig wachsenden Fahrzeug-Bedarf weiter leisten können, noch mehr CO2 in die Atmosphäre zu pusten. Schon jetzt erleben wir verstärkt schmelzende Pole, Waldbrände und Flutkatastrophen. Wenn wir bedenken, dass die Chinesen und Inder allein 37 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen und wir ihnen das Auto, das auch bei uns Kennzeichen des Wohlstandes geworden ist, nicht verwehren können, erhöht das den Handlungsdruck.”
Kurz nachdem die Bundesregierung die NEPPlattform ins Leben gerufen hätte, sei auch Nordrhein-Westfalen gestartet, sich deutlich für die E-Mobilität zu engagieren. „Als traditionelles Land von Hochtechnologie, Maschinenbau und Wissenschaft sehen wir uns hier besonders gefordert. Der aktuelle Koalitionsvertrag sieht vor, die E-Mobilität entlang der gesamten Wertschöpfungskette und infrastruktureller Erfordernisse zu unterstützen, und schnellstmöglich Elektrofahrzeuge zur Markteinführung zu bringen. Der Anteil der NRW-Zulieferer am gesamtdeutschen Markt auf dem Weg zum elektrischen Motor soll deutlich ausgebaut werden. Im Hinblick auf Batterien, Fahrzeuge und Stromversorgung werden spezielle Kompetenz-Zentren eingerichtet. Der Masterplan E-Mobilität NRW sieht ein Fördervolumen von 22,3 Millionen Euro und den Aufbau von rund 480 Ladestationen vor. 2020 sollen in NRW 250.000 Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Dabei setzen wir besonders auch auf die Flottenbetreiber.“
„Das Elektroauto ist längerfristig ohne Alternativen”, fing Dr. Gregor Matthies für Bain & Company den Ball auf. „Zur Erreichung der Klimaziele muss der CO2-Ausstoß des Individualverkehrs um mehr als 80 Prozent gesenkt werden, um die maximale, weitere Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Außerdem wird die Verknappung der Mineralölreserven zu einer Verteuerung herkömmlicher Treibstoffe bei gleichzeitig steigender Nachfrage nach individueller Mobilität führen. Alle Fahrzeughersteller müssen bereits bis 2015 ihren CO2-Ausstoß massiv reduzieren, was bis dahin noch mit Optimierungen herkömmlicher Technologie erreicht werden kann, dann aber stößt diese an ihre physikalischen Grenzen. Ab 2020 wird eine weitere CO2-Reduzierung ohne E-Mobilität unmöglich sein.” Bis 2040 sei auch eine zunehmende Urbanisierung der Weltbevölkerung auf mehr als 75 Prozent in großen Städten zu erwarten, das fördere ein verändertes Mobilitätsverhalten. „Ich sehe zukünftig ein Portfolio verschiedener Antriebstechnologien, auch hocheffiziente Verbrennungsmotoren werden noch etwa 30 Jahre für Überlandfahrten notwendig sein.”

„Nach jüngsten Statistiken fährt jeder in Deutschland im Durchschnitt lediglich 38 Kilometer pro Tag, ein solcher Mobilitätsbedarf lässt sich durchaus mit Elektofahrzeugen abdecken”, leitete Stephan Lützenkirchen, Abteilungsleiter Firmen- und Flottenservice bei der Citroën Deutschland GmbH, das Referat „Die Citroën Green-Car Strategie” ein. Citroën stellte für die komplette Veranstaltungsreihe mit dem C-Zero und dem Berlingo First Electric zwei Elektro- Fahrzeuge zur Verfügung, die vor Ort gefahren werden konnten. „Mobiltelefon, Internet und Video-Konferenzen”, so Lützenkirchen weiter,” werden auch künftig den Mobilitätsbedarf eher begrenzt halten. Seit wir den C-Zero präsentierten, wurden wir von einer Nachfrage überrascht, die die momentane Produktionsmenge deutlich übersteigt. Wir sehen gegenwärtig ein Marktpotenzial für Elektrofahrzeuge in Europa von 1,5 Prozent, mögliche erste Kundenkreise sind beispielsweise Flughäfen, Reparatur-Unternehmen von Rolltreppen oder auch Pizza-Dienste. Wir möchten aber auch darauf verweisen, dass Elektrofahrzeuge für einen Hersteller von den Entwicklungskosten her ohne politischen Willen nicht durchhaltbar sind. Im Ausland werden sie mit Beträgen zwischen 3.000 und 5.000 Euro gefördert.”

Seitens der Adam Opel GmbH erklärte Dr. Lars- Peter Thiesen, dass die Rüsselsheimer einen grundsätzlich anderen Ansatz verfolgen würden. Hier werden Batterie-elektrische Fahrzeuge nicht als Endlösung, sondern als Zwischenschritt in der Entwicklungskette Optimierung von Verbrennungsmotoren und Getrieben, Hybrid- elektrische Fahrzeuge bis hin zu letztlich Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Fahrzeugen gesehen. Ende 2011 bringt Opel mit dem Ampera (E-REV) sein erstes Batterie-elektrisches Fahrzeug mit verlängerter Reichweite auf den Markt. Rein Batterie-elektrisch betrieben läge seine Reichweite bei 60 Kilometer, allerdings fungiere ein eingebauter 1,4 Liter-Vierzylinder- Ottomotor als Generator für den Elektromotor, was die Reichweite auf mehr als 500 Kilometer verlängere. „Das Auto ist unabhängig von spezifischen Infrastrukturlösungen,” verdeutlichte Dr. Thiesen.” Damit überwinden wir die Nachteile reiner Batteriefahrzeuge, die niedrigen und unzuverlässigen Reichweiten im Alltagsbetrieb, lange Batterie-Ladezeiten, großer Platzbedarf der Batterien und hohe Batteriekosten. Die Kosten eines E-Fahrzeugs eskalieren nämlich mit der Größe der Batterie, deren Speicherdichte auch künftig begrenzt sein wird, um den Faktor 2. Langfristig setzen wir auf Brennstoffzellen- Fahrzeuge wie unseren HydroGen4, der weltweit bereits im Markttest mit mehr als 100 Fahrzeugen läuft. Sie gewährleisten eine hohe Reichweite ohne Einschränkungen bei Fahrzeuggröße und Funktionalität, verwirklichen jederzeit null Emissionen und können – entkoppelt vom Parken – schnell in drei Minuten betankt werden.”

Für die Vattenfall Innovation Europe GmbH beschrieb Dr. Oliver Weinmann „CO2 freies Autofahren aus erneuerbaren Quellen & das Ladekonzept”. Vattenfall verfolge das so genannte gesteuerte Laden bestehend aus der „Windintegration” (dem Laden der Fahrzeugbatterien zu Zeiten mit hohem Windaufkommen und gleichzeitig geringer Netzlast), dem „Lokalen Last Management” (Prioritätsregeln an Ballungspunkten mit Nachfrageüberschuss), und der „Lastspitzenglättung” (Rückeinspeisung des in den Fahrzeugbatterien gespeicherten Stroms zu Zeiten hoher Netzlast und geringem Windaufkommen). Den Elektofahrzeugen soll die Funktion von Stromspeichern in dem Sinne zukommen, dass die Fahrzeuge die Energie in Hochlastzeiten zurück speisen, bevorzugt bei Verfügbarkeit von Windenergie beziehunsgweise in Schwachlastzeiten laden unter Nutzung von zertifiziertem Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen. Für GE Energy Services rundete Dr. Uwe Braun mit seinem Vortarg „Smart Charging, Smart Metering, Smart grids” das Event ab. Darin beschrieb er die Verbindung der elektischen Infrastruktur mit der Informations- und Kommunikationstechnik zum Ziele eines Informations- und Leistungsflusses in beide Richtungen über die Verfügbarkeit des Netzzustandes (Verbrauch/Erzeugung) auf allen Ebenen. Dabei geht es um die Einbindung vieler dezentraler Erzeuger, erneuerbarer Energieträger von Elektrofahrzeugen und Smart Homes, so dass letztlich ein Ausgleich von Last und Erzeugung auf lokaler Ebene möglich sei. Bisher werde die Stromerzeugung dem Verbrauch angepasst, in Zukunft müsse sich der Verbrauch der verfügbaren Erzeugung anpassen.