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Über lange Zeit konnten auch die Autoleasing-Gesellschaften in ihren Werbe-Broschüren, Workshops und auf anderen Events insbesondere gegenüber Firmenkunden mit den speziellen Steuervorteilen des Leasing werben. Die Leasingraten könnten als gewinnmindernde Betriebsausgaben sofort und insbesondere im Gegensatz zu Kreditbelastungen in voller Höhe abgesetzt werden. Sie wirkten sich somit also im Hinblick auf die zu entrichtende Körperschaftssteuer deutlich steuermindernd aus. Im übrigen verhalte sich Leasing bilanzneutral, da die Fahrzeuge während der Laufzeit beim Firmenkunden im wirtschaftlichen Eigentum des Leasinggebers verbleiben würden.

Dann mussten mit der Wirksamkeit der Unternehmenssteuerreform 2008 die Uhren etwas anders gestellt werden. Mit dieser Reform wollte der Gesetzgeber unter anderem die Ungleichbehandlung der Finanzierungsinstrumente Leasing und Kredit beseitigen. Deshalb müssen alle gewerblichen Unternehmen nunmehr 20 Prozent der gezahlten Leasingraten im Falle von Mobilien (für Immobilien gelten 75 Prozent) als sogenannte Hinzurechnung der Gewerbesteuer unterwerfen. Das bedeutet am Rande nun aber auch, dass sie selbst dann noch Gewerbesteuer entrichten müssen, wenn sie gar keinen Gewinn erwirtschaftet haben. Im einzelnen ist seit 2008 auch Gewerbesteuer zu entrichten für:

Art der Finanzierung
gewerbesteuerpflichtig

Kreditzinsen - 25%
Aufwendungen für die zeitlich befristete
Überlassung von Rechten - 25%
Miet- und Pachtzahlungen - 20%
Leasingraten für bewegliche Wirtschaftsgüter
(z.B. Autos, Maschinen etc.) - 20%
Leasingraten für Immobilien - 75%

Bis dahin gab es eine sogenannte Hinzurechnung lediglich für 50 Prozent aller Dauerschuldzinsen, also für jene Zinsen, die für Firmenkredite mit einer Laufzeit von mehr als 12 Monaten gezahlt wurden. Im Rahmen der Unternehmenssteuerreform sind jetzt alle Finanzierungsraten mit ihrem jeweiligen Finanzierungsanteil gewerbesteuerpflichtig. Vor diesem Hintergrund wurde in der Folge wiederholt die Frage gestellt, ob Leasing nun noch einen Sinn machen würde.

In der Praxis wirkt sich diese Gesetzesänderung jedoch bei weitem nicht überall, und wenn doch, dann nicht überall so stark aus. Das wiederum liegt daran, dass der Gesetzgeber im Rahmen der Reform auch einen Hinzurechnungsfreibetrag von immerhin 100.000 Euro pro Jahr eingeführt hat. Es bedeutet konkret im Beispielfall: Erst wenn ein gewerbliches Unternehmen mehr als 100.000 Euro pro Jahr für Miete und Pacht, Rechte, Zinsen und Leasing ausgibt, muss es für die über den Freibetrag hinausgehenden Kosten Gewerbesteuer entrichten.

Tatsächlich führt die geforderte Hinzurechnung des Finanzierungsanteils der Leasing-Raten zur Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer lediglich zu einer steuerlichen Zusatzbelastung von konkret weniger als ein Prozent der Leasingrate, soweit der Freibetrag von 100.000 Euro im Jahr überschritten wird. Unterhalb dieses Freibetrags ändert sich ja nichts. Diese Änderungen wirken sich in der Regel nur auf Kapitalgesellschaften aus. Bei Personengesellschaften wird die Gewerbesteuer bei der Einkommenssteuer angerechnet, so dass sie keine wirtschaftliche Belastung darstellen.

Wer zum Beispiel für ein geleastes Fahrzeug eine monatliche Rate von 700 Euro zahlt, muss künftig 35 Euro (25 Prozent von 20 Prozent der Leasingrate) der Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer hinzurechnen. Auf die Bemessungsgrundlage wird dann die Gewerbesteuer hebesatzabhängig errechnet. Bei einem Hebesatz von 400 Prozent und der reduzierten Gewerbesteuermesszahl von 3,5 Prozent bedeutet dies beim oben genannten Beispiel, dass nun 4,90 Euro Gewerbesteuer anfallen. Dies entspricht 0,7 Prozent der Leasing-Rate, aufs Jahr bezogen sind dies 58,80 Euro.

Für Service-Komponenten hingegen müssen keine Finanzierungsanteile berechnet werden, da diese naturgemäß auch keinen Finanzierungsanteil enthalten. Steuertechnisch ist es daher empfehlenswert, den Service-Anteil des Leasing-Vertrages gesondert auszuweisen. Für eine konkrete Wirkungsrechnung sind letztlich aber auch die konkreten Kundendaten entscheidend. Daher bleibt es notwendig, dass sich der Leasingnehmer für eine firmenspezifische Berechnung an seinen Steuerberater wendet.

Die VR-Networld GmbH, ein Nachrichtendienst der Volksbanken Raiffeisenbanken für Mittelständler, verweist darauf, dass insbesondere Kleinunternehmen durch die Neuregelungen der Unternehmenssteuerreform 2008 profitieren würden. Insgesamt ergebe sich nun ein einheitlicher Hinzurechnungssatz von 25 Prozent für alle Finanzierungsanteile, wobei Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzentgelte pauschal gewertet würden. Profitieren dürften die Unternehmen auch von einem zunehmenden Wettbewerb auf dem Finanzierungsmarkt. Auch könne damit gerechnet werden, dass die Leasingunternehmen den Bedürfnissen ihrer Kunden mit einer flexibleren Vertragsgestaltung entgegen kommen würden.

Es kommt hinzu, dass die meisten Gewerbebetriebe deshalb durch das neue Gesetz entlastet werden, weil seit 2008 auch Dauerschuldzinsen unter den 100.000 Euro- Freibetrag fallen. Das erspart einem Betrieb beispielsweise mit einem jährlichen Zinsaufwand in Höhe von 100.000 Euro bei einem Hebesatz von 450% immerhin über 1.600 Euro Gewerbesteuer, die selbst dann fällig geworden wäre, wenn der Betrieb keinen Gewinn erwirtschaftet hätte.

Damit bleibt Leasing für Gewerbebetriebe trotz der Gesetzesänderung ein attraktives Finanzierungsinstrument. Das gilt selbst dann, wenn der Hinzurechnungsfreibetrag überschritten wird. Denn immerhin kommen Leasingraten bei der Gewerbesteuerberechnung 20 Prozent günstiger weg als Kreditzinsen. Zudem kann die Gewerbesteuer teilweise auf die Einkommenssteuer angerechnet werden.

Zwar sind in den ersten zwei bis drei Jahren die Steuervorteile für einen Kreditkauf und Leasing nahezu gleich groß. Da der Zinsanteil mit fortschreitender Vertragslaufzeit bei einem Kredit jedoch sinkt, kann beim Kreditkauf innerhalb der Vertragslaufzeit immer weniger abgesetzt werden. Die Leasingraten aber bleiben stets gleich hoch. Das bedeutet: Über die gesamte Laufzeit eines Vertrages gesehen, fallen die Steuervorteile bei Leasing in aller Regel nach wie vor höher aus als bei einem Kreditkauf.

Abgesehen davon bleiben die grundsätzlichen Vorteile des Leasing, die in der Konstruktion dieser Finanzierungsform begründet liegen. Sie bestehen wesentlich in der Liquiditätsschonung, Bilanzneutralität, der flexiblen Aufwandssteuerung und der klaren Kostenzurechnung. Leasing ermöglicht betriebswirtschaftliche Planungssicherheit, die Schonung von Eigenkapitalrelationen und gewährt in Bezug auf die eingesetzten Fahrzeuge ein vergleichsweise hohes Maß an Flexibilität, um stets mit neuester Technik unterwegs sein zu können.