PDF DOWNLOAD

Mit der Rückendeckung der Bundesregierung startete im Februar 2010 ein weiteres Projekt zur alltagsnahen Erprobung von Elektrofahrzeugen. Die in Köln angelaufene Praxisphase des „colognE-mobil“ genannten Unternehmens unterstützen Ford als Fahrzeughersteller, die RheinEnergie AG als Stromlieferant, daneben die Stadt Köln, um den Aspekt der innerstädtischen Integration von Elektromobilität zu erforschen, sowie die Universität Duisburg-Essen als wissenschaftliche Begleitung.

„Nach über 100 Jahren Entwicklungsgeschichte des Verbrennungsmotors – der seinen Anfang bekanntlich in Köln nahm – zeichnet sich mit der Markteinführung von Elektrofahrzeugen eine technologische Zeitenwende im Mobilitätssektor ab.“ Volker Oelrich vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Innovationsorientierte Stadtentwicklung, lässt ein wenig Stolz mitschwingen, als er die Beweggründe der Stadt Köln bei der Beteiligung am Elektromobilitätsprojekt „colognE-mobil“ aufzeigt. „Die Voraussetzungen am Standort Köln sind gut, denn neben der zentralen Lage im verkehrsreichsten Bundesland NRW sind die wichtigsten Partner für die Verbreitung dieser innovativen Technologie in Verbindung mit dem notwendigen Infrastrukturaufbau versammelt. Hinzu kommt, dass Elektrofahrzeuge ihre spezifischen Vorteile am deutlichsten im Stadtverkehr realisieren. Nach den Vorstellungen der Bundesregierung könnten bis 2020 über 1 Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen rollen, das wären in Köln mindestens 20.000 Fahrzeuge“, so Oelrich. Interessant ist hierbei auch, wie sich der Einsatz von Elektrofahrzeugen auf die Klima- und Lärmschutzziele der Stadt auswirkt, ebenso müssen neue Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf die nahezu geräuschlosen Fahrzeuge in den Blick genommen werden.

So lag es also nahe, auf den örtlichen Fahrzeughersteller und Technologieentwickler Ford zurückzugreifen. Zunächst werden zehn Ford Transit, sieben Kastenwagen als Liefer- und Verteilerfahrzeuge, ein Pritschenwagen im Dienste der Abfallwirtschaft sowie zwei Personentransporter für innerstädtische Shuttledienste, eingesetzt. Diese Fahrzeuge werden von der britischen Firma Smith Electric Vehicles auf Elektroantrieb umgerüstet. Das Lithium-Ionen Batterie-Pack modernster Akku-Technologie leistet 40 kWh. Dieser Speicher speist einen 90 kW-Induktionsmotor, der sein Drehmoment via Einganggetriebe direkt auf die Hinterachse überträgt. Die Reichweite beträgt 160 Kilometer pro Batterieladung, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 80 km/h. Zum Aufladen der Batterien kann das Fahrzeug prinzipiell an jede 230-Volt- Standard-Steckdose angeschlossen werden. Ein kompletter Ladevorgang dauert je nach Anschlussleistung der Ladestation zwischen sechs und zehn Stunden. Da sich die Batterien des Elektro-Transit im Unterboden zwischen den Achsen befinden, bleibt die Ladefläche vollständig erhalten. Die Nutzlast beträgt, je nach Variante und Radstand, beim Pritschenwagen zwischen 1.200 und 2.300 kg, beim Kastenwagen zwischen 950 und 1.800 kg sowie beim Personentransporter 1.200 kg.

„Mit all diesen Eckdaten eignen sich die heutigen Elektrofahrzeuge vor allem für urbane Einsatzzwecke“, so Isfried Hennen von der Pressestelle der Ford-Werke GmbH. „Interessant könnten die Fahrzeuge sein für den Liefer- und Verteilerverkehr, aber auch für Hotels, die Shuttledienste absolvieren, oder kommunale Ver-/ Entsorgungsbetriebe. Schon 2011 wird der Ford Transit Connect mit Elektroantrieb in Deutschland auf den Markt kommen.“ In einer zweiten Projektphase werden ab 2011 weitere 15 batterieelektrische Ford-Fahrzeuge hinzukommen. Ford ist neben der Betreuung inklusive Wartung und Service auch für die Auswertung der Kundenerfahrungen zuständig.

Auch wenn sich die Fahrzeuge theoretisch an jeder Steckdose aufladen ließen, kümmert sich der Energieversorger dieses Projektes, die Rhein Energie AG, um die entsprechende Tank-Infrastruktur, bis Mitte 2011 sollen über 40 Ladestationen im Stadtgebiet errichtet werden. In der Kölner Innenstadt wurde die erste öffentliche Stromtankstelle eröffnet. Dort steht CO2-neutrale Antriebsenergie aus regenerativen Quellen wie Wind- und Wasserkraft zur Verfügung. Christoph Preuß, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der RheinEnergie AG: „Wir wollen standardisierte Systeme für öffentliche und private Lade-Infrastruktur mitentwickeln, erproben und Praxiserfahrungen sammeln. Bislang kennen wir statische Lieferbeziehungen zu Kunden, jetzt geht es um dynamische: Der Kunde muss an verschiedenen Orten „seinen Strom“ bekommen können.“ Wesentlich bei der Entwicklung einer städtischen Stromtank- Infrastruktur sind dabei die Stichpunkte „gut erreichbar, zentral und die Tatsache, dort Fahrzeuge für mehrere Stunden sicher unterbringen zu können“. Neben der Bereitstellung entsprechender Ladesysteme mit der korrekten Spannung beziehungsweise Stromstärke kommt es dem Energieversorger ebenso darauf an, normierte Anschlüsse anzubieten. Angestrebt sind zudem standardisierte Identifizierungsverfahren von Kunde oder Fahrzeug an der Ladesäule sowie einfache Abrechnungssysteme.

Da die Kölner Testergebnisse auch Anhaltspunkte für eine Übertragbarkeit auf die Region Rhein-Ruhr beziehungsweise Nordrhein- Westfalen liefern sollen (potenzielles E-Fahrzeugaufkommen von 250.000 bis 2020), nutzen Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) um Professor Ferdinand Dudenhöffer die Daten für Simulationen, unter anderem für die Dimensionierung von Batterien und weiterer Komponenten. Flankiert werden die Arbeiten der Duisburger Forscher durch breit angelegte Akzeptanztests und Markforschungsuntersuchungen. Außerdem liefern die Arbeiten der UDE Aussagen zu den Anforderungen an die künftige Strominfrastruktur für Elektromobilität. Professor Dudenhöffer weiß: „In den nächsten fünf Jahren wird sich einiges tun in punkto Reichweite, Ladezeiten und Kosten der Batterien. In einer ersten qualitativen Umfrage bei Flottenbetreibern im Rahmen unseres Projektes haben wir sehr interessante Ergebnisse erzielt. Gerade bei großen Fuhrparks war eine hohe Bereitschaft vorhanden, E-Fahrzeuge in den Fuhrparks als Testfahrzeuge und zu Werbezwecken einzusetzen. Darüber hinaus gehen Flottenbetreiber davon aus, dass bei größerem Einsatz von E-Fahrzeugen unternehmenseigene Ladestationen aufgebaut werden. Überwiegend erwarten die Flottenmanager, dass sich E-Fahrzeuge in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren durchsetzen werden.“
Um einen möglichst breiten Einsatz von Elektrofahrzeugen zu erreichen schlägt Professor Dudenhöffer vor, dass ein breites Fahrzeugangebot geschaffen werden sollte, damit die Anschaffungspreise nicht zu hoch liegen. „Die Batterie ist heute der Knackpunkt in der Kostenstruktur. Daher macht es Sinn, E-Fahrzeuge mit neuen Leasingmodellen auf die Straße zu bringen. „Feste Kosten pro Kilometer ist da ein vernünftiges Modell.“ Als dritten wesentlichen Punkt sollten Regulierungen geschaffen werden, die in den Städten E-Autos bevorzugen. Das könnten zeitliche Zufahrtsbeschränkungen für Verbrennungsmotoren für Großstädte sein, das könnte die Nutzung von Taxi- und Busspuren sein oder ein City-Maut für Nicht-Stromer.

Nun wird es Zeit, dass die heiße Praxisphase anläuft, um Erfahrungen zu erlangen und der elektromobilen Zukunft mit möglichst wenig Startproblemen näher zu kommen.