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Der niedrigere Steuersatz macht es möglich, und die Begünstigung ist bis mindestens Ende 2018 festgeschrieben. Da stellt sich die Frage: Was lohnt sich für wen? LPG (Liquified Petroleum Gas) wie Autogas auch genannt wird oder Erdgas, das unter dem Kürzel CNG (Compressed Natural Gas) bekannt ist. Wie so oft lautet die Antwort: Es kommt ganz darauf an!
Beide Alternativ-Kraftstoffe haben Vor- und Nachteile. Erdgas besteht überwiegend aus Methan (CH4) und wird in speziellen Tanks gasförmig unter einem Druck von über 200 bar gespeichert. Autogas ist eine Mischung aus den Flüssiggasen Propan (C3H8) und Butan (C4H10) und kommt mit einem Druck von ungefähr 8 bar in den Tank, der meist in der Reserveradmulde platziert ist.

18 von 38 großen Autoherstellern bieten in Deutschland Autogas ab Werk oder als autorisierte Nachrüstung in ihren Vertragswerkstätten an. Bei Erdgas sind es hingegen fünf. Es ist aber keineswegs so, dass die Hersteller ihre gesamte Modellpalette mit den alternativen Kraftstoffen anbieten. Oft sind es nur einzelne Typen und dann meistens auch nur wenige Motorisierungen. Stefan Seibert von Opel hat als Beispiel die Kosten des Opel Zafira gegenübergestellt. Der 1.8 Benzin-Edition steht mit 24.995 Euro in der Preisliste. Die gleiche Motorisierung mit Autogas kostet aktuell 1.100 Euro mehr. Der 1.9 Liter Diesel ist mit 28.275 Euro um 2.000 Euro teurer als das Autogas-Fahrzeug. „Gegenüber dem Benziner hat sich bei 30.000 km Jahresfahrleistung der Aufpreis für LPG bereits nach knapp einem Jahr amortisiert“, rechnet Seibert vor. Beim Opel Zafira CNG Turbo liegt der Aufpreis gegenüber dem vergleichbaren Benziner bei 820 Euro, zum vergleichbaren Diesel ist er 780 Euro günstiger. Während für den Erdgas-Zafira nur 70 Euro Kfz-Steuern pro Jahr anfallen, sind es beim Benziner 198 Euro und beim Diesel 270,50 Euro.

An der Tankstelle zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen LPG und CNG. Das beginnt mit den unterschiedlichen Maßeinheiten. Autogas wird, weil flüssig, genau wie Benzin und Diesel in Liter abgerechnet. Das auch unter hohem Druck gasförmige Erdgas dagegen in Kilogramm. Über den Daumen gepeilt entspricht ein Kilogramm CNG energetisch 1,5 Liter Benzin. Mercedes beispielsweise gibt für den Transporter Sprinter 316 NGT einen Verbrauch von rund 13 Liter Benzin auf 100 Kilometer an. Bei Erdgas sollen es neun Kilogramm sein. Legt man die aktuellen Kraftstoffpreise zugrunde, so würden die 100 Kilometer mit Benzin 18,85 Euro, mit Erdgas 8,10 Euro kosten. Bei Autogas schwanken die Angaben der Hersteller zum Mehrverbrauch zwischen zehn und 30 Prozent. Skoda beispielsweise gibt für den Octavia als Kombi einen kombinierten Benzinverbrauch von 7,1 Liter auf 100 Kilometer an, für die Autogas- Variante 9,2 Liter. 100 Kilometer würden so mit dem Benziner 10,30 Euro kosten, mit Autogas hingegen nur 6,16 Euro.

Ist der Tank leer, stehen 865 Tankstellen mit CNG-Säulen in Deutschland (Stand März 2010) zur Verfügung. Autogas haben 5.700 Stationen im Angebot. Sowohl Autogas- als auch Erdgas- Fahrzeuge haben in der Regel noch einen Benzintank an Bord, bei CNG handelt es sich jedoch oft nur um einen kleinen Reservetank von circa 15 Liter. Damit ist die Gesamtreichweite von LPG-Fahrzeugen meistens deutlich höher, jedoch ist dieses Mehr dann mit teurerem Benzin erkauft.

Für manche Firmen kann sich die Installation einer Betriebstankstelle lohnen. Gespart wird damit vor allem bei der Arbeitszeit der Fahrer, denn sie brauchen dann nicht mehr zu öffentlichen Tankstellen zu fahren. Darüber hinaus können sich über das Jahr noch einige hundert oder tausend Euro durch die Direktbelieferung einsparen lassen. „Autogas-Tank und Zapfsäule werden in der Regel gemietet“, erklärt Jürgen Erwert, Pressesprecher der Westfalen AG (Münster). „Wir können uns im Vorfeld um sämtliche Planungen und auch die behördlichen Genehmigungen und technischen Abnahmen kümmern. Bei einer so genannten Kompaktanlage mit nicht eichfähigem Rollenzählwerk und 2.700-Liter-Lagerbehälter liegen die Mietkosten einschließlich Fullservice-Wartungspauschale bei monatlich rund 110 Euro. Dazu kommen noch Vorkosten von etwa 1.200 Euro zur Inbetriebnahme der Anlage.“ Bei Erdgas hingegen können laut Experten für eine Betriebstankstelle schon sechsstellige Investitionskosten fällig werden. Der Grund liegt in dem höheren Aufwand, der sich aus dem hohen Gasdruck ergibt. Denn aus dem Erdgasnetz muss der Kraftstoff mit einem leistungsstarken Verdichter auf 300 bar komprimiert werden. Dann wird er in einer Batterie aus mehreren Flaschen zwischengespeichert. Deren Gesamtkapazität hängt von der Menge der zu betankenden Fahrzeuge ab.
Bei den CO2-Emissionen punktet Erdgas. Pro Megajoule Heizwert sollen bei Benzin theoretisch 72,5 Gramm CO2 aus dem Auspuff kommen, bei Autogas 65,8 Gramm (-9,2 Prozent) und bei Erdgas 58,4 Gramm (-19,4 Prozent). Dabei wird bei allen drei Kraftstoffen der gleiche motorische Wirkungsgrad unterstellt.

Fazit: Beide Alternativ-Kraftstoffe haben eine Berechtigung. Je zentraler die Flotte stationiert ist, je städtischer der Standort und je kürzer die Fahrstrecken, desto eher kann Erdgas die Lösung zur CO2-Minimierung und Kostensenkung sein. Je mehr die Fahrzeuge unterwegs sind, vor allem auf längeren Distanzen, desto sinnvoller ist Autogas. Bei zentraler Stationierung mehrerer PKW oder Transporter lohnt es zudem über eine Autogas-Betriebstankstelle nachzudenken.