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Flottenmanagement: Herr Stumm, den Analysen von EurotaxSchwacke einmal Glauben geschenkt, sind selbst für sehr flottenrelevante und gefragte Mittelklasse-Diesel-Kombis die Restwerte enorm gefallen. Wie deuten Sie diese offenbar verschärfte Wiedervermarktungsproblematik, und wann endet Ihrer Meinung nach dieser freie Fall?

Stumm: Ein solche Entwicklung, wie zur Zeit, haben wir auf dem deutschen PKW-Markt bisher noch nie erlebt. In der Vergangenheit waren nur die Oberklasse und die Obere Mittelklasse vom Restwerteinbruch betroffen. Nun hat es aber auch die sehr flottenrelevante Mittelklasse erwischt. Uns liegen Zahlen vom Verband der markenunabhängigen Fuhrparkmanagementunternehmen vor, die diesen Trend stützen. Hier wurde Ende 2007 ein durchschnittlicher Restwert anhand der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller von circa 41 Prozent errechnet. Mittlerweile sind wir durch die Restwertkrise Ende 2009 bei einem Restwert-Niveau von nur noch circa 35 Prozent gelandet. Wir haben als Flottenvermarkter dazu eine klare Devise: Gebrauchte Fahrzeuge sind wie Gemüse. Wenn sie nicht schnell verkauft werden, wird es später nicht leichter, sie noch für einen guten Preis an den Mann zu bekommen. Aber wir sehen auch aktuell eine leichte Beruhigung im Markt. Wir werden sicherlich nicht mehr das hohe Restwert-Niveau von 2008 erzielen, aber eine Stabilisierung ist durchaus in Sicht.

Flottenmanagement: AUTOonline ist einer der größten Wiedervermarkter und Wertermittler im Online-Bereich von gebrauchten Fahrzeugen in Europa. Seit 2006 ist das Unternehmen auch im Bereich der Flottenvermarktung tätig. Wie schwer ist eigentlich für Sie als Profi das Geschäft geworden?

Stumm: AUTOonline hat in Zeiten der Krise einen regen Zulauf erfahren. Wir sind zwar noch relativ frisch im gewerblichen Bereich tätig, verfügen aber gerade deshalb über eine Reihe von Vorzügen, die wir unseren Kunden bei der Flottenvermarktung anbieten können. Viele Unternehmen suchen im Bereich Leasing oder bei Kauffuhrparks nach neuen Ventilen und Abflussmöglichkeiten, weil der klassische Abverkauf ins Stocken geraten ist. Da kommt unsere Online- Plattform jetzt erst recht ins Geschäft und wir registrieren einen stark erhöhten Zulauf im Nachgang zur Finanzkrise. Wir haben uns das Knowhow aus der Restwertbörse zu Nutze gemacht. Dort vermarkten wir pro Jahr um die 200.000 Fahrzeuge europaweit. Im Bereich Flotte sind es mittlerweile immerhin schon bis zu 10.000 Fahrzeuge jährlich. Die Transaktionsquote, also die tatsächliche Verkaufsquote, die wir hier erreichen, beträgt circa 70 Prozent, unter anderem auch weil wir in 22 Ländern Absatzmöglichkeiten geschaffen haben. Der Ausbau der Flottenvermarktung steht dabei im Mittelpunkt unserer Konzernstrategie. Deshalb freuen wir uns auch sehr, Thomas von Blumenthal als neuen Key- Account Manager Flotte begrüßen zu dürfen. Die AUTOonline-Flottenvermarktung ist so nun noch breiter aufgestellt und wird zudem in hohem Maße von seinen Kompetenzen profitieren können. Im Vergleich zu unserem geschlossenen Gebotssystem gibt es viele Marktbegleiter, die mit sehr hohen Aufkäuferzahlen werben. Wir machen das bewusst anders. Bei uns gilt das Motto: Qualität statt Quantität. Daher wählen wir selektiv Aufkäufer aus und überprüfen sie in Form eines persönlichen Aufnahmegespräches. Es reicht uns nicht aus, einen Handelsregisterauszug und einen Gewerbenachweis zu bekommen, wir fordern auch eine Bonitätsprüfung und Referenzbelege. Die hohe Qualität unseres Aufkäufernetzwerkes kommt den Einstellern zu Gute – somit werden „schwarze Schafe“ von Anfang an ausgeschlossen.

Flottenmanagement: Nun werden stetig zunehmend immer mehr Verkäufe über das Internet abgeschlossen. Wo liegen hier Ihrer Meinung nach die generellen Vorteile im Vergleich zur traditionellen Wiedervermarktung? Könnten Sie bitte einmal zusammenfassen wie Ihr Serviceangebot insgesamt aussieht, wer zu Ihren Kunden gehört, und welche Dienstleistungen Sie speziell für Flottenbetreiber anbieten?

Stumm: Wir sehen einen großen Zulauf im Bereich des Internetgeschäftes. Im letzten Jahr fanden mehr als 20 Prozent der sechs Millionen Gebrauchtwagen-Verkäufe online statt. Hier geht die Kurve ganz klar nach oben. Die Vorzüge sind dabei vielfältig. Der klassische, physische Abverkauf kostet den Fuhrparkleiter in der Regel viel Zeit und ist sehr aufwendig. AUTOonline bringt als Alternative diesen ganzen Prozess auf die Tastatur des Fuhrparkbetreibers. Dazu haben wir verschiedene Software-Systeme entwickelt, wie beispielsweise FLEETonline. Es handelt sich um eine webbasierte Lösung, mit der der Fuhrparkleiter einen angeschlossenen Sachverständigen beauftragen kann. Dieser ist wiederum über eine Schnittstelle mit uns verbunden, über die er die Fahrzeuge in das System einpflegt und auf die Verkaufsplattform stellen kann.

Darüber hinaus kann in unserem System ein Mindestpreis festgelegt werden. Wird dieser nicht erreicht, erfolgt automatisch eine Verlängerung der Gebotszeit um 24 Stunden. Dann erhält jeder Bieter eine E-Mail und bekommt die Chance sein Gebot noch einmal zu verbessern.

Seit der ersten Stunde bei AUTOonline betreuen wir namhafte Großunternehmen mit Kauffuhrparks, wie RWE, Euromaster, die Bitburger Brauerei, Robert Bosch oder auch den Malteser Hilfsdienst, die exklusiv ihre Fahrzeuge aus dem Kaufbereich über uns abwickeln. Natürlich bieten wir diese Lösung aber auch für Leasinggesellschaften an wie beispielsweise für die Atlas Auto-Leasing, die ihre Online-Vermarktung über uns bewerkstelligt. Auch Banken gehören zu unseren Kunden.
Alle Kontaktdaten des Verkäufers sind stets verdeckt, nur Bilder und Beschreibungen des Fahrzeuges sind für die potenziellen Käufer ersichtlich. Dadurch ist die Gefahr von Preisabsprachen ausgeschlossen und absolute Revisionssicherheit garantiert. Zudem verringern sich die Standzeiten und -kosten ganz erheblich. Jedes Fahrzeug wird kostenfrei beim Verkäufer abgeholt. Der schnelle Online-Abverkauf garantiert beste Restwerte und ermöglicht einen schnellen Liquiditätszufluss für den Verkäufer.