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Damit hätte das Publikum nicht gerechnet: Staunende Gesichter, als die Menschen aus der Mitte des Volkes zum ersten Mal das Interieur des neuen ix35 erkunden durfte. Wie bitte, ein Koreaner? Na klar, die bauen nämlich richtig gute Autos inzwischen. Premium-Faktor ist für Hyundai kein Problem, auch wenn man das vor noch 15 Jahren für einen Aprilscherz gehalten hätte. Selbst das Thema der bisher etwas grobschnitzigen Schalter ist im Jahre 2010 endgültig begraben. Stattdessen zieren den Innenraum ausgefeilt gestaltete Knöpfchen, die sich vor allem um den gut einsehbar im oberen Bereich der Mittelkonsole platzierten Farbmonitor scharen. Um das Auge in den ix35-Bann zu ziehen, installierte das Designer-Team raffiniert geschwungene Linien, die in den Lüftungsdüsen ihren Höhepunkt finden. Innenarchitektur wird auch für asiatische Labels offenbar immer wichtiger.

Das gilt für den Fahrkomfort natürlich ebenso. Von einem Kompakt-SUV wird ja schließlich ein gewisser Anspruch erwartet; an den Raumverhältnissen ist jedenfalls nichts auszusetzen – selbst der Fond beherbergt zwei großgewachsene Insassen nach luftiger Manier. Dass die Rücksitze sogar beheizbar sind (ab “Style”), zeugt von einer bestimmten Exklusivität, in diesen Genuss kommen meist nur Oberklasse- Vertreter. Aber da lassen sich die Stühle nicht umklappen, was dem ix35 eine nützliche Note verschafft. Rund 1.500 Liter Gepäck darf auf diese Weise mit an Bord – so avanciert das auf Wunsch der 4x4-Riege angehörende Vehikel zur gefragten Allzweck-Waffe. In der ersten Reihe reist man vorzüglich. Nicht nur, dass genug Platz zur Verfügung steht – auch die Sitze selbst glänzen mit guten Eigenschaften. Straffe Polster beugen zum Beispiel jeglicher Ermüdung vor und schaffen eine angenehme Grundlage.

Moderater Seitenhalt wird der Fahrzeug-Kategorie gerecht, der übertriebene Sportlichkeit abgeht. Das heißt aber nicht, dass man auf druckvolle Beschleunigung verzichten müsste. Zwei Dieselversionen sind ab Werk lieferbar – beide mit vier Zylindern und zwei Litern Hubraum. Für den Testwagen musste (ganz im Sinne der Flottenkundschaft) die zwar schwächere, aber wirtschaftlichere Basis-Variante herhalten. Mit 136 PS bietet sie noch immer genügend Punch, um etwas Spaßfaktor zu gewährleisten. Zumal das Triebwerk locker gefühlte 150 Pferdchen sattelt. Da sich die Leistungsstufen ebenso aus der Anpassung der Motorelektronik ergeben, liegt eine Streuung nach oben nahe. Außerdem besticht der Vierzylinder durch einen kultivierten Lauf; lediglich feine Ohren machen seine Arbeitsweise aus.

Fast ohne Anfahrschwäche setzt sich der je nach Ausstattung bis zu 1,8 Tonnen schwere Allradler in Bewegung, um leichtfüßig durch die Landschaft zu gleiten. Die milde abgestimmte Federung pariert Bodenwellen aller Art besonders sorgfältig; so wird er selbst mit hartnäckigen Frostaufbrüchen problemlos fertig. Dafür ist der sanfte Langstrecken-Profi nichts für die Kiesgrube, auch wenn die Antriebsmomente per Lamellenkupplung an alle vier Räder verteilt werden können. Keine spezielle Untersetzung sowie fehlende Sperren geben einen Hinweis auf die bevorzugte Einsatzweise. Nachteilhaft ist die leichte Kraxel-Fähigkeit indes nicht. Bei regennasser Fahrbahn und vielen Ampelstarts lernt man das 4WD-Modell schätzen – während die Vorderräder der Verkehrsteilnehmer mit Frontantrieb bei zügigem Anfahren nur scharren, legt der Koreaner souverän los.

Souverän verhält er sich auch bei zügigen Autobahngeschwindigkeiten; stabil dreht er seine Runden bei Bedarf auch jenseits von Richtgeschwindigkeit. Dabei bleibt es in der Fahrgastzelle weitgehend leise, so dass Gespräche in Zimmerlautstärke an der Tagesordnung sind. Derweil entdecken die Fahrgäste nach und nach die praktischen Details der Wohnstube mit diversen Ablagen und Cupholdern vorn sowie in der Fond-Armlehne. Farbenfrohe Sitzbezüge peppen die Atmosphäre auf – gepaart mit hochwertig anmutender Materialqualität schafft dieser Innenraum Attraktivität. So langsam füllt sich das Konto des Hyundai mit Premium- Punkten, während der Kurs eine ganz andere Sprache spricht. Denn der Diesel-ix35 ist schon ab etwas über 20.000 Euro netto zu bekommen. Und die Ausstattung macht schon in der Basis glücklich.

Die ‚Comfort‘-Variante verfügt serienmäßig über das volle Sicherheitspaket inklusive Antiblockiersystem, Front-, Kopf- und Seitenairbags, Bremsassistent und elektronisches Stabilitätsprogramm. Für Wohlbefinden sorgen Klimaanlage und Audiosystem, dass sogar frei Haus über eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung verfügt. Bei den Sonderausstattungen fährt Hyundai die Paket-Strategie – wer auf das Schalten verzichten, Klimaautomatik, Navigationssystem oder Tempomat haben möchte, muss eine höhere Ausstattungslinie wählen. Wer dagegen zur 25.705 Euro teuren ‚Premium‘-Variante greift, bekommt neben 184 obligatorischen PS die Möglichkeit, auch ausgefallene Extras zu ordern – zu denen definitiv der Parkassistent gehört. Der sechsstufige Schaltautomat fällt mit 1.218 Euro wohlfeil aus.