PDF DOWNLOAD

Der Auto Club Europa (ACE) und die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) haben in einem gemeinsamen Test zwölf Sommerreifen- Modelle der Volumengröße 205/55 R 16 getestet und dabei erstmals die Kriterien des ab November 2012 für alle Hersteller verbindlichen EUReifenlabels angewendet. In dem Wettbewerbsfeld, zu dem noch vier weitere Premium-Marken zählten, wurde der ContiPremiumContact 2 zum Testsieger gekürt. Er wird von den Reifen-Fachleuten als „ausgewogener Reifen mit Bestnote auf nasser Fahrbahn und relativ geringem Verschleiß“ bewertet. Wäre auf Basis dieser Testergebnisse das siebenstufige Reifen-Label vergeben worden, hätte der ContiPremiumContact 2 als einziger die höchste mögliche Einstufung für Nassgriff (A) und gleichzeitig die höchste vergebene Klasse bei Rollwiderstand (E) erhalten. Bei ihrer kritischen Bewertung des EULabels monieren die Fachleute, dass „wichtige sicherheits-relevante Reifeneigenschaften, wie zum Beispiel Aquaplaning, unberücksichtigt bleiben“. Der vollständige Test ist im aktuellen Heft von ACE Lenkrad (3/2010) veröffentlicht.

Das Ergebnis gibt beim genauen Hinsehen einen guten Einblick in den Nutzen des ab 2012 obligatorischen Reifenlabels – und in seine Schwächen. Es zeigt einmal mehr, dass Reifen Hoch-Technologie-Produkte sind und nicht mit einem einzigen Kriterium wie Kühlschränke beurteilt werden können. Insbesondere alle maßgeblichen sicherheitsrelevanten Eigenschaften sollten zur Förderung der Verkehrssicherheit differenziert betrachtet werden. Das mit Abstand billigste Produkt im Testfeld, der Wanli S-1063, wird zwar mit einem E als Produkt mit nicht ausreichenden Nassbremsleistungen gekennzeichnet, jedoch bleibt die Frage der Autofahrer nach den weiteren sicherheitsrelevanten Reifeneigenschaften unbeantwortet. Weder über Aquaplaningwerte noch über Bremswege auf trockener Fahrbahn oder gar Handlingeigenschaften – wichtig beim sicheren Ausweichen vor einem Hindernis – gibt das Label in irgendeiner Weise Auskunft.

Continental begrüßt das Label auch weiterhin grundsätzlich und hofft, dass es wie von der EU angestrebt, einen Beitrag hin zu einem bewussteren Reifenkauf leistet. Im Ergebnis wird eine Erhöhung des Premium-Reifenanteils erwartet, und damit auch einen positiven Beitrag zur Verkehrssicherheit entsprechend der EU-Charta. Da es jedoch nur die drei Reifeneigenschaften Nassbremsen, Rollwiderstand und Geräuschniveau abbildet und zahlreiche andere Kriterien außer Acht lässt, ist sein Informationsgehalt begrenzt. Insbesondere für das wichtige Segment der Winterreifen tritt das Label zu kurz: Es gibt keinen Hinweis auf die zentralen Wintereigenschaften der Produkte. Daher bleiben die deutlich weitergehenden Testergebnisse der einschlägigen Fachzeitschriften und Automobilverbände auch künftig die umfassendste Orientierungshilfe für Endverbraucher beim Reifenkauf. ACE und GTÜ kritisieren im aktuellen Test vor allem das Fehlen weiterer sicherheitsrelevanter Reifeneigenschaften bei den Kriterien zur Label-Vergabe, es beschreibe „die Gebrauchseigenschaften von Reifen nur ungenügend“, eine „gezielte Kaufentscheidung“ sei danach kaum möglich. Vor diesem Hintergrund kann man davon ausgehen, dass die führenden Fachmagazine und Automobil-Clubs die Label- Vergabe kritisch begleiten und damit zu einer breiten Diskussion über die Sicherheits- und Qualitätseigenschaften von Pkw-Reifen beitragen werden.