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Flottenmanagement: Herr Kehler, Sie sind seit kurzem Geschäftsführer der neuen erdgas mobil GmbH. Mit welchen Aufgaben tritt die neue Gesellschaft nach außen zukünftig in Erscheinung? Inwieweit können Sie in diesem Aufgabengebiet Ihre Erfahrungen, die Sie bei BMW als Verantwortlicher für das Marketing des Wasserstoffkonzeptes Clean Energy sammeln konnten, einbringen?

Dr. Kehler: Die Aufgaben bleiben genau genommen die gleichen wie bisher. Das Thema Erdgas als Kraftstoff soll vorangebracht werden. Die Herangehensweise muss und wird aber künftig eine Andere sein. Mit der Integration aller Aktivitäten in die neue Gesellschaft erhalten die Marktpartner damit einen zentralen Ansprechpartner. Dies gilt gerade für die Automobilhersteller und -vermarkter. Eine verstärkte Vermarktung und der kontinuierliche Ausbau der Infrastruktur werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Für die Führung der neuen erdgas mobil hat sich die Gaswirtschaft jemanden gewünscht, der die Automobilwirtschaft von innen kennt, also weiß wie sie „tickt“. Die Erfahrungen mit dem Wasserstoffkonzept zeigen, dass gerade vor dem Hintergrund der CO2-Diskussion eine große Offenheit in der Öffentlichkeit und Politik für alternative Kraftstoffe herrscht. Hier liegt Erdgas gerade jetzt voll im Trend: Erdgas, in Zukunft gemischt mit BioErdgas, bietet eine heute bereits ausgereifte, kostengünstige und gleichzeitig zukunftsfähige Lösung zur Schadstoffreduktion - dies nicht nur im Kontext der aktuellen Klimadiskussion, sondern auch bei zukünftigen Anforderungen im Bereich von Feinstaub und Stickoxiden. Daher wird Erdgas als Kraftstoff auch langfristig steuerlich gefördert. Langfristig - aber dies wird wohl noch eine Weile dauern - ist der Übergang von Erdgas auf Wasserstoff vorstellbar, daher sind beide Themen in der strategischen Diskussion unmittelbar miteinander verknüpft.

Flottenmanagement: Erdgas ist mittlerweile ein etablierter Kraftstoff, der aber gerade in Fuhrparks immer noch mit Durchsetzungsproblemen zu kämpfen hat. Welche Aufgaben, welche Herausforderungen sehen Sie deshalb kurzund langfristig vor sich? Welche Maßnahmen und Aufklärungsarbeit wollen Sie einsetzen, um Zweifel und Umsetzungsschwierigkeiten beim Thema Erdgasfahrzeuge zu beseitigen und speziell den Flottenmarkt zu erreichen?

Dr. Kehler: Es gibt durchaus eine Vielzahl von kleinen und großen Fuhrparks, die Erdgasfahrzeuge erfolgreich einsetzen und sich von den Vorteilen des Kraftstoffes in der Praxis überzeugt haben. Gerade in der derzeitig herausfordernden Situation steigt der Kostendruck auch auf Fuhrparks. Hier kann der Einsatz von Erdgasfahrzeugen die Betriebskosten um bis zu 35 Prozent senken, wie uns Fuhrparkbetreiber berichten. Gleichzeitig kommt nun eine neue Generation von Turbo-Erdgasmotoren auf den Markt, die durch spürbar höhere Reichweiten und noch bessere Effizienz noch attraktiver für den Einsatz in Flotten ist. Hier erleben wir motorenseitig einen ähnlichen Technologiesprung wie beim Diesel vor 20 Jahren.

Auch wird die Zahl der Tankstellen, insbesondere entlang von Autobahnen, durch die Gaswirtschaft kontinuierlich ausgebaut. Dieses Wissen muss in die Breite getragen werden, um noch mehr Fuhrparkmanager von den Vorteilen und der Zukunftssicher-heit der Technologie zu überzeugen. Unterstützt werden wir dabei durch die Arbeit unserer Key Account Manager für Flotten. Auch an der Bereitstellung einer bargeldlosen Bezahlmöglichkeit mittels einer Erdgas-Flottenkarte, die für einige Betreiber unerlässlich ist, arbeiten wir intensiv mit einem Dienstleister zusammen und sind guter Hoffnung noch in der zweiten Jahreshälfte diese einführen zu können.

Flottenmanagement: Nicht jeder Fuhrpark eignet sich gleichermaßen für die Bestückung mit Erdgasfahrzeugen; es gilt Faktoren wie das lokale Tankstellennetz und den Einsatzzweck zu berücksichtigen. Wie wollen Sie auf die individuellen Voraussetzungen von Flotten eingehen, welche Flotten fassen Sie gezielt ins Auge? Mit welchen Förderprogrammen können Sie das Angebot attraktiver machen, welche sind für die Zukunft geplant und mit welchen Voraussetzungen? Wie wollen Sie auf die Flottenbetreiber zugehen und ihnen assistieren, welche Hilfestellung bieten Ihre Key-Account Manager den Firmen?

Dr. Kehler: Es stimmt, dass der Einsatz von Erdgasfahrzeugen sorgfältig überlegt sein will und jeweils von den individuellen Randbedingungen abhängt. Für den konkreten Einsatzzweck müssen die entsprechenden Fahrzeuge verfügbar sein und die Tankstelleninfrastruktur muss natürlich dazu passen. Es gibt in Deutschland große Flottenbetreiber, welche allein mehrere hundert Erdgasfahrzeuge im Bestand haben und die Praktikabilität beweisen. Auch international wird das Thema CNG für Flotten zunehmend interessanter. So hat beispielsweise in USA der Telekommunikationsriese AT&T gerade entschieden, in den kommenden Jahren 8.000 Lieferfahrzeuge mit Erdgasantrieb zu beschaffen. Als erdgas mobil versuchen wir durch die kostenlose Beratungsleistung der Key Account Manager Potentiale in den großen Flotten für die Fuhrparkmanager zu ermitteln und helfen bei der Umsetzung von Umstellungskonzepten.

Aber auch wir bewegen nur uns in den Grenzen des Machbaren und müssen realistisch bleiben. Falls nicht die passenden Fahrzeugmodelle oder die passende Versorgung im Einsatzgebiet vorhanden sind, ist es schwierig zu helfen. Falsche Erwartungen führen sonst zu Enttäuschungen, die wir vermeiden wollen. Für Großflotten ab 100 „normalen“ Fahrzeugen fördern wir die Anschaffung jedes Erdgasfahrzeuges weiterhin mit 300 €. Dies ist ein bewährtes Instrument und daher zur Zeit noch nichts Neues geplant.

Flottenmanagement: Erdgas wird erst seit Mitte der Neunziger Jahre als Kraftstoff in deutschen Serienfahrzeugen eingesetzt. Deshalb ist nicht nur der Endverbraucher gefragt, sondern auch die Automobilhersteller und Mineralölgesellschaften auf der Geber-Seite. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihnen, welche Unterstützung erfahren Sie durch die regional operierenden Gasversorger? Was fordern Sie von beiden Parteien, was kann auch die Politik zur Verbesserung der Rahmenbedingungen beisteuern?

Dr. Kehler: Um Erdgas als Kraftstoff zum Erfolg zu führen bedarf es tatsächlich der Zusammenarbeit aller genannten Beteiligten. Es wurden über viele Jahre gute Kontakte aufgebaut, und nur gemeinsam haben wir den heutigen Stand erreicht. Mehr als 800 Erdgastankstellen an überwiegend öffentlichen Mineralölstandorten und verfügbare Erdgasfahrzeuge mit Turbomotoren sind Ausdruck der guten Zusammenarbeit, die zugegebenermaßen aber auch Höhen und Tiefen erlebt hat. Von den Automobilherstellern wünschen wir uns natürlich eine breitere Modellpalette und wissen auch, dass in den meisten Entwicklungsabteilungen auch Projekte für neue Erdgasfahrzeuge bearbeitet werden. Von der Mineralölwirtschaft wäre mitunter ein leichterer Zugang zu Tankstellenstandorten wünschenswert. Zu den regionalen Gasversorgung haben wir über die Landesinitiativkreise Kontakt. Die Gasversorger sind in der Regel die Betreiber der Erdgastankstellen und allein dadurch schon sehr wichtige Partner für uns. Vor Ort haben Sie zudem direkte Kontakte zu den Autohäusern.

Die Politik sollte in der Breite erkennen, dass mit Erdgas eine heute verfügbare Technologie praxistauglich einsetzbar ist, die Schadstoffemissionen signifikant senken kann und heimische nachwachsende Rohstoffe (BioErdgas) für die Mobilität effizient nutzbar machen kann. In der Folge erhoffen wir uns entsprechend weitreichende Entscheidungen mit Lenkungswirkungen. Da ist die Politik in anderen europäischen Ländern manchmal schon ein Stück weiter als hier.

Flottenmanagement: Vor einem Jahr wurden Konzepte zur Entwicklung einer Flottentankkarte speziell für Erdgas vorgestellt. Von welchen Fortschritten und Erfolgen können Sie berichten, möglicherweise sogar Details zur Marktreife nennen?

Dr. Kehler: Bei der Flottentankkarte sind wir kurz vor dem Beginn der Pilotphase, die wir mit ausgewählten Flottenbetreibern und einigen Tankstellen durchführen wollen. Nach den hoffentlich erfolgreichen Testläufen können und werden wir die Karte allen zugänglich machen. Wir arbeiten mit kompetenten Partnern aus dem Kreditkarten- und Banksektor zusammen und sind zuversichtlich, dass die Karte in der zweiten Jahreshälfte für die Flottenbetreiber nutzbar wird.

Flottenmanagement: Gibt es Bestrebungen und Pläne, sich mit Leasinggebern bezüglich der Restwertkalkulation beziehungsweise Wiedervermarktung auseinanderzusetzen, um eine weitere wichtige Rechengrundlage für Flotten attraktiver zu gestalten? Wenn ja welche?

Dr. Kehler: Dazu fällt mir ein: „Schuster bleib’ bei deinen Leisten!“ Wir werden als Gaswirtschaft nicht in die Wiedervermarktung von Fahrzeugen einsteigen. Allerdings wollen wir durch eine kontinuierliche Förderung und Kommunikation des Themas sowie langfristige Sicherung der steuerlichen Randbedingungen dafür sorgen, dass der Markt weiter wächst und damit auch die Nachfrage nach gebrauchten Erdgasfahrzeugen steigt. Dies wird sich natürlich positiv auf die Restwerte auswirken. Noch ist der Gebrauchtwagenmarkt bei einem Gesamtbestand von ca. 80.000 Erdgasfahrzeugen aber naturgemäß noch recht klein.

Durch die erdgas mobil soll an allen Stufen der Vermarktungskette Aufklärungsarbeit zu Erdgas und BioErdgas als Kraftstoff geleistet werden und das langfristige Engagement der Gaswirtschaft zu diesem Zukunftsthema unterstrichen werden. Letztlich ist aber der Kauf von Erdgasfahrzeugen immer ein gutes Investment – nicht nur finanziell, sondern auch für die Umwelt.