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Bei jeder Fuhrparkveranstaltung findet sich mittlerweile im Referatsblock einmal ein Thema, das sich um nachhaltige Mobilität dreht. Dennoch scheint diese sehr langsam in der Fuhrparkpraxis anzukommen und umgesetzt zu werden. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Car Policen in einigen größeren Fuhrparks nur mit dem Aufwand einer Bundesgesetzgebung geändert werden können, was sich zeitlich bis zu zwei Jahre hinziehen kann. Schließlich sind neben der Geschäftsführung sämtliche Abteilungen von der Personlabteilung über den Einkauf bis hin zum Betriebsrat an der Entscheidungsfindung beteiligt. Wir wissen ja alle, wie viel sich in solchen Zeitspannen ändern kann.

Aber je größer das Unternehmen ist, um so größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sämtliche Vorgänge, ob Produktion, Einkauf, Energiehaushalt und eben auch das Fuhrparkmanagement bestimmten Nachhaltigkeitskriterien unterliegen. Größere Firmen richten Arbeitskreise ein, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Bei DAXUnternehmen steht durchaus ein besseres Rating im Vordergrund, dann findet die Nachhaltigkeit bis in den Fuhrpark Niederschlag, im Nachhaltigkeitsbericht, oder es steht zumindest die Kostenersparnis in den Bilanzen.

Auch eignet sich ein „grünes” Image in bestimmten Branchen besser in Verhandlungen mit Kunden, dort stechen Reinigungsdienstleister ebenso hervor wie die Pharmabranche oder Chemieunternehmen. Wesentlich für den Erfolg ist aber, dass der Nachhaltigkeitsgedanke von oben herab gelebt wird, will sagen, auch der Geschäftsführer sollte sich an die Vorgaben halten und nicht gerade als Dienstwagen einen 12-Zylinder bestellen. Übrigens entstammt der heutzutage viel benutzte Begriff Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft des frühen 18. Jahrhunderts, geprägt von Hans Carl von Carlowitz, der besagt, dass nur so viel Holz verwendet werden soll, wie nachwachsen kann.

Mehr und mehr Unternehmen legen Wert darauf, dass der Kraftstoffverbrauch ihrer Flotte sinkt. In einer Umfrage unter Fuhrparkmanagern haben wir erfahren, dass dazu verbrauchsärmere Fahrzeuge beispielsweise mit den Konzepten Blue Efficiency, Blue Motion, e, Ecoflex , ECOnetic oder Efficient Dynamics Einzug als Referenzfahrzeuge halten. Auch in den Fuhrparks, die sie nicht als Referenzfahrzeuge aufstellen, stehen sie den User Choosern zur Wahl. Zudem sollen möglichst die neuesten Modelle gewählt werden, so dass damit auch die neue Euro 5-Norm und auch die modernsten Technologien zum Tragen kommen.
Auch eine Höchstgeschw indigkeitsempfehlung von 160 km/h hat in einem Fuhrpark schon für einen messbaren Erfolg gesorgt, was in der Kraftstoffabrechnung ersichtlich wurde. „So senken wir die Kosten, ohne die Mitarbeiter zu demotivieren”, freut sich der Fuhrparkleiter. Ein Zeichen setzt ein anderer Fuhrparkleiter zum Beispiel damit, dass er Spritsparheftchen von VW und dem NABU verteilt hat. Möglicherweise landen einige im Papierkorb, aber bei den Fahrern, die sie lesen, bewirken sie bestimmt etwas.

In der Regel dominieren aber andere, offensivere Methoden, um die Kraftstoffkosten zu minimieren. Dennoch ist die Mitarbeitermotivation beim Sparen ein großes Thema, fungieren doch die Dienstwagen als Teil der Bindung an das Unternehmen. Als probate Mittel gelten Spritspar- Trainings bis hin zu -Wettbewerben, die allerdings nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden können, da hierfür Daten gesammelt werden, die auch in den privaten Bereich gehen.

Die Spritspartrainings wiederum erfordern erst einmal einen finanziellen Aufwand für Unternehmen, nicht nur, dass die Arbeitszeit der Mitarbeiter „zweckentfremdet” wird, die Kurse kosten zudem Geld. Doch während bislang nur Fahrsicherheitstrainings von der Berufsgenossenschaft bezuschusst wurden, öffnen diese sich auch für reine Spritspartrainings beziehungsweise mit Fahrsicherheit kombinierte Trainings. Erwiesen ist, dass durch sparsame Fahrweise das Unfallrisiko und auch der Verschleiß zurückgehen, und genau dies steht im Interesse der BGs. Wann sich solch ein eintägiges Training amortisiert, lässt sich schnell errechnen.

Lenken kann man die Fuhrparkzusammensetzung nicht nur bei Funktionsfahrzeugen, bei denen die Firma bestimmt, was gefahren wird, mittlerweile bieten viele Leasinggesellschaften Fahrzeugkonfiguratoren an, die mittels Bonus-Malus Regelungen nachhaltige Fahrzeugkonzepte fördern und Spritschlucker durch höhere Leasingraten abschrecken.

Wo genau die Schwierigkeiten der Umsetzung eines nachhaltigen Fuhrparkmanagements liegen, will niemand der Befragten so recht konkret benennen. Sicherlich gehört zu den aufwändigeren, aber weniger frustrierenden Themen, die Mitarbeiter aufzuklären und zu informieren, nicht zuletzt, um ein persönliches Engagement zu erreichen. Dazu sollte die Interne Unternehmenskommunikation eingebunden werden, die via Intranet innovative Vorhaben vorstellt und somit schon Missverständnisse aus dem Weg räumen kann.

Denn in der Tat gilt der Dienstwagen stets als nahezu unumstößliches Statussymbol. Selbst in dem einen oder anderen Unternehmen, das auf eine Motorisierungskennzeichnung am Heck absichtlich verzichtet, weiß jeder Fahrer vom anderen, was er fährt. Da braucht es noch ein wenig Zeit und Werteänderung, bis weniger die PS- und Hubraumzahlen denn der niedrige Spritverbrauch Inhalt der Pausengespräche wird.
Nachhaltiges Fuhrparkmanagement bedeutet ja nicht gleich, auf visionäre Technologien zurückzugreifen. Doch es bedeutet, dass Geschäftsführung und Fuhrparkleitung engagiert hinter dem Projekt stehen sollten. Das vereint in der Folge einen Großteil der Fahrer hinter ihnen und macht es leichter, Sparmaßnahmen umzusetzen. Mit dem heute angebotenen Modell- und Technologieprogramm der Hersteller und auch durch Dienstleistungsangebote der Leasinggesellschaften kann jeder Fuhrpark unter den präferierten Anbietern repräsentative Fahrzeuge mit geringem Kraftstoffverbrauch auswählen. Denn eins ist sicher: die Spritpreise werden wieder steigen.