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Nach den Faktoren Wertverlust, Kraftstoffkosten, Reparaturbedarf und Finanzierungskosten liegt der finanzielle Aufwand für Versicherungen an fünfter Stelle der TCO eines Fuhrparks. Maßgebend für diesen Posten sind auch die Typklassen eines jeden Fahrzeugs in drei verschiedenen Versicherungsarten. Die Kraftfahrthaftpflicht (KH) ist gesetzlich vorgeschrieben, um den Schadenersatz für ein Unfallopfer zu gewährleisten. In Ergänzung dazu gibt es die freiwillige Teilkaskoversicherung (TK), die bestimmte Schäden am eigenen Fahrzeug abdeckt, und, darauf aufbauend, die in ihrem Leistungsumfang erweiterte Vollkaskoversicherung zur Abdeckung von selbstverursachten Unfallschäden am eigenen Fahrzeug (VK). Wie hoch die Prämie für die jeweilige Versicherungsart ist, richtet sich im Wesentlichen nach den Typklassen, die jedes Fahrzeug zugewiesen bekommt. Doch welche Kriterien spielen hier eine Rolle und wie werden diese ermittelt?

Um dies zu regeln, berät sich eine Klassifizierungskommission, die aus jeweils einem Vertreter des Kraftfahrtbundesamtes und des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) besteht. In einem komplexen mathematischen Verfahren werden die Typklassen für jedes Fahrzeug ermittelt, das heißt den aktuell vorliegenden Zahlen angepasst. Von Belang sind deshalb vor allem statistische Daten wie Reparaturkosten und Reparaturhäufigkeit, Fahrzeugtyp, Fahrleistung, Zulassungsbezirk, die Anzahl schadenfreier Jahre und der Abstellort. Darüber hinaus werden auch Merkmale wie Nutzerkreis, Alter des Nutzerkreises und Fahrzeugalter bei Erwerb mit berücksichtigt. Bei Neufahrzeugen, über die es noch keine statistischen Daten gibt, erfolgt die Einstufung aufgrund des Vorgängermodells oder eines speziellen Crashtests. Bei diesem wird die Kollision des Pkw bei geringer Geschwindigkeit im Stadtverkehr simuliert, da sich so einer der häufigsten Kaskofälle nachstellen lässt. Ist die Reparatur mit geringen Kosten durchzuführen, erfolgt die Einstufung in eine niedrige Klasse, bei teuren Ausbesserungen in eine höhere Klasse. Auf diese Art und Weise werden die Daten für circa 18.000 verschiedene Fahrzeugtypen ermittelt. Um statistische Schwankungen zu minimieren, werden die Daten aus zwei Jahren berücksichtigt. Nach Abschluss wird das gesamte Verfahren von einem unabhängigen Treuhänder überprüft. Es ist allerdings in die Kritik geraten, da die eigentliche Einstufung durch die Klassifizierungskommission für die Öffentlichkeit nicht transparent gemacht wird und die dazu verwendeten Daten dem Verbraucher nicht zur Verfügung stehen.

So werden für KH 16 Typklassen beginnend bei zehn ermittelt. Die VK-Klassen reichen von zehn bis 34, die der TK von zehn bis 33. Allerdings sind diese Einstufungen nicht verpflichtend, sondern werden von den meisten Versicherungen als Richtschnur angesehen. Gerade bei Flottenkunden, die erwartungsgemäß ein anderes Schadenaufkommen haben als ein Privatkunde, wird mit diesen Klassen flexibel umgegangen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass auf eine typenklassenbezogene Prämienfestlegung verzichtet wird und die Beiträge aufgrund einer anderen Basis, beispielsweise der Motorleistung, berechnet werden. Oder der Versicherer fixiert die Typenklassen einmal zu Vertragsbeginn und passt sie dann nicht mehr an. Es kommen also durchaus individuelle, kundenspezifische Anpassungen vor. Obwohl die Einstufung nicht bis ins letzte Detail transparent ist, sollte doch jeder Fuhrparkmanager die Faktoren kennen, die darin einfließen. Denn bei einem Anteil von 8,4 Prozent an den TCO kann jedes Quentchen Information für die Kostensenkung von Bedeutung sein.