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Flottenmanagement:

Bei Audi läuft alles, der neueste Audi A4 sammelt Vergleichstest-Siege, die DTM-Version dominierte den Saisonauftakt 2008, und in der jüngsten ADAC-Pannenstatistik liegt Audi wieder mit vorn. Den Audi- Modellen werden mit die höchsten Restwerte attestiert, Image und Kosten-Effizienz suchen ihresgleichen. Audi ist weit davon entfernt, die Konkurrenz fürchten zu müssen, aber wie hoch ist der Grad der Wachsamkeit, welche Aspekte behalten Sie stets im Auge?

Felske:

Wir befinden uns in einem sehr spannenden automobilen Umfeld, in dem sich Audi eine hervorragende Position erarbeitet hat. Ihre Aufzählung ist das Resultat jahrelanger, intensiver Arbeit, die wir mit der gleichen Energie fortsetzen werden, um unseren Weg auch für die Zukunft entsprechend gestalten zu können. Die Marke Audi ist in ihren Prestigewerten, in der Begehrlichkeit der Marke und in der technologischen Entwicklung der Produkte in Führung gegangen. Auf diese Entwicklung dürfen wir stolz sein, und zugleich müssen wir mit ungebrochenem Engagement und Einsatz weiter daran arbeiten. Dabei behalten wir gesellschaftliche Trends und größere Verschiebungen von Werten aufmerksam im Auge. Wir müssen den Kunden zuhören und auch immer wieder fragen, wo ihre Visionen und Wünsche liegen. Im Hinblick auf die Produkte müssen wir stets mindestens fünf Jahre voraus denken. Daneben bleibt die stetige Qualifizierung der Handelsorganisation wichtig.

Flottenmanagement:

Wie stellt sich Ihnen die Entwicklung des Audi-Flottengeschäfts in den letzten fünf Jahren dar, welche Bewegungen machen Sie aus, wie verteilt es sich auf die einzelnen Klassen im Flottengeschäft?

Weichselbaum:

Wir verzeichnen eine sehr positive Entwicklung. Gerade im Jahr 2007, das durch einen schwächelnden Privatkunden-Markt geprägt war, war das Flottengeschäft natürlich ein ganz wichtiges Standbein. Wir konnten sogar die für uns überaus erfreuliche Entwicklung ausmachen, dass gerade unsere Fahrzeuge in den höheren Klassen, und hier insbesondere der Audi A6, ihre Marktanteile sowohl im Gesamtmarkt, als auch im Flottenmarkt bis hin zur Marktführerschaft ausbauen konnten. Ich will einmal den Blick auf die einzelnen Klassen werfen. Mit dem Audi A4 sind wir Premium-Segmentführer in der Mittelklasse, mit dem A6 seit 2005 in der Oberen Mittelklasse. In der Oberklasse sind wir mit dem Audi A8 ähnlich gut aufgestellt, hier nehmen wir trotz der Einführung eines neuen Modells durch die Konkurrenz momentan Rang eins ein.

Flottenmanagement:

Über die Jahre betrachtet hat es bisweilen den Anschein, als würde im Premium-Segment immer gerade der Hersteller besonders punkten, der in einer Kategorie jeweils das neueste Modell platziert. Müssen Sie im Firmenkunden-Segment stärker mit Wechsel- Mentalitäten leben als im Privatkundengeschäft?

Felske:

Das kann ich so nicht bestätigen. Ich möchte hier beispielsweise nur einmal auf das Vorgängermodell unseres aktuellen Audi A4 verweisen, der gerade ausgelaufen ist. Einen so erfolgreichen Auslauf eines Modells im B-Segment haben wir weder im Markt, noch bei Audi selbst jemals zuvor erlebt. Mit dem auslaufenden Audi A4 Avant lagen wir im ersten Quartal 2008 immer noch vor allen Kernwettbewerbern. Dieser A4 war bis zum Schluss brandaktuell und ganz offensichtlich hoch attraktiv.

Flottenmanagement:

Was können Sie seitens der AUDI AG noch unternehmen, um im User- Chooser-Bereich die Markenbindung zu verstärken?

Felske:

Dieses Thema muss generell differenziert betrachtet werden. Es ist nicht in allen Unternehmen gewollt, dass wir als Hersteller den direkten Kontakt zu den User Choosern halten. Insofern bleibt dieser Kontakt vorwiegend eine wichtige Aufgabe für unsere Handelsorganisation, die dies in hervorragender Weise umsetzt. Schließlich ist der User-Chooser über das Fahrzeugleben hinweg nicht zuletzt auch Werkstattkunde. Ich bin überzeugt davon, dass wir bei Audi sehr gut beraten sind, unser Augenmerk auf ein allgemein sehr gutes Kundendienst- Angebot und eine zuvorkommende persönliche Betreuung im Autohaus zu legen.

Flottenmanagement:

Ein Hauptkonkurrent von Audi hat jetzt mit einem speziellen Technologie- Paket die Verbräuche deutlicher reduziert, wenn man den dortigen Werksangaben glauben schenken darf. Wie stellt sich Audi in der Argumentation gegenüber dem Firmenkunden darauf ein, was haben Sie in Vorbereitung?

Weichselbaum:

Audi war der Vorreiter in der FSIund TDI-Technologie. Wir sind immer wieder die ersten gewesen, die einen hocheffizienten Dieselantrieb in neue Segmente eingeführt haben, wie beispielsweise mit dem Audi A8 in der Oberklasse. Auf diesem Weg unserer Kernkompetenzen, der Diesel und Benzindirekteinspritzung, unterstützt durch Kompetenzen wie Aluminium-Leichtbau, schreiten wir weiter voran. Wir brauchen kein Label auf dem Fahrzeugheck, unsere Fahrzeuge sind ganz einfach von Haus aus effizient. Beim neuen Audi A4 Avant beispielsweise können wir über die ganze Modellpalette eine weitere Verbrauchsreduzierung von zehn Prozent bei gleichzeitiger Leistungssteigerung von acht Prozent melden. Damit setzen wir schon wieder Maßstäbe, ohne dass wir das im Marketing besonders herausstellen müssten. Abgesehen davon kommt es bisweilen auch darauf an, inwieweit eine eingesetzte Technologie zu einem bestimmten Fahrprofil passt. Der sogenannte neue europäische Fahrzyklus NEFZ entspricht ja kaum dem realen Fahrprofil des klassischen Außendienstlers. Beim Vergleich der Testverbräuche eines A4 mit dem Wettbewerb stellen wir wiederholt fest, dass wir sehr gut aufgestellt sind.

Felske:

Wenn wir das Thema Treibstoffreduzierung einmal grundsätzlich betrachten, so ist es doch erfreulich, dass sich die gesamte deutsche Automobilindustrie der Aufgabe stellt und massiv in die Energieeffizienz investiert. Das hilft der Umwelt und nützt dem Verbraucher in punkto Folgekosten. Ein sich intensivierender Wettbewerb in diesen Dimensionen stellt auch für uns noch einmal eine Herausforderung dar, die wir gerne annehmen.

Flottenmanagement:

Taugen Ihrer Meinung nach die TCO noch als „Grundgesetz“ zur Gestaltung einer Car Policy, wenn gleichzeitig die Mitarbeiter-Motivation über den Firmenwagen so hoch wie möglich gehalten werden soll? Tendieren die Unternehmen eher dazu, die Budgetraten festzuschreiben, oder geht weiter Auto vor Geld? Felske: Unsere Marktanteile zeigen, dass Premiumfahrzeuge in diesem Umfeld weiterhin sehr beliebt sind und dass eben doch die Emotion weiter mitfahren darf. Die Menschen wollen sich nicht strikt in Verzicht üben, sie wollen vielmehr ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis und in ihrer Mobilität auch den Spaß genießen. An diesem Mix orientieren wir uns. Der Firmenwagen bleibt also nach wie vor auch Motivationsinstrument. Der einzelne Fuhrparkmanager wird sich hier immer wieder auf einer Art Gratwanderung zwischen Motivation und Kosten befinden. Er bleibt gefordert, beides in der Car Policy unter einen Hut zu bringen. Flottenmanagement: Können Sie in begrenztem Rahmen ausmachen, dass in den Unternehmen für die einzelnen Mitarbeiter-Ebenen auch schon ein gewisses Downgrading in Bezug auf die Modellpalette oder im Ausstattungsbereich diskutiert wird? Gibt es beispielsweise Unternehmer, die sagen, „ganz oben reicht uns der Audi A6“?

Felske:

Das wird gelegentlich diskutiert, aber bei weitem noch nicht im selben Maße umgesetzt. Ich glaube, dass sich hier nicht viel ändern wird, weil das Auto nach wie vor ein ideales Belohnungsinstrument ist. Wer sehr hart arbeitet, wenig Zeit für sich selbst reserviert und seine Hobbies vernachlässigt, der hat schon seine stille Freude daran, seine Fahrt nach Hause mit einem attraktiven Auto anzutreten. Wer den ganzen Tag im Außendienst mit dem Auto arbeiten muss, für den ist das sogar von noch größerer Bedeutung. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass die Autos in ihren jeweiligen Klassen immer „erwachsener“ werden. Unser Audi A4 beispielsweise bietet heute Ausstattungsumfänge, an die vor wenigen Jahren in der Mittelklasse nicht zu denken war und die sie heute im Wettbewerb teilweise nur in der Oberklasse finden. Komfort-Niveau, Abrollkomfort und Reisetauglichkeit des A4 suchen schon ihresgleichen. Dennoch ist es immer wieder so, dass wir die Menschen mit unserer Technik begeistern können und dass sie sagen, eine Klasse darüber gibt es noch ein bisschen mehr, und das gönne ich mir auch noch.

Flottenmanagement:

Seit etwa einem halben Jahr wächst spürbar das Interesse der Flottenbetreiber am „grünen Fuhrpark“. Wie ist Audi in dieser Beziehung in der Modellpalette aufgestellt, welche Programme bietet Ihr Unternehmen in der Fuhrpark- Beratung, mit welchen Fragen kommen die Flottenbetreiber gegenwärtig auf Sie zu?

Weichselbaum: Wir beobachten, dass das Interesse daran größer wird, stellen bisher aber auch fest, dass die Wenigsten handeln; auch, weil vielfach die notwendigen Rahmenbedingungen noch nicht gegeben sind. Einige Kunden allerdings haben an dieser Stelle schon reagiert. Wir haben im vergangenen Jahr beispielsweise das TDI e-Modell des Audi A3 vorgestellt, das bei einigen Großkunden sofort auf Interesse gestoßen ist. Auch vom neuen Audi A4 haben wir auf der letzten IAA eine TDIe-Studie gezeigt. Wenn der Bedarf gemeldet wird, können wir für den Markt schnell reagieren. Was dabei nicht vergessen werden darf: Auch der Fahrer ist ein wesentlich bestimmender Faktor für den Verbrauch. Er kann durch seine Fahrweise etwa bis zu einem Fünftel Kraftstoff einsparen.

Flottenmanagement:

Der Flottenbetreiber verlangt heute abseits der geeigneten Modellpalette, die Audi zweifellos bieten kann, in punkto Mobilität häufig „Rund-um-sorglos“-Pakete. Was können Sie hier im einzelnen von Haus aus anbieten? Felske: Wir haben gerade zum Jahreswechsel ein sehr attraktives „Rund-um-sorglos“-Paket eingeführt, das vom Preis her so attraktiv ist, dass eigentlich kaum jemand an diesem Angebot vorbeikommt. Hierbei geht es einerseits um eine passende Antwort auf das Thema TCO und die Attraktivität, sich für ein solches Fahrzeug zu entscheiden, andererseits aber auch ganz wesentlich um die Erleichterung des Lebens, größere Teile des Fuhrparkmanagements auslagern zu können. Das liegt auch stetig zunehmend im Interesse der Kunden. Flottenmanagement: Wenn alles so gut läuft, welche Ziele setzen sich noch für die Jahre 2008 bis 2010, was möchten Sie noch erreichen?

Felske:

Die grundsätzliche Maxime unseres Handelns lässt sich ganz einfach formulieren: Der Erfolg von heute ist die Leistung von gestern. Heute müssen wir die Leistung erbringen, um für morgen den Erfolg zu sichern. In diesem attraktiven Flottenmarkt schläft niemand. Wir werden uns weiter intensiv um die Kundenbindungsprogramme und die Qualifizierung der Handelsorganisation kümmern. Die qualifizierte Wartung eines komplexen Fahrzeugs erfordert präzise Schulung, präzise Vorbereitung aller Reparaturgänge, eine perfekte EDV-Anbindung, eine wirklich schlüssige Terminplanung für den Kunden und das notwendige Kostenmanagement. In Bezug auf die Produkte wird weiter die Effizienzsteigerung beim Motor-/Antriebsstrang im Vordergrund stehen, in Bezug auf die Emotionalität das Design der Fahrzeuge. Wer aufhört, besser zu werden, wird am Ende auch nicht der Beste sein.