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Die Fahrzeugkategorie SUV geriet vor Jahresfrist mit Beginn der CO2-Debatte sofort ins Fadenkreuz der Kritik. Bei um die zwei Tonnen Leergewicht und augenscheinlichen CW-Werten auf dem Niveau von Kleintransportern bedurfte es einfach keiner gründlichen Tests und tiefergehender Analysen mehr, um auf den ersten Blick sagen zu können, dass diese Fahrzeuge auf dem jetzigen Entwicklungsstand wohl weit neben dem liegen würden, was Brüssel für die nähere Zukunft vorschreiben wird.

Indessen, Deutschland ist relativ groß und, so gesehen, Brüssel wohl auch weit. Denn sowohl die jüngsten Statistiken des KBA, als auch die des Marktforschungs-Institutes Dataforce für den hiesigen Flottenmarkt weisen eindrücklich nach, dass der SUV im Verkauf weiter deutlich ins Plus fährt. Für den Jahresvergleich Januar bis September 2006/2007 meldet Flensburg „plus 4,8 Prozent“ für die Kategorie im Gesamtmarkt und Frankfurt gar „plus 18 Prozent“ bei den Firmenkunden. Und das nach dem Klima-Gipfel.

Nach einer Umfrage des Motor-Informations-Dienstes (mid) im August geht es dabei den Käufern am wenigsten um die Offroad-Eigenschaften der Fahrzeuge. Die wesentlichen Kaufmotive lägen vielmehr in dem, was der Anblick der SUV subjektiv auslöse beziehungsweise darin, was diese Kategorie suggeriere. Danach stünden die SUV für „Freiheit und Abenteuer auch in urbanem Gebiet“, für „man könnte, wenn man wollte“ (im Hinblick auf den Allradantrieb). Mit dem bulligen Design der SUV würde „souveränes Auftreten“ verbunden. Darüber hinaus steigerten offensichtlich die große Karosserie, die hohe Sitzposition und die gute Übersicht über den Verkehr das subjektive Sicherheitsempfinden.

Bei „plus 18 Prozent“ im Flottenmarkt wollten wir von Fuhrparkmanagern erfahren, warum SUV im Fuhrpark gefahren werden, und ob der SUV hier und da sogar schon als Alternative zur herkömmlichen Kombi-Limousine gesehen würde. Im einzelnen stellte Flottenmanagement folgende Fragen.

Natürlich kommen SUV bei weitem nicht in jeder Flotte vor, es gibt Car Policies, in denen sie ebenso wie etwa Sportwagen ausgeschlossen sind. So weit sie in Unternehmen zugelassen sind, erhielt Flottenmanagement folgende Antworten:

1. Wie hoch ist der Anteil von SUV-Fahrzeugen in Ihrem Fuhrpark, welche Fahrzeughersteller sind hier mit welchen Modellen vertreten?

SUV-Fahrzeuge kommen an den Fuhrparkrändern vor mit Anteilen von bis zu etwa fünf Prozent. Darin sind dann stark vertreten die Produkte deutscher Fahrzeughersteller, im besonderen vornweg die X-Baureihen von BMW, aber auch der Audi Q7 und der VW Touareg. An Importfabrikaten wurden wiederholt der Volvo XC 90, der Nissan X-Trail, aber auch schon der Peugeot 4007 genannt.

2. Wer darf in Ihrem Fuhrpark SUV fahren, warum ist aus Unternehmenssicht diesem Kreis der Firmenwagenfahrer SUV gestattet?

Recht unterschiedlich fielen die Motivationen für die Zulassung von SUV aus. Einerseits ist es schon der klassische Mitarbeiter-Motivationsgedanke, dann aber im Unternehmen beschränkt auf Hauptabteilungsleiter, Direktoren, Geschäftsführer oder Vorstand. Recht selten kommt es vor, dass die Car Policy allen Mitarbeitern den Zugriff auf den SUV erlaubt, dann meist gekoppelt mit einer speziellen Zuzahlungs-Regelung. Bei der TUI beispielsweise wird diese Gruppe von Fahrzeugen als durchaus passend zum Image eines Reisekonzerns empfunden.

Darüber hinaus kommt schon auch der zweckgebundene Einsatz von SUV vor. So meldete DeTeFleetServices die ausschließliche Verwendung von SUV im betrieblichen Bereich bei speziellen Anforderungen wie etwa der Wartung entlegener Antennen-Standorte im Gebirge.

3. Aus welchen Motiven heraus wählt dieser Kreis der Firmenwagenfahrer den SUV aus?

Die Motive der Mitarbeiter für die Bestellung eines SUV sind ebenfalls vielschichtig und wesentlich persönliche. Statusgedanken spiele eine Rolle, Gewohnheiten und in Einzelfällen auch Hobbies (Hans-Joachim Schwandt für TUI: „Einzelne Personen sind Jäger.“). Gelegentlich wird die praktische Sitzhöhe im SUV ins Feld geführt oder das gute Kosten-/ Nutzwert-Verhältnis in Verbindung mit einer internen Zuzahlungsregelung.

4. Gilt in Ihrem Unternehmen der SUV auch als Alternative zum herkömmlichen Kombi, oder stellt sich die Frage so nicht?

Unsisono wird das SUV noch nicht als Alternative zur klassischen Kombi- Limousine gesehen.

5. Erfahren Sie von Ihren Firmenwagenfahrern etwas darüber, dass sie ihren SUV gelegentlich auch im Gelände bewegen?

Dass die Dienstwagennutzer SUV auch im Gelände einsetzen, ist so gut wie nicht bekannt. Seitens der Arcandor AG wird speziell darauf verwiesen, dass es sich für das Unternehmen gerade auch wegen der Geländegängigkeit verbieten würde, solche Modelle in die Dienstwagenordnung aufzunehmen, weil durch Geländeeinsätze der Fahrzeuge Folgekosten für das Unternehmen vorprogrammiert seien.

Die Antworten zeigen allerdings auch, dass diese Fahrzeugkategorie im Firmenkundengeschäft noch stark polarisiert. Es gibt etliche Car Policies, in denen SUV ausdrücklich ausgeschlossen sind. „Das deckt sich auch mit meiner persönlichen Auffassung,“ erklärt beispielsweise Michael König, Fuhrparkmanager bei Sharp Electronics, „dass solche Fahrzeuge neben dem erhöhten Gefährdungspotenzial gegenüber Fußgängern und Radfahrern im Vergleich zu Limousinen und Kombis auch noch unökonomisch und unökologisch sind.“

„Bei uns stehen die SUV in der Kritik“, pflichtet Christian Scholz für Kloepferholz bei. „Durch das höhere Gewicht und den höheren Luftwiderstand haben die SUV einen höheren Verbrauch als Limousinen und Kombis mit vergleichbaren Fahrleistungen. Daher sind in unserem Fuhrpark SUV bis auf weiteres nicht vorgesehen.“