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Die Resonanz war schon sehr beachtlich, das Thema zieht jetzt offensichtlich auch bei den Flottenbetreibern. Gunter Glück, Geschäftsleitungsmitglied Kundenbetreuung bei der Lease- Plan Deutschland GmbH in Neuss, konnte zur Veranstaltung „Umweltinitiativen im Fuhrpark“ am 6. November in Hannover über 100 Gäste begrüßen: „Wir können nicht ohne Stolz darauf verweisen, dass hier heute mit rund 25.000 Einheiten ein Drittel der bei uns betreuten Fahrzeuge vertreten ist. Wir reden zwar nicht in der großen Politik mit, wir sind kein Mineralölkonzern und auch kein Fahrzeughersteller, aber wir haben in Deutschland 75.000 Fahrzeuge auf der Straße und sehen uns damit im Hinblick auf das Thema einfach in der sozialen Verantwortung.“

Das war die Überleitung zum ersten Gastbeitrag, in dem Professor Wolfgang Seiler vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen ein Szenario des Klimawandels zeichnete, das die von den Medien publizierten Aussichten in der wissenschaftlichen Tiefe seiner Darstellung eher noch dramatisierte. „Wir müssen uns einfach einmal klar vor Augen halten, dass ein Leben auf der Erde ohne eine Atmosphäre in ihrer gegenwärtigen chemischen Zusammensetzung gar nicht möglich wäre“, führte Seiler in das Thema ein. „Wir sind schon mit der Hypothek belastet, dass die Erdbevölkerung in den nächsten 50 Jahren noch um rund drei Milliarden Menschen wachsen wird und dass damit allein schon die landwirtschaftlichen Emissionen auf ungeahnte Werte klettern werden.“

Der Meeresspiegel steige gegenwärtig doppelt so schnell wie noch vor Jahren angenommen, durch die stetig steigenden Temperaturen gelange immer mehr Wasserdampf in die Atmosphäre, was wiederum die Intensität der Niederschläge stark erhöhe. Auch über Deutschland seien schon erste Tornados mit Todesfällen hinweggefegt. „Die Anzahl der Natur-Katastrophen mit erheblichen volkswirtschaftlichen Schäden hat sich von nahe Null in 1900 auf sage und schreibe 550 in 2000 erhöht“, warnte Seiler. „Etwa 70 Prozent der Klimaveränderung gehen eindeutig zu Lasten der CO2-Emissionen, die zwischen 1850 und heute um durchschnittlich 1,7 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Bis 2030, das werden die meisten von uns noch erleben, ist mit einem weiteren Gesamtwachstum der CO2-Emissionen um 55 Prozent gegenüber 2004 zu rechnen.“

Das allein zeige auf, dass „unmittelbar, heute, jetzt“ gegengesteuert werden müsse. Der wichtigste Ansatz zur Lösung des Problems sei die effiziente Energieeinsparung, wo immer es gehe. Mit 29 Prozent nehme der Verkehr einen relativ hohen Anteil am Energieverbrauch ein und müsse damit auch ausdrücklich im Fokus der Gegenmaßnahmen stehen. „Hier müssen wir auch zahlreiche Pilotprojekte schaffen,“ forderte Seiler, „um noch mehr Aufmerksamkeit für das Thema zu fördern.“

In einem Nebenraum des Konferenzsaals im Hannoveraner Copthorne-Hotel hatte Lease Plan eine kleinere Ausstellung zum Thema organisiert, in deren Zentrum der AKASOL e.V. der Technischen Universität Darmstadt mit „OSCAR“ ein emissionsfreies, sogenanntes „1-Liter-Auto“ präsentierte. „Wir müssen einfach begreifen,“ motivierte Diplom-Ingenieur Felix von Borck das Konzept seines Elektrofahrzeugs, „dass wir nicht zwangsläufig auf eine Katastrophe zusteuern und uns in den Weinkeller zurückziehen müssten, um das Böse zu erwarten. Denn wir können etwas tun.“

So lange Erdöl und Gas in ausreichenden Mengen zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stünden, würde weiter mit Otto- und Dieselmotoren experimentiert. Was aber käme danach? „Auch im Hinblick auf den nebenan stehenden Hybrid- Prius ist es ja wohl das bestgehütete Toyota- Geheimnis,“ pointierte von Borck, „dass auch er am Ende eines Tages an die Tankstelle muss. Auch finden Sie heute keinen Fahrzeughersteller mehr, der Ihnen sagt, dass wir in Zukunft wirklich Brennstoffzelle fahren werden. Damit ist jetzt sogar in den Entwicklungsabteilungen von Mercedes und Volkswagen auch wieder der Elektroantrieb im Kommen.“

Von Borck skizzierte die wichtigsten technischen Daten von „OSCAR“: 2,50 Meter lang, 1,10 Meter breit und 1,55 Meter hoch, Platz für zwei große Erwachsene und „Querparken erlaubt“. Die Höchstgeschwindigkeit liege immerhin bei 130 km/h und der Verbrauch ab Steckdose bei 6 kwh/100 km. „Die Reichweite unseres Prototypen können wir schon mit 100 bis 300 Kilometern angeben“, unterstrich von Borck. „Das ist schon weit genug für jeden Tag, denn wir haben festgestellt, dass 90 Prozent aller Tagesfahrten unter 90 Kilometern liegen und wiederum 90 Prozent aller Einzelfahrten über eine Strecke von weniger als 9 Kilometern gehen.“

Im Anschluss referierte Dipom-Ingenieur Otto Berthold seitens des „Initiativkreis Erdgas als Kraftstoff“ (IEK) als Zusammenschluss regionaler Erdgasversorger über „Neue Entwicklungen bei Erdgasfahrzeugen“. Derzeit gäbe es in Deutschland bereits 800 öffentlich zugängliche Erdgastankstellen, weitere 166 Erdgas-Autobahntankstellen seien fest vereinbart, das Ziel von rund 1.000 Stationen in Deutschland 2008 sei „realistisch und erreichbar“. „Darüber hinaus“, so Berthold weiter, „starten wir im nächsten Jahr in Berlin in Kooperation mit einem kanadischen Hersteller ein Pilotprojekt Erdgasbetankung zu Hause. Lediglich in punkto einheitliche Tankkarten-Regelung für Erdgas- Kraftstoff ist gegenwärtig noch keine befriedigende Lösung gefunden.“

Berthold verwies auch noch einmal auf weitere neue Erdgasfahrzeuge im kommenden Jahr: den Audi A4, die Mercedes B-Klasse, den Opel Corsa und den VW Passat. „Im übrigen möchte ich noch einmal betonen, dass wir seitens des IEK jede Anschaffung eines Erdgasfahrzeuges in größeren Flotten mit 333 Euro bezuschussen, unabhängig von weiteren Zuschüssen durch lokale Gasversorger.“

Für die Toyota Deutschland GmbH in Köln erklärte Tim Fronzek, Advisor Advanced Technologies, den Prius und die Perspektiven mit Hybrid-Technologie, auch in der Modellpalette. „Wenn schon 2013 eine Euro 6-Norm kommt, wird die Lage in punkto CO2-Emissionen erst richtig knifflig“, so Fronzek, „das wird dann mit herkömmlicher Antriebs-Technologie deutlich schwieriger zu meistern sein. Wenn die Obergrenzen für den durchschnittlichen CO2- Ausstoß einer Modellpalette auf unter 200g/km sinken und etliche Großstädte zeitweise Fahrverbote aussprechen, verschärft sich die Situation noch einmal.“

In den USA wäre ermittelt worden, dass bereits 50 Prozent des Verkehrs auf Städte entfielen, in Europa liefe der Verkehr schon zu 10 Prozent im Stau ab. Vor diesem Hintergrund hätte Toyota seit 1997 weltweit rund 430.000 Toyota Prius produzieren können. „Uns liegen auch schon erste Erfahrungswerte mit dem Toyota Prius im Taxibetrieb in Berlin vor“, ergänzte Fronzek. „Danach liegen die Durchschnittsverbräuche zwischen 4,7 und 5,9 Litern auf 100 Kilometern und die Gesamtbetriebskosten zwischen 15 und 17 Prozent unter denen eines vergleichbaren Dieselfahrzeugs, und das bei Gesamtlaufleistungen jenseits von 300.000 Kilometern. Wir denken, dass der Markt für das Thema Hybrid jetzt hinreichend sensibilisiert ist, wir rechnen mit der Einführung eines Toyota-Kombis oder –Vans mit Hybrid in 2009.“

Christa Gniza und Michael Salmikeit, Fleetmanager bei der DuPont Deutschland GmbH in Wuppertal mit 820 Außendienstfahrzeugen, 70 Transportern und 50 Sonderfahrzeugen, steuerten dann einen ersten Praxisbericht zum Thema Alternative Antriebe bei. Im Rahmen des „Programms 2015“ will das Unternehmen ab sofort alle Produkte konsequent fördern, die die CO2- Emissionen „eklatant“ reduzieren. Soweit es den Fuhrpark betrifft, ist die Car Policy bereits entsprechend abgeändert, unter anderem sind künftig selbst für die Geschäftsleitung Oberklasse- Fahrzeuge und SUV ausdrücklich ausgeschlossen.

Damit die in aller Regel noch etwas teureren umweltfreundlichen Fahrzeuge besser ins Budget passen, sind die Referenzraten um fünf Prozent angehoben worden. Nach umfangreichen Tests mit den unterschiedlichen Konzepten lautet das vorläufige Ergebnis: Der Hybrid habe sich bei jährlichen Laufleistungen von durchschnittlich 45.000 Kilometern in diesem Unternehmen nicht bewähren können, aber Erdgasfahrzeuge würden bedingt jetzt dort eingesetzt, wo das Tankstellennetz zufriedenstellend sei.

Und am Ende des Tages konnte auch Gunter Glück seitens LeasePlan noch eine deutlichere Bewegung melden: „Ich erfahre soeben, dass IBM beschlossen hat, 4.000 Fahrzeuge CO2-neutral stellen zu wollen.“