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Viele Fuhrparkmanager großer Fahrzeugflotten tun sich offenbar immer noch nicht so leicht, alternative Antriebe fester ins Auge zu fassen, selbst dann nicht, wenn ein erhebliches Einspar-Potenzial bei den Treibstoffkosten gegenwärtig einen besonderen Charme versprühen mag. Das liegt auch daran, dass in solchen Fuhrpark-Dimensionen in der Regel die Optimierungspotenziale nach den Richtlinien der jeweils gültigen Car Policy weitestgehend ausgeschöpft scheinen. „Was bringt was?“ kann auf Basis eines gehörigen Erfahrungsschatzes wie aus der Pistole geschossen beantwortet werden. Die Experimentierfreudigkeit routinierter Fuhrparkmanager hält sich in Grenzen, Unwägbarkeiten sind einfach nicht angesagt.

Andererseits wird in diesem Kreis stets erwartet, dass der betreuende Fuhrparkmanagement-Dienstleister vorausdenkt und auch über Lösungen für mögliche Anforderungen von morgen zeitig informiert. So fand die Einladung der Sixt Leasing AG zum „Arbeitskreis Alternative Antriebe“ dann doch reges Interesse im Kundenkreis. Ein Dutzend Fuhrparkmanager stellte sich der Diskussion in Pullach und konnte vor Ort gleichzeitig die willkommene Gelegenheit zu Testfahrten mit Erdgas- und Hybrid- Fahrzeugen ergreifen.

Eingangs präsentierte Thomas Schiller, Spezialist für alternative Antriebsarten bei der Sixt Leasing AG, in einem prägnanten Vortrag den aktuellen Stand und die mittelfristigen Perspektiven diverser alternativer Antriebe. Naturgemäß lag der Akzent auf dem Segment der Erdgasfahrzeuge, hier ist einfach das flottenrelevante Fahrzeugangebot mit Abstand am größten. Einige interessante Kern- Aussagen: Die Neuzulassungen an Erdgasfahrzeugen sind mit 27.175 Einheiten in 2005 um rund 42 Prozent gegenüber 2004 gestiegen. Das Erdgastankstellennetz ist mit derzeit bundesweit 687 Stationen dreieinhalb mal so dicht wie noch im Jahr 2000. Schließlich kann die Sixt Leasing AG beispielsweise die Full Service-Leasingrate für einen VW Touran Ecofuel bereits rund 20 Euro monatlich unter der eines VW Touran 1,9 TDI kalkulieren (bei 36 Monaten Laufzeit und 30.000 Kilometern jährlicher Laufleistung). Dabei stuft sie die Restwerte für Erdgasfahrzeuge schon zwischen Dieselfahrzeugen und Benzinern ein – Fortschritte, die einfach zu registrieren sind. Andere Antriebsformen können in diesem Kreis offenbar noch nicht intensiv thematisiert werden. Ein Teilnehmer beklagte, dass auf jeder großen Messe die alternativen Antriebe propagiert würden, ihm fehle allerdings noch, in welche Richtung sich das Ganze bewege. Beim Hybrid-Fahrzeug, brachte ein anderer Fuhrparkmanager die Sache auf den Punkt, seien die prognostizierten Verbrauchsvorteile beim Überland-Verkehr mit deutlich weniger Motorabschaltungen einfach nicht zu realisieren.

Und die Erdgasfahrzeuge? Verschiedene Diskussionsteilnehmer verwiesen darauf, dass die Palette der gegenwärtig angebotenen kaum deckungsgleich mit den Anforderungen für einen Motivations- Fuhrpark sei. Erdgasfahrzeuge könnten also von vornherein nur in den Teilbereichen des Fuhrparks zum Einsatz kommen, wo ausschließlich die Firma bestimme, was gefahren würde, beispielsweise in der Service-Techniker-Flotte. Aber selbst dann sei immer noch die Hürde zu nehmen, die Akzeptanz bei den Dienstwagen-Nutzern zu erreichen, es müssten Anreize für Service-Techniker geschaffen werden, auf Erdgasfahrzeuge umzusteigen.

„Gerade aber auch in diesen Flotten“, unterstrich ein Fuhrpark-Manager, „wird knallhart das wirtschaftlichste Fahrzeug gefahren und Schluss.“ Unter Berücksichtigung aller Parameter fahre das Erdgasfahrzeug nicht wirklich einen wirtschaftlichen Vorteil ein. „Wenn bei uns beispielsweise ein Service-Techniker eine halbe Stunde länger nach einer Erdgastankstelle suchen muss, um den Treibstoffkosten- Vorteil zu wahren, geht das von seiner Arbeitszeit ab, und ich bekomme die halbe Stunde belastet.“ Es wurde aber auch sehr deutlich, dass die Fuhrpark- Manager mit sich reden lassen, eine gewisse Aufgeschlossenheit war durchaus feststellbar. „Zu sagen, wir machen gar nichts,“ betonte ein Einkaufsleiter, „wäre sicher der falsche Weg. Jeder sollte einfach einmal unvoreingenommen prüfen, in welchen Fuhrparkbereichen es denn schon machbar wäre.“ So konnte auch Matthias Rotzek, Vorstand der Sixt Leasing AG, das Fazit ziehen: „Von allen alternativen Antriebskonzepten sind Erdgasfahrzeuge auf Grund der fortschrittlichen Technik und der Marktreife offensichtlich die favorisierte Lösung. Ihr Einsatz im Fuhrpark aber muss wirtschaftlich gerechtfertigt und auch zu händeln sein.“

Noch am selben Nachmittag übrigens bestellte der Flottenmanager eines Technologie-Konzerns 50 VW Touran Ecofuel. Er will es versuchen.