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Regal- und Werkstatteinrichtungen in Fahrzeugen dienen letztlich der Zeitersparnis bei der von den Mitarbeitern zu erbringenden Dienstleistung. Es geht darum, wie gut sich der Transporterfahrer in Ausübung seines Zulieferer- oder Service- Jobs dort bewegen kann, wie leicht er alles auf Anhieb findet, wie durchdacht die Ergonomie der Fahrzeugeinrichtung im Laderaum und wie logisch die Anordnung seiner Ausrüstung aufgebaut ist. „Hier müssen wir uns immer auch mit gewissen Kompromissen zufrieden geben“, sagt Heinz Schmitz, Leiter der Außenstelle Koblenz des Technischen Services bei der Deutschen Post und zuständig für die Flächen-Instandhaltung der Post. „Der Transporterfahrer wünscht sich natürlich in letzter Konsequenz immer noch etwas mehr Raum, aber die Fahrzeuge müssen schließlich auch überall zu parken sein.“

Zur Zeit laufen bei der DP Technischer Service GmbH rund 900 Fahrzeuge, rund 800 davon mit speziellen Einrichtungen im Laderaum. „Der Technische Kundendienst hat seine Anforderungen an uns herangetragen“, skizziert Walter Müller, Fleet Manager bei der Deutsche Post Fleet GmbH, die als umfassender Mobilitätsdienstleister die zur Zeit rund 56.500 Fahrzeuge des Konzerns in Deutschland betreut. „Unter anderem mussten Regaleinrichtungen, Schraubstöcke, Leuchtstoff-röhren und Leitern untergebracht werden. So haben wir in den Jahren 1993/94 einen ersten Wettbewerb durchgeführt und dabei eine funktionale und wirtschaftliche Bewertung der angebotenen Inneneinrichtungen vorgenommen.“

Die Ausschreibung gewann die im schwäbischen  Gaildorf beheimatete Wilhelm Bott GmbH & Co. KG, spezialisiert auf  Produktentwicklungen in den Bereichen Betriebseinrichtungen, Arbeitsplatzsysteme und Einrichtungslösungen vom Pkw bis hin zum Lkw. bott hat sich seit der Gründung im Jahr 1930 kontinuierlich in diesem Metier zu einem Global Player mit heute weltweit 800 Mitarbeitern, drei Produktionsstandorten in Deutschland, England und Ungarn sowie zahlreichen Beteiligungsgesellschaften, Lizenzpartnern und Importeuren entwickelt. Hier sind die Dinge stetig im Fluss, wobei nicht selten auch die Sonderlösungen für Großkundenprojekte anschließend in das Standardprogramm übernommen werden.

„So haben wir beispielsweise für die neuen VW T5-Fahrzeuge die Schränke anders angeordnet, um die Bedienbarkeit noch ergonomischer zu gestalten“, berichtet Frank Pohlmann, Gebietsleiter Automotive bei bott und Betreuer der Deutschen Post. „Damit haben wir eine bessere Ausnutzung des Ladevolu-mens erzielt und stellen die Innovation sofort den Bestandskunden und potenziellen Nutzern vor. Es gibt hier keine Statik, der Bedarf kann sich ständig ändern. Wenn beispielsweise die Mitnahme eines  Fahrrads oder Motorrollers gefordert ist, müssen wir auch das in unseren Konzepten umsetzen.“ Ein Beispiel aus der Praxis ergänzt Heinz Schmitz: „Unsere Fahrzeuge wurden lange Zeit ohne Belüftungen geliefert. Diese wurde jetzt vorschriftsmäßig ergänzt, und so können wir gefahrlos Gasflaschen mitführen, um auch Schweißarbeiten erledigen zu können.“

bott kann unter anderem auf eine ausgetüftelte Produkt-Palette im standardisierten Vario-Regal- und Schranksystem für Fahrzeuge zurückgreifen. Der entsprechende Katalog ist bereits 70 Seiten stark und umfasst wesentlich Einrichtungen für Kombi-Limousinen, Vans, Klein-transporter und 2,8-3,5-Tonner. Alle Grundelemente (Schränke, Seitenteile, Unterbauten) sind mit einem Multi-Funktions-Raster (MFR) ausgestattet, was erlaubt, alle Funktionsteile wie Schubladen, Wannen, Fachböden oder Koffer- Spannset frei miteinander zu kombinieren. Zusätzlich bietet das Profilierte Multifunktions-Seitenteil (PMS) die Aufnahme aller dieser Funktionsteile. Bei professioneller Planung stellt der Hersteller eine Erhöhung des Netto-Nutzvolumens von etwa 20 Prozent in Aussicht. Eine spezielle Lösung für Transporter stellt auch das Unterflur- Modul dar, welches einen doppelten Boden mit drei Schubladen und ein Nutzvolumen von je 53 Litern beinhaltet. Damit bleibt die gesamte Ladefläche zur freien Verfügung, wenn sich auch die Stehhöhe im Transporter etwas reduziert.

Im Sommer 2005 präsentierte bott Fahrzeugeinrichtungen mit einem um 35 Prozent reduzierten Gewicht. Die Einsparung wurde durch einen Materialwechsel von Stahlblech hin zu dem wesentlich leichteren, eloxierten Aluminium erreicht. Nach Herstellerangaben ist eloxiertes Aluminium gegenüber Aluminium natur und Stahl unempfindlich gegen Schmutz und besitzt eine härtere Oberfläche. „Dank der Gewichtsreduzierung“, fasst Frank Pohlmann zusammen, „verzeichnen unsere Kunden einen wesentlich geringeren Kraftstoffverbrauch bzw. haben die Möglichkeit, zusätzlich mehrere Kilogramm an Ausrüstung und Werkzeugen hinzuzuladen.“

Diese Tatsache hilft natürlich auch einem Konzern wie der Deutschen Post weiter, da hierdurch auch die Flexibilität in der Beladung unterstützt wird. „Obwohl die neueren Materialien in der Theorie auch die Möglichkeit einer Weiternutzung nach Ende der wirtschaftlichen Nutzung eines Fahrzeuges möglich macht, stellt sich diese Frage einer Weiternutzung der Einbauten am Ende der Nutzungszeit des Fahrzeuges für uns nicht“, erläutert Walter Müller. „Nach acht Jahren Einsatz sind auch die Einbauten nicht mehr in einem Zustand, der eine Umrüstung in ein neues Fahrzeug wirtschaftlich sinnvoll erscheinen lässt. Darüber hinaus haben sich die Fahrzeuge durch Modellwechsel in der Regel auch hinsichtlich der Geometrie des Laderaumes meist so verändert, dass ein Eins-zu-Eins-Umsetzen ohnehin nicht möglich ist. Daher mustern wir die Fahrzeuge mit Einbauten aus und vermarkten sie komplett.“

Seit 1991 befasst sich bott auch intensiv mit der Unfall- Sicherheit, seither sind weit über 20 Crash-Tests, teilweise in Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie und dem TÜV, gefahren worden. Inzwischen werden sämtliche Einrichtungs- und Beladungssysteme sogar den strengen und anspruchsvollen Richtlinien der ECE-R 17/07-Prüfnorm gerecht. Bei der Deutschen Post beispielsweise werden die Papier-Zustellfahrzeuge mit rutschfesten Einrichtungen wie etwa Regalen mit Anti-Slip-Belag genutzt. Im Dezember 2005 engagierte sich bott in punkto aktive Ladungssicherung verstärkt bei der Präsentation eines entsprechenden Aktionsfahrzeuges der Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik (BGFE). In einer Entwicklungshalle in Gaildorf wurden die verschiedenen Möglichkeiten einer sicheren Verladung durchgespielt, eine verbesserte Verladestruktur entwickelt und eine Aufbau- und Verladeanleitung verfasst. „So ist es letztlich im Hinblick auf einen Unfall beispielsweise auch wichtig,“ verdeutlicht Frank Pohlmann, „dass sich die Fahrzeugeinrichtung verformt, um dadurch auch Kräfte aufzunehmen und Energie abzufangen.“