Der Ausbau der Ladeinfrastruktur schreitet zügig voran, getrieben durch die steigende Anzahl zugelassener E-Autos. Im urbanen Bereich zeigt sich dabei immer deutlicher der Bedarf für Schnelllademöglichkeiten, die bisher vor allem an Fernstraßen zu finden sind, damit diejenigen, die weder zuhause noch am Arbeitsplatz laden können, eine alltagstaugliche Lösung haben. Es werden schnell „Charge Hubs“ entstehen, an denen innerhalb kurzer Zeit – laut Umfragen sind 30 Minuten akzeptabel – 80% Ladung erreicht werden, was für den Alltag völlig reicht. Beispielsweise in Berlin gibt es schon erste solche Projekte. Parallel dazu werden immer mehr Arbeitgeber Ladelösungen für Mitarbeiter vor Ort anbieten. Hierbei unterstützt auch die aktuelle KfW-Förderung für nicht-öffentliche Ladepunkte. 

 

Damit E-Mobilität noch umweltfreundlicher wird, sollte der benötigte Strom nachhaltig und grün erzeugt werden. Da die Produktion von erneuerbarer Energie aber Schwankungen unterliegt – Wind- und Sonnenenergie sind eben wetterabhängig – sind Zwischenspeicher nötig. So kann die Energie in Zeiten der Überproduktion entweder in Batteriespeichern direkt zwischengelagert oder mithilfe eines Elektrolyseurs in grünen Wasserstoff umgewandelt werden, welcher sich später einfach wieder in Strom umwandeln lässt. In den nächsten Jahren werden etliche Tankstellen, wie wir sie kennen, aus dem Alltagsbild verschwinden und sich in öffentliche Lade-Hubs mit Speichern verwandeln. 

 

Mehr intelligente Software zur Steuerung des Energiebedarfs – auch durch Netzbetreiber

 

Auch das Stromnetz wird einige Erneuerungen und Erweiterungen benötigen, um dem steigenden Energiebedarf gerecht zu werden. Dazu ist es essenziell, den Bedarf detailliert zu kennen und ihn steuern zu können. Daher wird die in die Ladeinfrastruktur integrierte Software immer wichtiger, da sie einerseits den Bedarf ermittelt und andererseits die Ladelast verwaltet. Aus diesem Grund gibt es bereits seit Juli 2021 eine Richtlinie, die Steuerungsmodule auf Ladestationen verpflichtend vorschreiben. So soll garantiert werden, dass Netzbetreiber im Notfall die Energieversorgung regulieren können, um Überlastungen zu vermeiden. 

 

Dies betrifft nicht nur die bereits erwähnten Charge Hubs, auch für Heimanlagen ist eine Software, die eine Steuerung des Stromverbrauchs durch den Netzbetreiber ermöglicht, notwendig. Immerhin wird die private Ladestation leicht zu einem der größten Stromverbraucher im Haushalt und bedarf deshalb einer Kontrollmöglichkeit. Mehr Digitalisierung und mehr Software erfordern allerdings auch mehr Sicherheit. Deshalb sollte bei der Wahl einer Ladelösung darauf geachtet werden, dass diese nach entsprechend hohen Standards steuerbar ist. 

 

Mehr Elektro-Fahrzeuge bei Versorgungsbetrieben und auf der „letzten Meile“ 

Ein weiterer Bereich, in dem sich viel tut, ist die städtische Logistik. In diesem Bereich mit relativ kurzen Strecken wird dieses Jahr einen deutlichen Anstieg von E-Fahrzeugen geben, auf der Langstrecke wird es länger dauern da dort andere Herausforderungen zu bewältigen sind. Transportunternehmen sind dabei, für die „letzte Meile“ auf Stromer umzustellen, Müllabfuhren, Stadtwerke und Verkehrsunternehmen testen verschiedene E-Fahrzeuge. So weist die deutsche Post DHL den europaweit höchsten Wert an Stromern in ihrer Flotte auf und ist Teil der EV100-Initiative, in welcher sich weltweit Unternehmen zusammengeschlossen haben, um die Elektrifizierung ihrer Transportfahrzeuge gemeinsam voranzutreiben. Für Städte bedeutet dies viele Vorteile: weniger Lärm, weniger Feinstaub und Abgase. Ein großes Plus für die urbane Lebensqualität. Und die vielen Pilotprojekte zeigen, dass das alles längst im Bereich des Möglichen ist. 

 

Es muss zwar noch vieles auf dem Weg zu einem emissionsfreien Verkehrswesen unternommen werden: Software, Speichermöglichkeiten, der Aufbau von Ladeinfrastruktur und die flächendeckende Verfügbarkeit von grüner Energie, damit nachhaltig auch wirklich nachhaltig ist. Aber der Wandel geht stetig voran und Innovationen in vielen Bereichen werden es immer leichter machen, auf Elektrofahrzeuge zu setzen.