„In Teilen von Uttar Pradesh erschweren regelmäßig stundenlange Stromausfälle den Anwohnern das Leben“, sagt der 30-jährige Co-Gründer von Nunam, Prodip Chatterjee. Bei einem Familienbesuch entwickelte er die Idee, die Stromversorgung mit mobilen 2nd-Life-Energiespeichern zu ergänzen, damit wichtige Alltagsgegenstände wie Lampen weiterhin funktionieren. In der ländlichen Gegend sind Geschäfte abends lange geöffnet – ohne Licht fehlt vielen Gewerbetreibenden die Einnahmequelle. Die Audi Stiftung für Umwelt förderte bereits den ersten Teil der Pilotphase des Projekts, in der Zellen aus alten Laptop-Akkus zu mobilen Speichern für Niedrigstromverbraucher wie Lampen oder Smartphones umgebaut wurden. In der zweiten Projektphase erweitert das elfköpfige lokale Nunam-Team die Anwendungsmöglichkeiten und setzt zwei wesentlich leistungsstärkere Batteriemodule aus Audi e-tron Erprobungsfahrzeugen ein. „2nd-life-Anwendungsfälle bergen immense Chancen für mehr Nachhaltigkeit, insbesondere, wenn sie mit Grünstrom betrieben werden. Wir verhindern eine vorzeitige Verwertung intakter Batteriemodule und können Menschen günstig Zugang zu Strom sichern. Unsere Vision ist es, solche Batteriespeicher als Backup-Lösungen zu etablieren“, sagt Prodip Chatterjee.

Im Fokus der Testphase: Leistung, Lebensdauer und Performance

Batterien von Elektroautos werden nach ihrer Nutzungsdauer im Fahrzeug voraussichtlich noch über einen großen Teil ihrer Leistungsfähigkeit verfügen. Die einzelnen Batteriemodule werden zunächst auf ihren technischen Zustand hinsichtlich Kapazität, Spannungskurve und Temperaturverteilung überprüft. Überträgt man die Erfahrungen der Laptop-Akkus auf diese Batteriezellen, kommen Module mit einer verbleibenden Kapazität von mindestens zwei Dritteln für einen 2nd life-Einsatz infrage, sofern weitere Anforderungen an Qualität und Sicherheit erfüllt sind. Er ist derzeit in einem Solar-Nano Grid bei einem lokalen Energieversorger im Einsatz. Die Batterien ersetzen in dem Solar-Nano-Grid vier Blei-Säure-Akkus, die wesentlich schneller verschleißen. Der Prototyp ist über eine SIM-Karte mit dem Internet verbunden und sendet regelmäßig Daten, die Nunam auswertet, um Rückschlüsse auf den Lade- und Entlade-Zustand der Batterie zu ziehen. Das gemeinnützige Startup stellt die Daten demnächst online auf einer Open-Source-Plattform zur Verfügung, um das gewonnene Wissen möglichen Nachahmern zur Verfügung zu stellen. Die ersten Ergebnisse des Nano-Grids sind vielversprechend: rund 50 kleine Geschäfte können bei voller Ladung der Batteriemodule bis zu einer Woche lang autark mit Strom für LED-Leuchten versorgt werden.

„Die zunehmende Elektrifizierung der weltweiten Fahrzeugflotte führt dazu, dass wir uns mit möglichen Einsatzzwecken für die E-Auto-Batterien beschäftigen müssen“, sagt Rüdiger Recknagel, Geschäftsführer der Audi Stiftung für Umwelt. „Wir wollen mit der Förderung von Nunam ein Zeichen setzen. Einmal geht es uns darum, zu beweisen, dass moderne Technologie nachhaltig sein kann, wenn man bereits bei der Entwicklung nicht nur an ihren ersten Einsatzzweck, sondern auch an den zweiten oder sogar dritten denkt. Und wir wollen insbesondere junge Forscher unterstützen, die nicht auf dieselben Mittel zurückgreifen können wie etablierte Unternehmen. Umweltbildung und Forschergeist sind essentiell für eine lebenswerte Zukunft.“