Die Stadt von Morgen ist grün und lebenswert. Die Wege sind kurz. Die Menschen sind umweltschonend mobil. Lärm und Abgase sind deutlich reduziert. Doch wie kann diese Vision in deutschen Städten Wirklichkeit werden? Welche Maßnahmen sind geeignet, um nachhaltige Mobilität zu erreichen? Und auf welche Faktoren kommt es bei der Umsetzung an? Diesen Fragen ging ein Forschungsprojekt der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland gemeinsam mit Intraplan Consult im Auftrag des Umweltbundesamts nach.

"Ideen, wie sich die Mobilität in deutschen Städten nachhaltig gestalten lässt, gibt es viele. Wichtig ist, dass diese Ideen jetzt möglichst schnell und konsequent umgesetzt werden. Denn nur so können wir dazu beitragen, die ambitionierten Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen", kommentiert Maximilian Rohs, Mobilitätsexperte bei PwC.

Ein wichtiger Pfeiler auf dem Weg zu nachhaltiger Mobilität ist die Stärkung des Umweltverbundes, also der umweltfreundlichen Verkehrsmittel wie Bus und Bahn sowie Rad- und Fußverkehr. Als vielversprechend gelten zudem einschränkende Maßnahmen - etwa die Einführung von Tempo 30 für den Motorisierten Individualverkehr (MIV). Diskutiert werden zudem eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung, die Einführung von Straßennutzungsgebühren und autofreien Innenstädten. Und auch die Nachverdichtung von Städten kann einen positiven Effekt auf eine nachhaltige Mobilität haben, weil dadurch die Anzahl der Pendler:innen aus dem Umland sinkt.

Ausbau von Rad- und Fußgängerwegen bringt besonders viel

Doch wie wirken sich die verschiedenen Maßnahmen einzeln und in Kombination in der Praxis aus? Dieser Frage geht die PwC-Analyse auf den Grund: Dafür haben die Expert:innen vier Großstädte mit mehr als 100.000 Bewohner:innen (Hagen, Magdeburg, München und Saarbrücken) exemplarisch unter die Lupe genommen. Aus diesen Beispielen leiteten sie eine Modellstadt ab. Sie untersuchten, was geschehen würde, wenn die verschiedenen Maßnahmen für nachhaltige Mobilität im Jahr 2030 umgesetzt wären. In der Analyse wurden die Auswirkungen einzelner Maßnahmenpakete zunächst isoliert betrachtet und dann in unterschiedlichen Kombinationen.

Laut Studie haben demnach insbesondere der Ausbau der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur und des öffentlichen Verkehrsangebots großes ökologisches Entlastungspotenzial. Sie tragen besonders stark zur Sicherung einer Mobilität bei, die vom Auto unabhängig ist. Aber auch die Entwicklung autoarmer und autofreier Wohnquartiere und der Einsatz elektrischer und umweltfreundlicher Fahrzeugflotten haben sich in der Analyse als sehr wirksame Maßnahmen herauskristallisiert. Nicht zuletzt sind die Reduzierung und Verlagerung von öffentlichen Parkmöglichkeiten und die Ausweitung von Parkraumbewirtschaftungs- und Bewohnerparkzonen vielversprechende Instrumente.

Anteil des Autoverkehrs sinkt in Szenario von 65 auf 50 Prozent

Die Analyse belegt: Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich der so genannte Modal Split, sprich die Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsträger oder Verkehrsmittel, erheblich beeinflussen. Von den analysierten Maßnahmen profitieren insbesondere der Öffentliche Verkehr und das Fahrrad.

So liegt der Anteil des Motorisierten Individualverkehrs in der Ausgangssituation bei rund 65 Prozent der insgesamt zurückgelegten Personenkilometer. Durch die Kombination verschiedener Maßnahmenpakete ließe er sich auf 50 Prozent begrenzen. Die dafür nötigen Zuwächse im Öffentlichen Verkehr lassen sich jedoch nur erreichen, wenn Städte die öffentliche Verkehrsinfrastruktur - etwa für S- und U-Bahn, Tram und Busverkehre - deutlich ausweiten. "Unsere Studie zeigt, dass der Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots besonders wirksam und damit alternativlos ist, aber eben auch sehr teuer", kommentiert PwC-Experte Maximilian Rohs.

Aus seiner Sicht reicht es jedoch nicht aus, den Öffentlichen Verkehr und das Fahrrad attraktiver zu gestalten: "Es braucht auch Restriktionen im Straßenverkehr. Diese helfen in einem Gesamtpaket mit Angebotsausbau und -verbesserung zur Realisierung einer nachhaltigen Mobilität."

Maßnahmen müssen Hand in Hand gehen

Wichtig ist zudem, dass die Maßnahmen rund um die Verkehrsinfrastruktur Hand in Hand gehen mit Maßnahmen aus anderen Bereichen, etwa der Siedlungsentwicklung, und technologischen Entwicklungen. Darüber hinaus brauche es Anpassungen beim Umgang mit Parkflächen. Dabei können ökonomische und rechtliche Instrumente ebenso hilfreich sein wie technische Möglichkeiten, etwa eine digitale Parkraumüberwachung.

Allen Maßnahmen ist eines gemeinsam: Isoliert betrachtet können sie nur einen begrenzten Beitrag zur Mobilitätswende leisten. "Erst, wenn die Verantwortlichen die einzelnen Maßnahmen zu klar ausgerichteten Roadmaps kombinieren, wird der Wandel im Mobilitätssektor in den kommenden Jahren gelingen", ist Hansjörg Arnold, Partner und Leiter des Bereichs Infrastruktur & Mobilität bei PwC, überzeugt.

Bei der Umsetzung ist Eile geboten

Will Deutschland die gesteckten Klimaziele erreichen, ist bei der Umsetzung jedoch Eile geboten: "Unsere Analyseergebnisse verdeutlichen: Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, Verwaltung und Unternehmen müssen die verschiedenen Maßnahmen nun konsequent vorantreiben, aufeinander abstimmen und erweitern", resümiert Maximilian Rohs. Er empfiehlt den Verantwortlichen, so früh wie möglich mit der Umsetzung zu beginnen und die dafür erforderlichen Kompetenzen und Akteursnetzwerke rasch aufzubauen.

PwC-Experte Hansjörg Arnold zeigt sich optimistisch: "Die Mobilitätwende ist keine Utopie. Durch den Einsatz der richtigen Maßnahmen und Instrumente kann die Mobilität in den Städten nachhaltig verändert werden. Den Kommunen stehen bereits heute eine Vielzahl an Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Wenn sie diese konsequent und kombiniert nutzen, lässt sich der Autoverkehr in den Städten erheblich mindern und die Vision von lebenswerten, nachhaltigen Städten in die Realität umsetzen."

Die Online-Broschüre "Nachhaltige Mobilität in der Stadt für Morgen: Roadmaps 2030/2045 und ihre Wirkungen" richtet sich unter anderem an politisch Verantwortliche, kommunale Verwaltungen, Verkehrsunternehmen sowie Verbände und ist auf www.umweltbundesamt.de zum Download verfügbar.