Diese fünf Haupttrends identifiziert das Arval Mobility Observatory Fuhrpark-Barometer für das Jahr 2020:

#1 Dynamik: Marktgeschehen und kurze Haltedauer der Flottenfahrzeuge sorgen für dynamische Marktbewegungen

Der Firmenwagen ist fester Bestandteil der deutschen Unternehmenskultur. Das zeigt sich insbesondere in der durchschnittlichen Flottengröße: Mit 143 Fahrzeugen liegt diese deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Auffällig ist auch die vergleichsweise kurze Haltedauer für Fahrzeuge. Deutsche Unternehmen ersetzen ein Firmenfahrzeug durchschnittlich alle 4,4 Jahre, etwa ein Jahr früher als der europäische Durchschnitt. Zu den Gründen zählen, neben der starken Entwicklung von Leasing mit Kilometervertrag, die hohen Laufleistungen. Der Kurs steht also auf Wachstum: Nur eines von zehn Unternehmen rechnet innerhalb der kommenden drei Jahre damit, seine Flotte zu reduzieren, wohingegen ein deutlicher Anteil (22 Prozent) einen Ausbau erwartet. 

#2 Alternative Antriebsarten: Unternehmen unterschiedlichster Größe sind alternativen Antrieben gegenüber aufgeschlossen oder planen deren Einsatz

Ausgelöst durch die Dieseldebatte: Das Interesse an alternativen Antriebsarten hält auch im Jahr 2020 an. Die neuen WLTP-Testbedingungen spielen bei dieser Entwicklung nach wie vor eine wichtige Rolle. Ein Fünftel der Unternehmen muss aufgrund des neuen Messverfahrens Veränderungen beim Energiemix vornehmen. Alternative Antriebe haben in Deutschland weiterhin großes Potenzial. Aufgrund der attraktiveren steuerlichen Anreize entscheiden sich Unternehmen vor allem für Plug-in-Hybride oder batterieelektrische Fahrzeuge. „Steuerliche Anreize oder andere Maßnahmen wie Kaufprämien zeigen Wirkung. Im Vergleich zum Vorjahr ist bei den Unternehmen, die PHEV bereits eingeführt haben, oder eine Umsetzung im Laufe der kommenden drei Jahre planen, ein Zuwachs von 11 Prozent zu verzeichnen“, beobachtet Katharina Schmidt, Head of Arval Mobility Observatory (AMO) in Deutschland. Auch im Bereich Ladeinfrastruktur gibt es Fortschritte: Die Hälfte der deutschen Unternehmen ergreift oder plant Maßnahmen für eine Installation von Ladepunkten auf dem Betriebsgelände oder bei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu Hause.“

#3 Alternative Mobilitätslösungen: Unternehmen zeigen grundsätzliche Offenheit gegenüber alternativen Mobilitätslösungen, setzen sie aber nur gemäßigt um

Verzögerungen bei der Fahrzeugauslieferung oder lange Wartezeiten für Plug-in- und Elektrofahrzeuge: Diese Hürde sorgt dafür, dass Unternehmen sich aktiv mit weiteren alternativen Mobilitätsformen auseinandersetzen. Angenommen werden diese allerdings nur spärlich. Nur 53 Prozent der Unternehmen haben alternative Mobilitätslösungen für ihre Mitarbeiter umgesetzt. Sie konzentrieren sich dabei hauptsächlich auf öffentliche Verkehrsmittel (27 Prozent), mittelfristig eingesetzte Mietwagen (21 Prozent) und Fahrgemeinschaften zwischen Mitarbeitern (16 Prozent). Letztere verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von zehn Prozent. Auch Carsharing-Angebote und Mitfahrgelegenheiten werden in Deutschland deutlich weniger genutzt als im übrigen Europa. 

#4 Leasing mit Kilometervertrag: Die Finanzierungslösung ist noch immer maßgebend, insbesondere für große Unternehmen

Leasing mit Kilometervertrag ist noch immer die führende Finanzierungslösung in Deutschland und wird von 47 Prozent aller Unternehmen genutzt, allen voran große Unternehmen. Nicht weniger als 60 Prozent der befragten Unternehmen aus dieser Kategorie nutzen diese Leasingform als Hauptfinanzierungslösung. Im Vergleich dazu wird Finanzleasing seltener gewählt. Lediglich 14 Prozent der befragten Unternehmen greifen auf diese Methode zurück. 

Fokus KMU: Auch kleine und mittelständische Unternehmen spricht Leasing mit Kilometervertrag an. Der persönliche Kontakt (64 Prozent) und die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister (45 Prozent) sind auch im KMU Segment wichtige Prämissen. „Kleine und mittelständische Unternehmen erwarten vor allem bei der Art der Fahrzeuge und der Anpassungsfähigkeit der Flottengröße flexible Lösungen. Sie müssen die Unternehmensentwicklung widerspiegeln“, so Schmidt. 

#5 Telematik: Geringe Akzeptanz und Bedenken beim Datenschutz behindern Entwicklungen in diesem Bereich

Telematiklösungen werden in deutschen Unternehmen noch immer skeptisch betrachtet. Erst ein Viertel der befragten Unternehmen hat solche Lösungen bereits eingeführt. Dieser Wert liegt deutlich unter dem europäischen Mittelwert (33 Prozent). Die Divergenz der Ergebnisse ist auf die geringe Akzeptanz zurückzuführen. Tatsächlich sind mehr als die Hälfte der Unternehmen mit Personenkraftwagen nicht davon überzeugt, dass sich die technologische Investition auszahlen wird. Darüber hinaus ist der Schutz der Privatsphäre ein wichtiges Anliegen: Rund 44 Prozent (gegenüber 32 Prozent in Europa) der Unternehmen haben Bedenken, dass Daten nicht DSGVO-gemäß verwaltet werden können. Nicht weniger gering ist die Sorge, Telematiklösungen seien zu aufdringlich für Fahrer (42 Prozent) oder die Befürchtung, dass Mitarbeiter sie nicht akzeptieren werden. „Telematiklösungen werden nicht von Grund auf abgelehnt. Für eine flächendeckende Einführung müssen jedoch noch erhebliche Hindernisse beseitigt werden“, erläutert Schmidt. 

„Die Corona-Krise lässt sich sicherlich als Katalysator für die Digitalisierung der Fuhrparkverwaltung anführen. Die Entwicklungen der letzten Monate haben deutlich gezeigt, dass digitale Lösungen längst Pflichtprogramm für Flottenmanager und Flottenmanagerinnen geworden sind, um Entlastung bei Verwaltungsprozessen zu erreichen und signifikant Kosten einzusparen. Sie erlauben dezentrales Arbeiten, sodass sich Fuhrparkleitende mit den Fahrern und Fahrerinnen absprechen oder Termine ohne eigenes Zugegensein koordinieren können.“

“Bereits in den letzten beiden Jahren konnten wir Bewegung hin zu diversifizierten Mobilitätslösungen und umweltfreundlicheren Flotten beobachten. Die Arval Mobility Observatory Studie 2020 bestätigt diese Beobachtungen. Der prozentuale Anteil der deutschen Unternehmen, die bereits Elektrofahrzeuge einsetzen, ist immer noch vergleichsweise gering Er wird aber in den nächsten drei Jahren stark ansteigen. Zu einem großen Teil wird diese Entwicklung sicherlich durch die kürzlich von der Bundesregierung angekündigten Post-Covid19-Maßnahmen unterstützt”, kommentiert Schmidt.