Die Rechtsprechung stellt für die Frage der Erschütterung des Anscheinsbeweises durch ein in Status und Gebrauchswert vergleichbares Kfz darauf ab, dass das vergleichbare Fahrzeug ständig und uneingeschränkt für private Fahrten zur Verfügung stehen muss. Der weitere PKW ist jedoch kein Fahrzeug des Privatvermögens, sondern ein betriebliches Fahrzeug, dass nicht vollumfänglich für Privatfahrten zur Verfügung stehen kann, da es auch für den Betrieb des Klägers eingesetzt wird. Allein die Tatsache, dass die private Nutzungsmöglichkeit dieses weiteren PKW steuerrechtlich mit der 1%-Regel bewertet wird, führt insoweit nicht zur Erschütterung des Anscheinsbeweises.

Der Anscheinsbeweis ist erschüttert, wenn der Steuerpflichtige insbesondere mit einer glaubhaften und überzeugenden persönlichen Einlassung einen Sachverhalt dargelegt hat, der die ernsthafte Möglichkeit eines anderen als des der allgemeinen Erfahrung entsprechenden Geschehens eröffnet (hier: keine private Nutzung aufgrund der Größe des Pkw; Einsatz des Pkw arbeitstäglich als Zugmaschine und als Fahrzeug für Mitarbeiter; Ausübung der gewerblichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen nur neben einer in Vollzeit ausgeübten nichtselbständigen Tätigkeit; fehlende Erforderlichkeit eines Pkw für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (geringe Entfernung); nicht jederzeitige Entfernbarkeit der Werbefolie auf dem Pkw).

FG Münster, Urteil vom 16.08.2022, Az. 6 K 2688/19 E