Der seit 2017 erhältliche Stelvio leitet sich ja namentlich vom „Passo dello Stelvio“, den mit 2.757 Metern höchsten italienischen Gebirgspass ab, den wir in Deutschland besser als „Stilfser Joch“ kennen. Das durfte man schon vor drei Jahren durchaus als eine Alfa-Ansage verstehen, denn mit ihrem Mittelklasse-SUV hatten die Italiener von Beginn an große Pläne. Und das Modell läuft auch tatsächlich sehr gut. Seit dem Start von dreieinhalb Jahren ist nun aber nicht nur Zeit ins Land gegangen, es gab auch verschiedene kleinere Veränderungen an Motoren und Ausstattung. Daher war es an der Zeit, sich mal wieder auf die italienische Art des SUV-Fahrens einzulassen. Zur Verfügung gestellt bekamen wir dafür die Version mit dem stärksten Diesel, einem 2,2-Liter mit 154 kW/210 PS, immer verbunden mit Allradantrieb und Achtgang-Automatikgetriebe. Dies muss schon mal gesagt werden: Der Selbstzünder ist unter drei angebotenen Benziner und zwei Dieseln sicher die beste Wahl. Allerdings, und auch dies vorweg, ist der Spaß auch ein teures Vergnügen. Denn der Motor ist nur mit den relativ weit oben in der Preisliste angesiedelten Ausstattungsvarianten Lusso (eher sportlich) und Veloce (eher komfortabel) zu haben. Für beide Modelle ruft Alfa 57.513 Euro auf, der Testwagen kam mit überwiegend sinnvoller Zusatzausstattung sogar auf 66.480 Euro. Und weit und breit ist ja keine Prämie für Dieselfahrzeuge in Sicht.

Sei es drum, der Stelvio überzeugt. Technisch ist er eng verwandt mit der großen Limousine Giulia. In beide hat der Alfa, respektive der Fiat-Konzern, viel Aufwand gesteckt und sie repräsentieren beide technisch zurzeit das das Beste, was die Italiener zu bieten haben.Innen erwartet uns nun im Stelvio ein aufgeräumtes Cockpit mit logisch angeordneten Bedienflächen, Knöpfen und Schaltern. Das ist durchaus erwähnenswert, weil dies bei Modellen von südlich der Alpen lange Zeit durchaus keine Selbstverständlichkeit war. Hier also geht es vorbildlich ordentlich, fast schon „deutsch“ zu. Der Nachteil: Herzrasen verursacht das überwiegend in schwarz gehaltene, aber durch feine Chromumrandungen akzentuierte Cockpit auch nicht gerade.

Das Außendesign macht daher schon mehr an. Geschmackvoll verteilte Karosseriefalten, eine sportlich abfallende Dachlinie und nicht zuletzt das kleine Scudetto (Schildchen) mit dem Alfa-Emblem vorne geben dem SUV einen spezifischen Charakter. Zudem steht der Stelvio mit seinen knappen Karosserieüberhängen schön auf der Straße. Der Nachteil: Der Einstieg in den Fond ist nicht sehr komfortabel. Und überhaupt geht es hinten im Kopfbereich eher eng zu. Zudem wurde die Rückbank zwar theoretisch für drei, tatsächlich aber nur für zwei Menschen ausgelegt. Der für den Allradantrieb notwendige Kardantunnel macht den dritten Sitzplatz zunichte. Dass der Motor hingegen überzeugt, haben wir schon angedeutet. Der 2,2-Liter-Diesel – tatsächlich sind es 2.143 ccm, es ist also eher ein 2,1-Liter – geht von Beginn an kräftig zur Sache. Er entwickelt sein maximales Drehmoment von 470 Newtonmetern bei 1.750 U/min, aber es steht eigentlich auch bei geringeren oder höheren Drehzahlen, zumindest bis 3.000 U/min, immer genug Power zur Verfügung. Der Selbstzünder arbeitet zwar vernehmlich, aber ist dafür überraschend sparsam. Immerhin muss er ein Leergewicht von 1,8 Tonnen bewegen. Unser Praxisverbrauch von knapp über 6 Litern ist daher ganz hervorragend, zumal wir den Alfa nicht in jeder Situation zurückhaltend fuhren, sondern auf der Autobahn auch mal längere Strecken etwas schneller fuhren. Maximal sind 215 km/h möglich, Tempo 100 erreicht der Stelvio auf dem Stand nach 6,6 Sekunden. Gute Werte, aber sie zeigen auch, dass Alfa dieses SUV zum Glück nicht mit Gewalt auf Sportlichkeit getrimmt hat. Die Fahrdynamik-Regelung DNA mit ihren Einstellungen für „Dynamik“, „Normal“ und „Advanced Effiency“ ist aber immer an Bord. Letztere Einstellung soll Sprit sparen, raubt aber zu viel Fahrspaß. Mit „Normal“ fährt man, vielleicht mit Ausnahme sehr schnell gefahrener Autobahnetappen, immer gut.

Die Achtgang-Automatik von ZF erwies sich dabei wenig überraschend als sehr aufmerksam. Die Lenkung ist sehr präzise, aber fast schon ein wenig zu direkt ausgelegt, was sich vor allem auf der Autobahn bemerkbar macht. Insgesamt fährt sich der Stelvio nicht nur handlich, er lässt dank seines sehr guten Fahrwerks auch im Handling kaum Schwächen erkennen. Nur wenn es sehr eng wird, oder man gar wenden muss, offenbart sich ein großer Nachteil des Allradantriebs: Der Wendekreis ist mit 11,75 Metern nicht gerade klein, gefühlt fällt er sogar noch größer aus, was vermutlich am Gegensatz zwischen der Handlichkeit des Alfas im Alltag und seiner Schwerfälligkeit in bestimmten Situationen, wie eben bei einem Wendemanöver, liegt.

Wir hatten den Stelvio einige Jahre links liegen lassen und waren mit dem zeitlichen Abstand insgesamt erstaunt über dessen Fähigkeiten. Es bietet genug Platz für eine Familie und eröffnet einen mit 525 Litern klassenüblich großen Kofferraum. Der Motor erfreut mit Kraft und mehr noch durch Sparsamkeit. Und das gesamte Fahrzeug macht einen hochwertigen Eindruck, ohne die von früher gewohnten Lässigkeiten in der Verarbeitung. Antrieb, Ausstattung und Qualität lässt sich Alfa allerdings auch sehr gut bezahlen. Zum Preis des Testwagens kann man auch ähnlich motorisierte Edel-SUV deutscher Herkunft kaufen, etwa einen Audi Q5 oder BMW X3. Der Stelvio bietet dann aber mehr Ausstattung, immerhin vier Jahre Garantie und dann letztlich doch das Gefühl, ein hierzulande eher noch selten anzutreffendes SUV zu fahren.