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"Flotte! Der Branchentreff" 2019

Starker Kraxler

0 2018-08-06 411

2019 rollt die nächste Generation des Mercedes GLE vor. Und diese ist deutlich verfeinert, unter anderem mit einem völlig neuen Fahrwerk mit 48-Volt-Technik. Preislich startet das SUV bei rund 70.000 Euro.

Private Rennstrecken gibt es viele in den USA. Doch kaum eine ist so vielseitig wie der Barber Motorsports Park bei Birmingham. Denn der Milchmagnat George Barber hat nicht nur eine kleine Kopie des Nürburgrings in die Provinz von Alabama betoniert. Sondern er hat auch Dynamikflächen angelegt, kilometerlange Verbindungsstraßen und einen ziemlich abenteuerlichen Offroad-Parcous. Das kommt Rüdiger Rutz gerade recht. Er leitet die Erprobung des neuen Mercedes GLE und kommt mit seinen Prototypen immer wieder aus dem Werk im benachbarten Tuscaloosa vorbei, um den Geländewagen hier drei Monate vor dem Debüt auf dem Pariser Salon im Oktober auf Herz und Nieren zu testen. Und dafür braucht er mehr denn je sehr unterschiedliches Terrain. Denn was den Enkel der M-Klasse auszeichnen soll, wenn er Anfang 2019 gegen den neuen BMW X5 oder gegen den Audi Q7 antritt, das ist der größere Spagat, den dieses SUV stehen kann. „Besser im Gelände, komfortabler auf dem Highway und dynamischer durch die Kurven“, fasst er die Zielsetzung zusammen.

Dafür hat Mercedes das so genannte ABC-Fahrwerk der S-Klasse noch einmal deutlich weiterentwickelt und um vier leistungsstarke Elektromotoren ergänzt, die aus einem 48-Volt-Bordnetz gespeist werden. Mit ihnen lässt sich die Federung an jedem einzelnen Rad individuell ansteuern. Kombiniert mit einer vorausschauenden Kamera, dem neu entwickelten Allradantrieb mit voll variabler Kraftverteilung und den ESP-Sensoren können so die unterschiedlichen Fahrprofile deutlich weiter gespreizt werden als bisher: Auf dem Highway wird der GLE so zum komfortablen Cruiser, der Bodenwellen einfach wegbügelt und durch die Kurven gleitet wie ein Carver über die Skipiste, ohne dass man drinnen noch eine nennenswerte Seitenneigung spüren würde. Wer es engagierter angeht, spürt eine Härte und Bestimmtheit, wie man sie bislang allenfalls von AMG gekannt hat. Im Gelände fühlt sich der GLE jetzt nicht mehr steif und ungelenk an wie ein Gamsbock im Klettersteig, sondern schleicht geschmeidig wie ein Berglöwe über Hindernisse. Und wer sich in schwierigem Terrain auf der Buckelpiste festgefahren hat oder auf dem Boulevard Eindruck schinden will, der kann mit einem Fingerzeug auf dem großen Touchscreen jedes Rad auch selbst ansteuern und den GLE tanzen lassen wie einen Lowrider.

Zwar ist das e-ABC die größte Innovation der neuen Baureihe. Doch wird man davon nur profitieren, wenn man tief in die Tasche greift. Denn genau wie die dafür notwendige Luftfederung gibt es das innovative Fahrwerk nur gegen Aufpreis. Was dagegen alle genießen, die den Grundpreis von geschätzten 70.000 Euro aufbringen, das sind deutlich bessere Platzverhältnisse und ein gründlich modernisiertes Interieur. Denn während es vorne ein Cinemascope-Cockpit im Stil der neuen A-Klasse samt dem Bediensystem MB UX und der Sprachsteuerung „Hey Mercedes“ gibt, bietet der GLE hinten deutlich mehr Raum. Bei gut zehn Zentimetern mehr Radstand kann man im Fond fast so gut sitzen wie in einer S-Klasse und hat im Kofferraum so viel Platz, dass Mercedes erstmals sogar eine dritte Sitzreihe anbietet.

Unter der Haube wird es dagegen erst einmal nicht so viel Auswahl geben. Denn eingebremst von den aufwändigen Messverfahren der neuen Verbrauchszyklen startet der GLE zunächst mit einem einzigen Motor – dem Reihensechszylinder aus der S-Klasse, der im GLE auf 270 kW/367 PS kommt und trotz des 48-Volt-Bordnetzes auf einen elektrischen Verdichter verzichten muss.

„Natürlich wird es später aber auch einen Sechszylinder-Diesel mit 340 PS geben,“ sagt Rutz. Außerdem stellt er einen Plug-In-Hybriden und einen V8-Motor in Aussicht, den sich natürlich auch AMG vornehmen wird. Darauf freut sich der Entwickler schon ganz besonders. Denn spätestens dann wird er wieder in den Barber Motorsport Park kommen, diesmal auch auf die 3,7 Kilometer lange Rennstrecke gehen – und den Spagat noch ein bisschen weiter spreizen.

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