Auf der Tagesordnung der Hauptversammlung stehen unter anderem Vorratsbeschlüsse zu Kapitalmaßnahmen und Satzungsänderungen. Mit den Änderungen sollen auch künftig unter anderem virtuelle Versammlungen und eine elektronische Teilnahme ermöglicht werden. Mit Beendigung der Hauptversammlung endet die Amtszeit von Dr. Paul Achleitner als Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat schlägt Timotheus Höttges, Vorsitzender des Vorstands Deutsche Telekom AG, Bonn, zur Wahl in den Aufsichtsrat vor.„Die Zukunft von Daimler wird nachhaltig faszinierend, nachhaltig klimaneutral und nicht zuletzt nachhaltig ertragsstark. Angesichts einer sich immer schneller ändernden Welt müssen wir uns in höherem Tempo wandeln. Wir brauchen einen Spurwechsel hin zur Dekarbonisierung. Diese Richtung haben wir eingeschlagen und verfolgen sie mit Nachdruck“, sagt Ola Källenius, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG, in seiner Rede an die Aktionäre.

Stellvertretend für die Zukunft von Mercedes-Benz steht die nächste Generation der S-Klasse, die im Herbst vorgestellt wird. Sie verbindet die beiden strategischen Schwerpunkte Elektrifizierung und Digitalisierung. Die 48 Volt-Technologie ist bei allen Motoren Standard. Die Plug-In-Hybrid-Version setzt bei der elektrischen Reichweite in diesem Segment Maßstäbe. Nach der Markteinführung der S-Klasse folgt im Jahr 2021 mit dem EQS die erste vollelektrische Luxuslimousine von Mercedes-Benz auf einer reinen Elektroarchitektur. Gleichzeitig macht Mercedes-Benz mit neuen und erweiterten Funktionen seines Navigations- und Infotainment-Systems MBUX in der neuen S-Klasse den nächsten großen Schritt in Richtung Digitalisierung, Sicherheit und automatisierte Fahrfunktionen.„Die S-Klasse ist die meistverkaufte Luxuslimousine der Welt. Mit der neuesten Generation wollen wir unseren Kunden Innovation, Sicherheit, Komfort und Qualität bieten wie noch nie zuvor. Wir sind vor allem eine Luxusmarke mit einem großen Wachstumspotenzial insbesondere am oberen Ende der Segmente, in denen wir tätig sind. Entsprechend werden wir unser Markenportfolio gezielt stärken und für eine breitere Käuferschicht attraktiver machen. Wir konzentrieren uns auf die Produktion der begehrenswertesten Autos der Welt. Das ist unser Versprechen und der beste Weg zu profitablerem Wachstum“, sagt Källenius.Aktuelle SituationNachdem die Weltwirtschaft mit positiven Vorzeichen in das Jahr gestartet war, brachten die COVID-19-Pandemie und die ergriffenen Gegenmaßnahmen die wirtschaftlichen Aktivitäten weltweit zeitweise zum Erliegen. Mit Produktionsunterbrechungen im März, April und Mai sowie Kurzarbeit begegnete Daimler proaktiv der Pandemie-bedingt niedrigeren Nachfrage. Gleichzeitig wurden die Ausgaben gedrosselt und die Investitionen konsequent auf Zukunftsprojekte fokussiert. Dies sicherte die Finanzkraft des Unternehmens. Zum Ende des ersten Quartals lag die Nettoliquidität des Industriegeschäfts auf einem robusten Niveau von 9,3 Mrd. €. Darüber hinaus erhöhte Daimler Anfang April die finanzielle Flexibilität mit einer weiteren syndizierten Kreditlinie von zwölf Mrd. € deutlich. „Die eingeleiteten Maßnahmen zielen auf die kurzfristige Bewältigung der Situation und unterstützen gleichzeitig unseren langfristigen Kurs“, sagt Källenius.

Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 0,90 (2018: 3,25) € pro Aktie vor. „Der Dividendenvorschlag berücksichtigt eine sorgfältige und umsichtige Abwägung der Interessen aller Stakeholder, denen das Unternehmen sich verpflichtet sieht, sowie die aktuelle Geschäftslage, insbesondere die Liquidität und die Geschäftsaussichten“, sagt Bischoff. Die vorgeschlagene Ausschüttungssumme beträgt 1,0 (2018: 3,5) Mrd. €.

Im vergangenen Geschäftsjahr ging der Gewinn vor allem durch erhebliche Sonderbelastungen zurück, während der Absatz auf Vorjahresniveau lag. Insgesamt verkaufte Daimler 3,34 (2018: 3,35) Mio. Pkw und Nutzfahrzeuge. Der Umsatz stieg um 3% auf 172,7 (2018: 167,4) Mrd. €. Der Daimler-Konzern erzielte ein EBIT von 4,3 (2018: 11,1) Mrd. €. Das bereinigte EBIT reflektiert das laufende Geschäft und betrug 10,3 Mrd. €. Das Konzernergebnis sank auf 2,7 (2018: 7,6) Mrd. €. Das auf die Aktionäre der Daimler AG entfallende Konzernergebnis betrug 2,4 (2018: 7,2) Mrd. €.

AusblickIn Folge der COVID-19-Pandemie sind in den vergangenen Monaten die weltweiten Fahrzeug-märkte massiv eingebrochen. Im ersten Halbjahr ging der Absatz der Marke Mercedes-Benz um knapp 19% auf rund 870.000 Pkw zurück. „Im zweiten Quartal hat Mercedes-Benz bereits wieder etwas Boden gutgemacht. In China beispielsweise hat Mercedes-Benz beim Absatz das bisher beste zweite Quartal erzielt. Wir sind vorsichtig optimistisch, dass andere Märkte an diese Entwicklung Schritt für Schritt anknüpfen. Sobald die Nachfrage wieder anzieht, können wir die Produktion schnell und effizient wieder erhöhen“, sagt Källenius.

Die Pandemie sowie ein ohnehin schwächeres Marktumfeld führten bei den Lkw in den ersten sechs Monaten 2020 zu einem Absatzminus in Höhe von 38% auf rund 150.000 Fahrzeuge. Betroffen waren vor allem Europa und Nordamerika. Die Auftragseingänge entwickelten sich in den vergangenen Wochen in fast allen Kernmärkten wieder positiv. Bei Daimler Mobility ging das Vertragsvolumen per 30. Juni vorläufigen Zahlen zufolge um 2% auf rund 155 Mrd. € gegenüber Juni 2019 zurück. In China ging es ebenfalls bereits wieder bergauf. Die negativen Effekte des ersten Quartals konnten im zweiten Quartal wieder wettgemacht werden.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie erwartet Daimler für das zweite Quartal ein negatives bereinigtes Konzern-EBIT und einen negativen Free Cash Flow im Industriegeschäft. Wie ebenfalls zum ersten Quartal prognostiziert, wird der Umsatz deutlich zurückgehen, wobei die Entwicklung des Umsatzes insbesondere im Pkw-Geschäft in den vergangenen Wochen vorsichtig optimistisch stimmt. Positiv auf Cash Flow und Liquidität wirkten die frühzeitige Anpassung der Produktion sowie die eingeleiteten Maßnahmen zur Begrenzung der Kosten und Ausgaben.

„Die notwendigen Investitionen in die Zukunft können durch Umsatzsteigerungen und ‚normale‘ Effizienzgewinne nicht mehr erwirtschaftet werden. Der Vorstand hat daher ein Programm zur Verbesserung der Kostenstruktur verabschiedet. Die Kostendisziplin umfasst alle Bereiche des Unternehmens und ist eine wesentliche Voraussetzung für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft“, sagt Bischoff. Zur Verschlankung der Prozesse und Strukturen sowie zur Verbesserung der Finanzkraft hat Daimler Ende 2019 über alle Sparten und die Dachorganisation hinweg eine umfassende Initiative gestartet, deren Maßnahmen mit Hochdruck umgesetzt werden und deren positive Effekte bereits spürbar sind. „Unsere bisherigen Effizienzziele haben die bevorstehende Transformation abgedeckt, aber nicht eine weltweite Rezession. Deswegen schärfen wir unseren Kurs nach“, sagt Källenius.„Es gibt viele Gründe dafür, die mich zuversichtlich stimmen, dass Daimler aus der aktuellen Situation gestärkt hervorgehen kann. Deshalb gilt es jetzt zügig, die richtigen Prioritäten zu setzen. Das Geschäftsmodell von Daimler gepaart mit dem Innovationsgeist, dem Erfahrungsschatz und dem Engagement seiner Mitarbeiter hat alle Voraussetzungen, Mobilität auf das nächste Level zu bringen. Der Aufsichtsrat ist sich völlig bewusst, vor welchen komplexen Aufgaben der Vorstand steht und unterstützt alle geeigneten Maßnahmen, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten“, sagt Bischoff.