Der City-Hub von DHL fungiert als Mikrodepot für Fahrradkuriere, was ihn für die Zustellung auf der letzten Meile besonders interessant macht

LOGISTIK der nächsten Generation

Die Transport- und Logistikbranche befindet sich im Wandel. Neue, sich schnell verändernde Kundenbedürfnisse erfordern neue Impulse in der Belieferung. Das gilt beispielsweise für das wachsende Geschäft mit online bestellten Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs. Hier steigt die Nachfrage nach einer Zustellung am gleichen Tag oder innerhalb der nächsten Stunde rasant an. Gleichzeitig leben immer mehr Menschen in Städten – bis zum Jahr 2030 werden es mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung sein. Dies macht deutlich: Die steigenden Transportbedarfe müssen künftig schneller, effizienter und vor allem umweltfreundlich abgedeckt werden. Flottenmanagement wirft einen Blick auf die Konzepte der Zukunft.

Kaum bemerkt, aber dennoch immer und überall unterwegs: So könnte man den Alltag von Millionen Sendungen, die Menschen im Land Tag für Tag versenden oder entgegennehmen, beschreiben. Die Kurier-, Express- und Paketdienste (kurz: KEP), einer der größten Bereiche der Transportund Logistikbranche, halten diesen Motor am Laufen. Nie war es einfacher als heute, eine Sendung aufzugeben oder zu empfangen. Und die Logistikleistungen der KEP-Dienste werden immer besser: Zum Beispiel beim Bestellen am Morgen und Empfangen am Abend.

Heute leisten KEP-Dienste viel mehr, als Sendungen vom Ausgangsort zum Ziel zu transportieren. Vor allem Unternehmen können dank der KEP-Dienste Märkte erschließen, modern und arbeitsteilig produzieren, international wettbewerbsfähiger werden, Kosten sparen und zudem Absätze steigern. Nahezu alle Bereiche eines Unternehmens nutzen diese Angebote. So werden KEP-Dienste vom externen Anbieter zum Partner – besonders für Industrie, Handel und Dienstleistungen.

Deutliches Wachstum
Welche Volumen allein im KEP-Markt bewegt werden, zeigt die KEP-Studie 2016 des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK): So wuchs das Sendungsvolumen 2015 in Deutschland um 5,9 Prozent auf knapp 3 Milliarden Sendungen an. Dabei machen die Paketsendungen inzwischen einen Anteil von mehr als vier Fünftel aus. Der steigende Anteil der Paketsendungen liegt vor allem an den deutlich höheren Wachstumsraten aus dem weiter wachsenden Onlinehandel im B2C-Segment und der Zunahme bei den B2B-Sendungen. Darüber hinaus legten 2015 auch die internationalen Sendungen deutlich zu.

Laut BIEK ergibt sich bis 2020 ein weiteres Wachstum der KEP-Sendungen um 5,1 Prozent pro Jahr auf knapp 3,8 Milliarden Sendungen, was deutlich über dem durchschnittlichen Wachstum von rund 3,8 Prozent im Zeitraum 2000 bis 2015 liegt. Dabei haben die zu erwartenden Entwicklungen mehrere Gründe: Zum einen wird erwartet, dass der Onlinehandel zunimmt und dass nationale B2B-Sendungen sowie internationale Sendungen mehr werden. Zum anderen trägt das prognostizierte Wirtschaftswachstum in Deutschland sowie die anziehende Konjunktur in europäischen Ländern ihren Teil zum Wachstum bei.

Neue Herausforderungen und Lösungsansätze
Auch wenn die Innovationen im Bereich der Nutzfahrzeuge und damit auch in der Transport- und Logistikbranche nicht so offensichtlich sind wie beispielsweise im Pkw-Segment, so ist auch hier ein deutlicher Wandel zu spüren: Dabei werden die Logistikbranche und damit auch die Anforderungen an die Nutzfahrzeuge drei Gruppen von Trends in den kommenden zehn Jahren prägen.

Die Erste steht im Zusammenhang mit dem technischen Fortschritt. Hierunter fallen neue Entwicklungen und Innovationen, von denen die Automatisierungstechnologien die mit Abstand größte Rolle spielen, da davon ausgegangen wird, dass sie dazu beitragen, die Total Cost of Ownership für Fahrzeuge um die Hälfte zu senken, und damit erhebliche finanzielle Ressourcen freisetzen könnten. Neben der Automatisierung ist die Konnektivität ein essenzieller Bestandteil, auch wenn sie in erster Linie keine Einsparpotenziale aufzeigt. Durch sie werden Möglichkeiten eröffnet, wertvolle Daten zu erfassen und zu kontrollieren. Zu guter Letzt fallen in diese Gruppe Zukunftstechnologien wie Drohnen, Roboter oder 3-D-Drucker, die derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, deren volle Wirkung sich aber erst später entfalten wird.

Ein Beispiel für die Umsetzung des Trends zu Entwicklungen und Innovationen stellte Mercedes- Benz Vans im vergangenen Jahr auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vor: die Transporterstudie „Vision Van“. Das vollelektrische Fahrzeug verbindet dabei zahlreiche innovative Lösungen für die Zustellung auf der letzten Meile im urbanen und suburbanen Raum. Laut Mercedes-Benz vernetzt die Studie als erster Transporter weltweit alle Beteiligten und Prozesse komplett digital, vom Warenverteilzentrum bis zum Empfänger.

Zudem soll er als erster Transporter überhaupt über einen vollautomatisierten Laderaum und integrierte Lieferdrohnen verfügen. Damit sei es in der Zukunft beispielsweise möglich, neben der persönlichen Zustellung über den Paketzusteller auch mehrere Pakete gleichzeitig autonom über die Luft bei den Empfängern im Umfeld zuzustellen – auch wenn diese nicht zu Hause sind. Dadurch sollen das Geschäft für den Transporteur vereinfacht, die Lieferzeit verkürzt und völlig neue Möglichkeiten für den Endkunden geschaffen werden, beispielsweise für die direkte Zustellung von Waren noch am Tag der Bestellung zur vereinbarten Uhrzeit. Mercedes-Benz Vans sieht beim Einsatz des Vision Van Effizienzsteigerungen von bis zu 50 Prozent auf der letzten Meile.

Die zweite Gruppe von Trends betrifft das Regulierungsumfeld. Aufsichtsbehörden fordern immer mehr Nachhaltigkeit und so werden effektive entsprechende Lösungen, insbesondere auf der letzten Meile, zu einer Grundvoraussetzung für das Agieren von Herstellern am Markt. Die Deutsche Post DHL Group, der weltweit größte Post- und Logistikdienstleister, will beispielsweise bis 2050 alle logistikbezogenen Emissionen netto auf null reduzieren. Dabei betrifft das Klimaschutzziel sowohl die eigenen Aktivitäten des Bonner Konzerns als auch die von Transportpartnern. Grundlage für das Erreichen einer Null-Emissions-Logistik sind vier Teilziele, die bereits bis 2025 im Rahmen des konzernweiten Umweltschutzprogramms GoGreen erreicht sein sollen: So soll zum einen die CO2-Effizienz aller Aktivitäten um 50 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2007 verbessert werden. Zum anderen möchten die Bonner die eigene Abholung und Zustellung zu 70 Prozent auf saubere Lösungen, beispielsweise mit dem Rad oder mit Elektrofahrzeugen, umstellen. Als drittes Teilziel soll der Anteil des Umsatzes, der grüne Lösungen enthält, auf über 50 Prozent steigen. Zuletzt fördert die Deutsche Post DHL Group das grüne Engagement der eigenen Mitarbeiter wie auch von Partnern. Wie eine Umsetzung dieser grünen Strategie aussehen könnte, zeigte das Bonner Unternehmen nicht zuletzt mit dem City-Hub-Konzept für den Einsatz von Lastenfahrrädern mit Containerboxen in Frankfurt und in Utrecht (Niederlande). Dabei fungiert der City-Hub als Mikrodepot für Fahrradkuriere, worüber bis zu einem Kubikmeter oder bis zu 125 Kilogramm an Sendungen verstaut werden können. Damit sollen laut der Deutschen Post DHL Group mit jedem City-Hub bis zu zwei standardmäßige Zustellfahrzeuge ersetzt und jährlich über 16 Tonnen CO2 sowie weitere Emissionen eingespart werden können.

Die dritte und letzte Trendkategorie betrifft den Wandel der Kundenanforderungen: Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass Verbraucher zunehmend Produkte und Dienstleistungen erwarten, die individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und ihnen an einem Ort und zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl bereitgestellt oder geliefert werden. Als ein Beispiel soll hier die Kofferraumzustellung angeführt sein: Schon seit 2014 tüftelt beispielsweise Volvo an einem Konzept, um die Paketzustellung zu beschleunigen. Dabei sollen Kunden in Schweden in ausgewählten Onlineshops Waren bestellen können, die dann innerhalb von zwei Stunden von Mitarbeitern des schwedischen Start-ups urb-it in den Kofferraum der Volvo-Fahrzeuge geliefert werden. Aufschließen können die Lieferdienste den Kofferraum der Kunden-Autos mit einem digitalen, nur einmal gültigen Schlüsselcode. Auch in Deutschland gibt es ein ähnliches Projekt zwischen DHL und smart: In Berlin, Bonn, Köln und Stuttgart können smart-Besitzer ihre Autos als mobile Lieferadresse für ihre DHL-Paketsendungen nutzen. Die nötige Nachrüstung des Fahrzeugs beim Händler wird vom Kleinstwagen- Hersteller übernommen. Wie in Schweden ist die gemeinsame Lösung Smartphone-basiert: Sowohl der Fahrer des smart als auch der DHL-Paketzusteller nutzen dafür spezielle Apps, mit denen eine einmalig gültige Transaktionsnummer (TAN) generiert wird, welche dann vom Paketboten genutzt wird, um das Fahrzeug innerhalb eines begrenzten Zeitraums für die Zustellung zu orten und zu öffnen. Gleichzeitig mit dem Verschließen des Fahrzeugs erlischt auch seine Zugangsberechtigung. Der Besitzer des Fahrzeugs wird anschließend automatisch über die erfolgreiche Zustellung per Push-Nachricht über die App informiert.

Fazit
Das überproportionale Wachstum der letzten Jahre in der Logistik- und Transportbranche erfordert neue Strategien der Belieferung, womit sich nicht nur Chancen für neue Akteure eröffnen, sondern auch für Geschäftsmodelle in der Logistikindustrie. Die dabei entstehenden Innovationen werden den Wettbewerbsdruck erhöhen, aber auch den etablierten Anbietern Chancen und neues Umsatzpotenzial entlang der gesamten Wertschöpfungskette bieten. Wie die angesprochenen Beispiele zeigen, werden sich damit die traditionellen Branchengrenzen verwischen und sowohl bestehende als auch neue Marktteilnehmer werden innovative Bereiche erschließen, Plattformen schaffen und neue Arten der Zusammenarbeit etablieren.


Kommentare (1)
Gunter Glück 11.05.2017, 19:01 Uhr
.... hier mal eine andere Version des Lastenrads!
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