Die Mobilität wird sich in den nächsten Jahren wandeln – nicht zuletzt auch, um Staus und stockenden Verkehr zu reduzieren

Rasante Enwicklung

Fast täglich neue Mobilitätsangebote, Kooperationen oder Übernahmen von Mobilitätsanbietern – die Mobilitätsbranche ist im Wandel wie vielleicht noch nie zuvor. Autobauer wollen sich zu ganzheitlichen Mobilitätsanbietern entwickeln, aber auch Fahrdienstanbieter/- vermittler, Carsharing-Unternehmen oder Autovermieter rüsten auf. Flottenmanagement bringt Sie auf den neuesten Stand.

„Veränderung ist das Gesetz des Lebens“ sagte seinerzeit John F. Kennedy. Das gilt nicht nur für das Leben, sondern derzeit vor allem auch für die Mobilitätsbranche. Die Automobilhersteller haben erkannt, dass die Menschen heute ganzheitlich unterwegs sein wollen. Kombinationen wie beispielsweise aus dem eigenen Auto und dem Fahrrad oder der Bahn sowie einem Carsharing- Fahrzeug sind gefragter denn je. Nur noch mit dem eigenen Auto mobil zu sein, erscheint wie ein Szenario von gestern.

Ford: Bikesharing und Nahverkehrsshuttle
Rund die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Diese Zahl soll bis 2030 noch einmal deutlich ansteigen. Immer offensichtlicher werden in den letzten Jahren die Probleme durch überlastete Straßen – gerade in Großstädten. Der Autobauer Ford versucht dem entgegenzuwirken. Dafür hat die Ford Motor Company eine Kooperation mit dem Bikesharing-Unternehmen Motivate sowie eine Vereinbarung zum Erwerb des Pendelverkehr-Services Chariot bekannt gegeben. Dabei geht es zunächst um Lösungen für die Mobilität in San Francisco. Darüber hinaus baut der Autohersteller ein „City Solutions“- Team auf, das in weiteren Städten überall auf der Welt fortschrittliche Mobilitätskonzepte realisieren soll.

„Wir sind als Automobilunternehmen dabei, ein vollumfänglicher Mobilitätsdienstleister zu werden. Die Partnerschaft mit Städten hinsichtlich zukünftiger Transportbedürfnisse ist der nächste große Schritt“, so Mark Fields, Präsident und CEO der Ford Motor Company. „Wir möchten umfassende Lösungen für die zunehmend überfüllten Ballungsräume realisieren.“ Jim Hackett, Chairman, Ford Smart Mobility LLC, erklärt weiter: „Weltweit gibt es mehr Fahrzeuge, mehr Staus und offene ökologische Fragen – dies macht die Entwicklung von zeitgemäßen Mobilitätslösungen erforderlich. Wir erweitern unser Geschäftsmodell durch neue Formen des Transports, angefangen beim Fahrrad bis hin zum dynamischen Shuttleservice.“

Der Shuttleservice Chariot wird in den nächsten 18 Monaten erwartungsgemäß über San Francisco hinaus auf mindestens fünf weitere Märkte erweitert werden, so der Autobauer in einer Mitteilung. Der Nahverkehrsshuttle soll die Lücke zwischen Taxi und Bus durch einen On-Demand- Service, bei dem Nutzer überall entlang festgelegter Routen zu- und aussteigen können, füllen. Auf 28 Routen in ganz San Francisco sowie in der gesamten Bay Area kommen mittlerweile fast 100 Ford-Transit-Personentransporter zum Einsatz.

Fahrräder sind ein weiteres wichtiges Transportmittel für Pendler. Ford arbeitet gemeinsam mit dem Bikesharing-Unternehmen Motivate und der Stadt San Francisco an der Errichtung neuer Stationen und einer Erhöhung der Zahl von Verleihrädern auf bis zu 7.000 Stück in der gesamten Bay Area bis Ende 2018. Auf den Bikesharing- Service sollen Kunden in Zukunft auch mittels der geplanten FordPass-Plattform zugreifen können.

Volvo und Uber
Etwas weiter in die Zukunft ist die Zusammenarbeit zwischen Volvo und Uber ausgerichtet. Der schwedische Premium-Hersteller entwickelt gemeinsam mit dem Online-Fahrdienstvermittler ein Fahrzeug, das auf der neuesten Technik basieren und so den Weg zum autonomen Fahren ebnen soll.

Bei dem fast 270 Millionen Euro schweren gemeinsamen Projekt baut das Modell auf der skalierbaren Produkt-Architektur (SPA) von Volvo auf, die bereits beim SUV XC90 und der Premium-Limousine S90 verwendet wird. Dabei wollen sowohl Volvo als auch Uber das Basisfahrzeug für ihre jeweilige Strategie nutzen. Der Fahrdienstvermittler wird das Fahrzeug um selbst entwickelte Techniken zum autonomen Fahren ergänzen, für den schwedischen Autobauer ist es derweil ein weiterer Schritt hin zum vollautonomen Fahrerlebnis.

Googles Angriff
Neben den großen Autokonzernen sind auf den ersten Blick themenfern erscheinende Unternehmen ebenfalls am Markt aktiv. So plant beispielsweise Google zusammen mit Waze, einer Verkehrs- und Navigations-App, ein eigenes Fahrdienstangebot. Vorerst soll das Ganze nur in den USA verfügbar sein. Laut dem „Wall Street Journal“, das sich auf einen Insider beruft, basiert das Angebot auf der Waze-App, mit der Nutzer Kontakt zueinander aufnehmen können. Dadurch sollen preisgünstige Mitfahrgelegenheiten unter Verkehrsteilnehmern vermittelt werden, die zum gleichen Ziel oder zumindest in die gleiche Richtung unterwegs sind. Ein Mitfahrer zahlt dann bis zu 54 US-Cent pro Meile, das ist etwas weniger als bei der Konkurrenz. Der Internetdienstleister wird finanziell nicht daran beteiligt. Als Hintergrund: Google hat das israelische Unternehmen Waze samt seiner gleichnamigen App 2013 gekauft.

Seit etwas mehr als einem halben Jahr läuft der Testbetrieb im Umfeld des Google-Firmensitzes in Mountain View. Dabei kann sich in San Francisco jeder Waze-Nutzer als Fahrer anmelden, als Mitfahrdienst können ihn aber nur rund 25.000 Angestellte von größeren Unternehmen aus der Region nutzen, wozu neben Google Adobe sowie Walmart zählen. Zeitnah solle das Angebot auf ganz San Francisco ausgeweitet werden, so der Informant gegenüber der US-Zeitung. Auf Anfrage unseres Magazins gab es von Google dazu keine Stellungnahme.

Mit dem Angebot will der Internetriese vor allem eines – einen Gegenspieler zu den Diensten von Lyft und Uber aufbauen. Während Google Uber in seinen Anfangsjahren noch förderte und mit mehreren Hundert Millionen US-Dollar unterstützte, ist das Verhältnis in letzter Zeit merklich abgekühlt. Grund dafür waren unter anderem Differenzen beim Thema selbstfahrende Autos. Beide Unternehmen haben inzwischen bekannt gegeben, dass sie fahrerlose Taxis entwickeln, Uber will schon demnächst dazu ein Pilotprojekt in Pittsburgh starten.

Weitere Dienste
Auch Autovermieter wie Europcar gehen neue Wege. So wurde zuletzt ein Pilotprojekt mit Go- More, einem Anbieter für kostenloses Carsharing, in Frankreich eingeführt. Gemeinsam haben die beiden Unternehmen eine neue Mobilitätslösung für den Alltag entwickelt, die Fahrzeugmieten mit der Option des Carsharings kombiniert. „Drive & Share“ ermöglicht es demnach Kunden, ein Fahrzeug für vier bis zwölf Monate anzumieten und es dann auf der GoMore- Plattform zum Teilen anzubieten, wann immer sie es selbst nicht benötigen. Das Teilen des Fahrzeugs für etwa zehn Tage im Monat decke zum Beispiel die gesamten Mietkosten für den Monat, versprechen die Unternehmen.

„Wir wollen innovative, einfache und flexible Mobilitätslösungen anbieten, die zu den sich entwickelnden Nutzungsmustern der Konsumenten passen, indem wir Partnerschaften mit wichtigen Akteuren in verschiedenen Mobilitätsbereichen aufbauen. ‚Drive & Share‘ bietet eine ganz neue Art und Weise, das Auto täglich entsprechend der eigenen Bedürfnisse zu nutzen – sowohl in Bezug auf die Mobilität als auch die Finanzierung“, sagt Sheila Struycke, Head of Europcar Lab.

Zudem hat Nissan ein eigenes Carsharing-Konzept entwickelt. Der japanische Automobilhersteller stellte kürzlich das Nissan Intelligent Get & Go Micra vor – einen Dienst, der mit Hilfe des sozialen Netzes passende Partner für Carsharing und Autobesitz ermittelt. Das Programm nutzt dabei spezielle Algorithmen, um die Profile und Geo-Daten registrierter Interessenten zu vergleichen. Der Dienst findet dadurch passende Nutzer mit komplementären Fahrbedürfnissen und führt diese zusammen. Dank der digitalen Plattform können Interessenten zu Teileigentümern sowie Teilnutzern eines neuen Nissan Micra werden und haben so die Möglichkeit kostengünstig und individuell mobil zu sein. Die Monatsgebühr soll sich nach der persönlichen Fahrzeugnutzung richten.

Und auch Audi baut sein Portfolio an Mobilitätsdiensten weiter aus. Die Ingolstädter bieten jetzt einen Service namens Audi on demand am Münchener Flughafen an. Damit können Fluggäste künftig ihre Reise mit den neuesten Modellen der Marke fortsetzen. Sie sind über eine Web App buchbar und werden direkt an der myAudi Sphere am Terminal übergeben. Der jeweilige Wunsch-Audi kann bereits ab einer Dauer von einer Stunde gebucht werden. Der Tarif wird dabei stundengenau abgerechnet und hat keine Kilometerbegrenzung. Bereits seit Frühjahr 2015 ist San Francisco der weltweit erste Standort für diesen Premium-Mobilitätsservice. Audi on demand ist eines von vier modernen Nutzungsmodellen der Marke: Unter anderem steht für Flotten mit Audi shared fleet ein Carsharing-Angebot für Unternehmen bereit. Der Autobauer bringt die Services nach erfolgreicher Testphase nun sukzessive in die internationalen Märkte.

Fazit
Zwar stecken die meisten Projekte noch in den Kinderschuhen, aber die Entwicklung zu ganzheitlichen Mobilitätskonzepten ist unübersehbar. Die Angebote werden immer vielfältiger und innovativer, die Zukunft spannender denn je. Die meisten Fuhrparks müssen sich hier künftig noch flexibler aufstellen. Neben dem veränderten Mobilitätsbedürfnis der Menschen ändern sich darüber hinaus die technischen Möglichkeiten. Durch das autonome Fahren wird sich die Mobilität nochmal in seinem Ganzen wandeln. „Sobald eine vollständige Automatisierung möglich ist, werden Kooperationen mit den wichtigsten Akteuren im Markt und eine Verschmelzung mit dem öffentlichen Verkehr die Mobilitätsbranche verändern“, prognostiziert das globale Beratungsunternehmen Frost & Sullivan.



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