So hat man früher den Ölstand kontrolliert, heute gibt es oft eine Anzeige im Innenraum
Bernd Wickel

Das Leiden eines Fuhrparkleiters

Aus dem Tagebuch eines Fuhrparkleiters

Montag
Montagmorgen, habe mir als Erstes einen Kaffee aus der Kantine geholt und schaue in meine Mails. Da ich Freitag nicht im Hause war, hat sich einiges angesammelt. Der Kollege aus Dortmund hatte vorgestern einen Unfall und bittet dringend um Rückruf; klingt recht dramatisch.

Den ruf ich später als Erstes an (wieso hat er mich nicht auf meinem Handy angerufen?). Der Kaffee ist noch zu heiß zum Trinken. Drei Minuten später steht der Kollege aus dem Vertrieb in der Tür. Fragt, ob er die Farbe zu seinem bestellten Auto noch ändern könnte. Er war am Wochenende in einem Autohaus und sagt, das neue Delfingrau sei einfach nur geil. Geht nicht mehr, zu spät, sage ich ihm. Wieso denn nicht, ich sollte mal meine Beziehungen spielen lassen, wir seien schließlich Großabnehmer. Richtig, aber er muss ... mitten in dem langsam lauter werdenden Gespräch geht das Telefon, der Kollege aus Dortmund … Was denn passiert sei, frage ich. Antwort: Beim Ausparken auf dem Supermarktparkplatz habe er einen Einkaufswagen touchiert, den er übersehen hat. Täte ihm furchtbar leid, käme nicht wieder vor, aber irgend so ein Trottel hat ihn einfach dort abgestellt. Jetzt ist ein kleiner Kratzer vorne rechts überm Blinker, circa fünf Zentimeter. Mein Gott, hat der Mann Sorgen!!

Der Vertriebler wird langsam unruhig und fängt an zu gestikulieren, er müsse los und ich solle mal zusehen, was ich machen könne; er zählt auf mich und ist raus aus der Tür. Na prima, dem muss ich wohl morgen mal erklären, wie in einem Autokonzern ein Auftrag abgewickelt wird. Schon wieder das Telefon, der Leiter Technik fragt an, ob der bestellte Wagen für den neuen Techniker zum Monatsersten auch sicher da wäre. Geht klar, sage ich, notfalls gibt’s solange den „z.b.V“-Wagen. Der Mann ist beruhigt und bedankt sich höflich. Na also, geht doch; der Tag kann kommen ...

Mist, jetzt ist der Kaffee kalt, hab ich total vergessen; also noch mal zur Kantine. Wie gesagt, ein Fuhrparkleiter hat es nicht leicht am Montagmorgen, aber die Woche ist ja noch jung ...

Dienstag
Heute ist Brückentag. Habe vergessen, einen Urlaubstag zu beantragen. Selbst Schuld. Soeben kommt der Fahrer des Autohauses mit dem neuen Technikerwagen vorgefahren und hält unten auf dem Hof. Mich trifft der Schlag: ... – WC 100. Ne Kloschüssel! Mann, und ich habe den Kollegen extra noch gefragt: „Willst du ein Wunschkennzeichen oder überlassen wir es dem Zufall?“ Er hatte sich für den Zufall entschieden. Wahrscheinlich bin ich jetzt Schuld und das Füllhorn der Häme wird wohl über den Kollegen Techniker ausgeschüttet werden.

Auf meinem Schreibtisch liegt das Flottenmanagement aufgeschlagen mit dem Bericht über autonomes Fahren, in den ich mich vertieft habe, als der Vertriebsleiter reinschneit. Was er denn von autonomem Fahren halte, frage ich ihn, bevor er sein Anliegen vorbringen kann. Super, ganz toll, ist er auch schon gefahren, aber das Aufladen an der Steckdose nerve und dauere einfach zu lange. Außerdem hat man nicht immer ein Ladekabel zur Hand. Ich starre ihn an und versuche, zu verstehen. Dieser Mensch hat mir doch vor sechs Monaten, kurz nach seiner Einstellung, noch erzählt, ich könne ihm über Autos nichts mehr erzählen, er habe schon alle Modelle, die es gibt, mal gefahren und das Innere eines Autos sei quasi sein natürlicher Lebensraum. Was er denn eigentlich von mir wolle, frage ich vorsichtig. Eine Parkscheibe! Während ich ihm die gebe, klingelt das Telefon. Müller II: Ähhhh, tjaaaa … ob ich mal Zeit habe, auf den Hof zu kommen, es gäbe da ein Problem. Aus meinem Fenster sehe ich ihn am Auto stehen, die Motorraumhaube offen. Als ich unten bin, offenbart er sich mir kleinlaut: Er findet den Ölmessstab an seinem neuen Auto nicht. Ich schließe sanft die Haube, bitte ihn auf den Fahrersitz, zwei bis drei Schalter betätigen und voilà: der Ölstand im Display. Willkommen im 21. Jahrhundert! Kleiner Seitenhieb von mir: Im Handschuhfach liegt eine Bedienungsanleitung. Ich höre ein leises „früher war alles besser“, verlasse das Auto und schreite erhobenen Hauptes mit gemessenem Schritt in Richtung meines Büros, um nachzusehen, wann der nächste Brückentag ist.

Wissen ist Macht! Das Leben ist schön ...

 

AUTOR

BERND WICKEL ist unter anderem für den Einkauf, das Flottenmanagement und den Brandschutz bei der ARZ Haan AG zuständig.

Außerdem ist Bernd Wickel langjähriges Mitglied im Redaktionsbeirat Flottenmanagement.


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