Martin Mudersbach und Holger Rost im fast schon traditionellen Jahresgespräch mit Steven Bohg (Flottenmanagement, v. li. n. re.)

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Interview mit Martin Mudersbach (Präsident) und Holger Rost (Vorsitzender des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs) des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen e. V.

Flottenmanagement: Das CVO-Barometer stellte im vergangenen Jahr erstmals einen leichten Rückgang beim Leasing mit Kilometervertrag fest. Welche Entwicklungen konnten Sie feststellen? Ist eine Verschiebung zum Kauf auch bei Ihnen zu erkennen?

Martin Mudersbach: Das Fahrzeugleasing ist 2016 um satte neun Prozent gewachsen. Eine Verschiebung zum Kauf sehen wir daher keinesfalls. Jedoch hat der Anteil der Leasingverträge mit Restwert zulasten des Kilometervertrages leicht zugenommen. Wir können aber noch nicht einschätzen, ob es sich hierbei nur um eine kurzfristige Erscheinung handelt oder ob sich ein Trend etabliert. Auf absehbare Zeit kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass Leasing mit Kilometervertrag seine hohe Bedeutung verlieren wird. Der Kilometervertrag ist nach wie vor mit Abstand die Hauptfinanzierungsart für größere Flotten.

Holger Rost: Das Fahrzeugleasing hat aktuell einen Anteil von fast 40 Prozent an den Neuzulassungen erreicht. Das ist ein sensationell hoher Wert, der sicherlich zum großen Teil durch das gewerbliche Leasing mit Full-Service-Verträgen, also das sogenannte Flottenleasing, getragen wird. Interessanterweise verleiht aber auch die starke Zunahme des privaten Fahrzeugleasings einen zusätzlichen Schub. Dieser Bereich ist klassischerweise eine Domäne der herstellergebundenen Leasinggesellschaften und zeigt damit eine weitere Entwicklung auf: einen Fokus auf das Leasing für Privatkunden.

Flottenmanagement: Welche Finanzierungsmethode ist aus Ihrer Sicht derzeit die sinnvollste? Und worin bestehen deren Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsmodellen?

Holger Rost: Das tragende Element im Fuhrparkgeschäft ist das Angebot aus einer Hand: also der Leasingvertrag mit Serviceleistungen, angefangen bei der Versicherung über Reparaturen bis zur Tankkarte. Im Grunde genommen ist dieses Servicepaket das schlagende Argument für die Wahl des Kunden.

Eine Ausnahme stellt das Nutzfahrzeuggeschäft dar, wo wir häufig den Mietkauf finden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bis vor elf Jahren die Zugmaschine laut Güterkraftverkehrsgesetz im Anlagevermögen des jeweiligen Unternehmens geführt werden musste, wodurch nur Mietkauf infrage kam. Anhänger beziehungsweise Auflieger waren in der Regel aber schon immer geleast. Erfahrungsgemäß dauert es ein bis zwei Unternehmergenerationen, bis diese „alten Gewohnheiten“ völlig abgelegt werden. Unsere Marktzahlen zeigen, dass im Nutzfahrzeugsegment Leasing aktuell deutlich wächst.

Martin Mudersbach: Beim Fuhrpark sprechen zwei weitere Aspekte für Leasing: Der Leasingnehmer erhält etwa alle drei Jahre ein neues Fahrzeug. Zudem wird ihm die Vermarktung des Gebrauchtwagens abgenommen. Mittels Leasing kann also der Kunde immer das neueste Modell fahren und ist damit in puncto Sicherheitstechnik, Benzinverbrauch sowie Emissionswerten stets up to date.

Als Nebeneffekt profitiert auch der Gebrauchtwagenhandel vom Fahrzeugleasing. Denn aufgrund der langen Haltedauer im Privatbereich fehlt dem Gebrauchtwagenmarkt der regelmäßige Zufluss von guten Gebrauchten. Leasing mit Kilometervertrag steuert diesen Zufluss hervorragend, sodass alle drei Jahre gut erhaltene Gebrauchtwagen mit vernünftigen Kilometerleistungen auf den Markt kommen.

Flottenmanagement: Wie wirken sich politische Überlegungen, beispielsweise Pkw-Maut oder blaue Plakette, auf das Investitionsverhalten von Unternehmen aus? Führt das zu einer Verunsicherung und damit zu einer Verschiebung zu bestimmten Finanzierungsmethoden?

Martin Mudersbach: Maut und blaue Plakette wirken sich gar nicht oder kaum spürbar auf das Leasinggeschäft aus. Im Gegenteil: Gerade die hohe Flexibilität des Leasings bietet dem Kunden die besten Möglichkeiten, sich an veränderte Gesetzgebungen anzupassen. Das Bedürfnis, Auto zu fahren, bleibt doch bestehen und kann nicht anders befriedigt werden. Und die Leasinggesellschaften werden für alle Rahmenbedingungen die passende Finanzierungs- und Servicealternative parat haben.

Holger Rost: Leasing ist flexibel einsetzbar – das ist eben das Besondere und macht unser Produkt aus. Wenn sich die Bedingungen ändern, passen wir uns immer wieder an. Allerdings hätte die blaue Plakette einen starken Einfluss auf den Gebrauchtwagenmarkt und zumindest für eine überschaubare Phase auf die Restwertentwicklung. Das Neuwagensegment kann sich jedoch – wie gesagt – relativ schnell an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Flottenmanagement: Dienstwagenberechtigten Mitarbeitern werden zunehmend weitere Mobilitätsdienstleistungen, wie Job-Ticket, Jobrad et cetera, angeboten. Welchen Stellenwert räumen Sie dem Dienstwagen in den nächsten fünf Jahren ein? Und wie wirkt sich dies auf das Fahrzeugleasing aus?

Holger Rost: Ich denke, der Dienstwagen erfüllt zwei Aufgaben: Auf der einen Seite hält er den Mitarbeiter mobil. Dies kann auch in Kombination mit dem Jobticket oder auch Carsharing passieren. Aber auf der anderen Seite ist der Dienstwagen ein nicht zu unterschätzendes Motivationsinstrument. Noch immer leiden viele Wirtschaftszweige darunter, dass es an qualifizierten Mitarbeitern mangelt. Über einen besonders gut ausgestatteten Dienstwagen kann die Entscheidung eines Bewerbers positiv beeinflusst werden. Denn nach wie vor hat das Auto in Deutschland einen extrem hohen Stellenwert, der tief verwurzelt ist und meiner Meinung nach auch noch viele Jahre Bestand haben wird.

Vor allem in Großstädten ist aber ein Umdenken der jungen Generationen zu erkennen; dies fördert insbesondere flexible Mobilitätskonzepte wie Carsharing. In der Grundtendenz ist und bleibt der Dienstwagen aber ein hervorragendes Instrument der Mitarbeitermotivation.

Martin Mudersbach: Ich sehe das ganz ähnlich. Bei Jobticket, Carsharing et cetera handelt es sich eher um additive Mobilitätskonzepte statt um Konzepte, die geeignet wären, den Dienstwagen zu substituieren. Nutzt zum Beispiel ein Mitarbeiter für seine Dienstreise aufgrund der Entfernung den Flieger oder die Bahn, so greift er am Flughafen beziehungsweise Bahnhof einfach zu einem Carsharing-Angebot. Damit stehen alternative Mobilitätskonzepte vor allem in Konkurrenz zur Fahrzeugmiete. Zugleich spricht man mit diesen Alternativen auch Mitarbeiter an, die nicht dienstwagenberechtigt sind.

Flottenmanagement: Ist das Geschäftsmodell eines reinen Finanzdienstleisters heute noch für ein Leasingunternehmen zeitgemäß? Welche Anforderungen muss ein Leasinggeber heute und zukünftig erfüllen, um am Markt zu bestehen?

Holger Rost: Ein gewisses Paket an Dienstleistungen über Versicherungen, Reifen, Tankkarten et cetera ist heutzutage Standard. Eine Autoleasinggesellschaft muss diese Services anbieten, um die Bedürfnisse ihrer Kunden befriedigen zu können. Wenn man weiter Richtung Mobilitätsdienstleistungen denkt, ist es durchaus vorstellbar, dass über kurz oder lang auch Angebote wie Carsharing oder Travelmanagement integriert werden. Insbesondere die Trennung zwischen Flotten- und Travelmanagement verschwimmt immer mehr. In Zukunft wird die Herausforderung darin bestehen, dieses geänderte Anforderungsprofil auch über das Leasing abzubilden. Unterm Strich ist der reine Finanzierungsgedanke längst passé: Es geht schon heute darum, Mobilität zur Verfügung zu stellen, und dies in all ihren Facetten.

Martin Mudersbach: Full-Service-Leasinggesellschaften beschäftigen sich bereits mit Mobilitätskonzepten und offerieren den Kunden umfassende Lösungen. Zum Beispiel ermöglichen Corporate Carsharing oder Interimsfahrzeuge, Mitarbeiter auf Probe mobil zu halten, ohne gleich einen dreijährigen Leasingvertrag abzuschließen. Ich bin mir sicher, dass unsere Branche schnell und wendig genug ist, um die neuen Kundenanforderungen bewältigen zu können.


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