Marcus Schulz (li.) und Sebastian Heuft (re.) in der Arval Deutschland Zentrale in München

Mehr als nur Full-Service-Leasing

Flottenmanagement im Gespräch mit Marcus Schulz, Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsführung Arval Deutschland GmbH

Flottenmanagement: Die Integration der GE Auto Service Leasing GmbH in die Arval Deutschland GmbH ist nun erfolgreich abgeschlossen. Was ändert sich für die Flottenkunden, die vormals bei GE waren? Welche Vorteile ergeben sich für Unternehmensflotten aus diesem Zusammenschluss?

Marcus Schulz: Zunächst einmal ergänzen sich unsere Portfolios hervorragend. Zwischen Arval und der GE Auto Service Leasing gab es vor der Integration relativ wenige Überschneidungen auf Kundenseite. Im Bereich Service gab es jedoch branchenbedingt einige Gemeinsamkeiten, welche allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt waren. So ist Arval international weitaus besser aufgestellt. Im Gegenzug dazu haben die Oberhachinger Kollegen ein sehr gutes Logistikkonzept. Beide Stärken kommen bereits in unserem ersten gemeinsamen Produkt, Arval Mid-Term Rental, das vorher bereits in anderen Ländern angelaufen ist, zum Tragen. Hierbei handelt es sich um eine Langzeitmiete für den Zeitraum bis zu 24 Monaten. In den letzten Wochen waren wir damit beschäftigt, die unterschiedlichen Qualitäten herauszufiltern und zu optimieren. Daher kommen eher Dienstleistungen durch die Integration für unsere Kunden hinzu, als dass sie durch den Zusammenschluss verloren gehen.

Abgesehen von kleineren Vorgängen, wie dem Austausch der Tankkarten, die unter Umständen etwas lästig sein können, soll der Kunde spüren, dass der Zusammenschluss eher zum Vorteil für ihn gereicht als zum Nachteil. Allein schon aus unserer Position als Marktführer im Bereich der unabhängigen Full-Service-Leasinganbieter heraus ergeben sich viele Vorteile für unsere Kunden. So können wir auf internationaler Ebene beziehungsweise länderabhängig die besseren Konditionen bei den Fahrzeugherstellern, die wir aufgrund unserer Größe von jetzt einer Million geleaster Fahrzeuge bekommen, direkt an unsere Kunden weiterleiten. Aus der Erfahrung, die wir aus mehr als 25 Jahren internationaler Flottenverwaltung in den unterschiedlichsten Märkten sammeln konnten, speist sich unsere Innovationskraft. In Deutschland besteht ein sehr starker Konkurrenzkampf zwischen den Leasinganbietern. Hier kann man nicht einfach durch das günstigste Produkt gewinnen, sondern muss immer innovativ bleiben. Darüber hinaus können nicht alle Produkte in allen Märkten gleichzeitig getestet werden. Daher ist es hilfreich, auf die Erfahrungen aus Projekten in anderen Ländern zurückgreifen zu können. Dieses Denken kommt auch in unserer Partnerschaft mit Element im Rahmen der Arval-Element Global Alliance zum Ausdruck, die Fuhrparks von insgesamt drei Millionen Fahrzeugen in 50 Ländern betreut.

Flottenmanagement: Wenn der Leasingmarkt nicht durch das günstigste Produkt angeführt werden kann, wie Sie sagen, wie wollen Sie Ihren Spitzenplatz im europäischen Flottenleasing halten? Welche Rolle spielt das neu formierte Management dabei?

Marcus Schulz: Neben dem Lernen von anderen Märkten ist Kommunikation hier ein Schlüssel zum Erfolg. Ein Beispiel: Vor wenigen Wochen luden wir einige unserer wichtigsten Kunden nach München zum Customer Advisory Board ein. Mit diesen etwa 50 Fuhrparkentscheidern haben wir über die Trends im Markt diskutiert. Dank des aktiven Austausches können wir die Bedürfnisse und Trends früh erkennen und entsprechend reagieren. Wir achten darauf zu lernen, indem wir auf den Markt hören. Darüber hinaus haben wir eine eigene Consultingabteilung. Diese berät unsere Kunden zu den verschiedensten Fragen. Die Betreuung endet also nicht mit der Unterzeichnung des Vertrags.

Natürlich bringt ein solcher Zusammenschluss immer auch personelle Veränderungen mit sich. Dabei ist es uns wichtig gewesen, keine Mitarbeiter aufgrund dessen entlassen zu müssen. Im Gegenteil: Wir suchen Mitarbeiter, weil wir einen Wachstumsauftrag haben. So haben wir viele Managementpositionen neu ausgeschrieben. Jede Führungskraft musste sich auf ihre Stelle neu bewerben. Dies schließt die Geschäftsführer mit ein. Zwei Drittel der Positionen sind mit Kollegen der ehemaligen GE Auto Service Leasing besetzt und ein Drittel der Kollegen kommt direkt von Arval. Wir achten als Unternehmen sehr darauf, dass alles, was wir hier entscheiden, die Zustimmung der Mitarbeiter findet. Denn die Summe der Mitarbeiter ist schlauer als das Management. Ähnlich wie mit unseren Kunden stehen wir auch hier in einem regen Austausch untereinander.

Flottenmanagement: Wie wichtig sind einzelne Leasingbausteine neben dem eigentlichen Fahrzeugleasing für Arval? Wie werden diese Zusatzservices angenommen? Wie sehen Sie den Trend zum Full-Service-Leasing?

Marcus Schulz: In kleinen Unternehmen ist der Geschäftsführer kaufmännischer Leiter, Produktionsleiter, Personalchef und Flottenmanager in Personalunion. Dieser kann bei einer so vielschichtigen Aufgabe wie der Flottenverwaltung nicht immer den Überblick behalten. Bei größeren Flotten kommen ganz andere Dynamiken hinzu. So muss der Fuhrparkmanager seinem Vorgesetzten gegenüber argumentieren, warum die Schadenquote steigt oder der CO2-Ausstoß so hoch ist. Denn Unternehmensmobilität ist ein erheblicher Kostenpunkt. In beiden Fällen raten wir jedoch zu einem möglichst umfassenden Outsourcing. Wichtig ist dabei, dass das Unternehmen weiterhin die Richtlinienkompetenz und die strategische Ausrichtung des Fuhrparks verantwortet, wir aber die Verwaltung übernehmen. Wir wollen nicht nur Verträge abschließen, sondern den Fuhrpark ganzheitlich begleiten. Aufgrund unserer Expertise und unserer Größe sind wir dazu besser geeignet, als dies ein einzelner Fuhrparkleiter könnte, und das unabhängig von der Flottengröße. Zudem sind wir als freie Leasinggesellschaft ungebunden von verschiedenen Produkten und können unseren Kunden immer das Passende bieten. Wir sehen Arval Outsourcing Solution dabei als konsequente Weiterentwicklung des Full-Service-Konzepts. Natürlich bieten wir alles von der Führerscheinkontrolle über das Schadenmanagement bis hin zum Reifenwechsel an, doch das Entscheidende ist, dass wir den Fahrer von Anfang bis Ende betreuen und beraten können.

Flottenmanagement: Eine Herausforderung, die sich in der Leasingbranche stellt, ist das sich wandelnde Mobilitätsbedürfnis der Menschen. Wie reagiert Arval auf diese Veränderungen? Was können Sie den Menschen als Dienstleister bieten?

Marcus Schulz: Derjenige, der als Erster die allumfassende Antwort auf die Mobilitätsherausforderung gerade in urbanen Gebieten hat, wird den Markt auf lange Zeit beherrschen. In Deutschland sind etwa 45 Millionen Pkw unterwegs, davon sind zehn Prozent Firmenfahrzeuge. Wir sind ein Autoland und werden dies auch auf absehbare Zeit bleiben. Auf der anderen Seite sieht sich die Unternehmensmobilität in Großstädten vor immense Herausforderungen gestellt. Dies beginnt bei der Parkplatzproblematik und endet bei der Stickoxidbelastung in Ballungsräumen. Es ist zu erwarten, dass gerade was die Umweltbelastung angeht, in Zukunft sehr viel strengere Regularien greifen werden, als dies derzeit der Fall ist. Daher stellen sich viele Fuhrparkleiter beispielsweise die Frage: Wie hoch ist der Nutzungsgrad der einzelnen Fahrzeuge? Ist es nötig, dass diese die meiste Zeit einfach nur herumstehen? Immer mehr Unternehmen drängen darauf, in den Städten durch Carsharing, Poolfahrzeugflotten und Mitfahrzentralen die Auslastung der Flotten zu erhöhen und gleichzeitig das Verkehrsaufkommen in Städten zu verringern. In anderen Ländern, allen voran in den USA, sind diese Mobilitätsarten bereits sehr viel stärker ausgeprägt, als dies bei uns der Fall ist. Noch viel spannender ist die Frage, wie ich als kaufmännischer Leiter die Kosten für Mobilität managen kann. Denn es gibt viele Mobilitätsmittel und Wege, um den Menschen mobil zu halten, im Falle von Unternehmen ist nur die Kostenabrechnung sehr kompliziert. Hier sind wir dann bei dem Thema Mobilitätsbudgets. Doch selbst wenn dem Mitarbeiter ein gewisser Betrag zur Mobilität freisteht, müssen diese unterschiedlichsten Kosten auf einer Plattform am Ende zusammengeführt werden. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Angebote derzeit der Nachfrage etwas hinterherhinken.

Flottenmanagement: Wie wird sich der Leasingmarkt angesichts von Megatrends wie Digitalisierung, Urbanisierung und Umweltbewusstsein verändern? Welche Innovationen sind hier von Ihnen in nächster Zeit zu erwarten?

Marcus Schulz: Telematik wird immer wichtiger und ist dabei gerade in Deutschland ein umstrittenes Thema. Datenschutz, Mitbestimmung, Auswertungsmöglichkeiten bieten jede Menge Raum für Diskussionen. In Italien sind wir so weit, dass wir jedes Fahrzeug mit einer Telematikbox ausstatten. Der Kunde kann, wenn er möchte, passende Dienstleistungen hinzu buchen. Dies beginnt bei der Standortbestimmung des jeweiligen Fahrzeugs oder Verbrauchsmessungen und geht bis zu kompletten Routenplanungen und Diebstahlüberwachung. In Deutschland werden wir diese Lösung 2017 ebenfalls unter dem Namen Arval Active Link pilotieren. Aufgrund der Komplexität sowohl in der Nutzung als auch in Sachen Datenschutz ist dies kein Produkt, das wir einfach verkaufen. Hier ist eine umfassende Beratung notwendig. Dies gilt ebenso für Thema Elektromobilität. Für viele Flotten ist diese derzeit aufgrund vieler Parameter nicht umsetzbar. Wir raten daher nur dann dazu, elektrisch unterwegs zu sein, wenn es der Situation angemessen ist. Hier wird sich in den nächsten Jahren jedoch einiges tun.


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