Präzise und passgenau fügen sich die Komponenten des Antriebsstrangs in die Range Rover-Plattform ein
Auf dem modularen Längsbaukasten Evo basieren viele Konzernfahrzeuge
Auch schwere Geländewagen stehen heute auf selbsttragenden Konstruktionen

Augen auf beim Autokauf

Alle sprechen im Zusammenhang mit Autos immer von Plattformen. Doch was genau hat es damit auf sich? Was bedeutet es, wenn man von einem neuen Auto sagt, es habe eine komplett neu entwickelte Plattform? Und wann spricht man von einem Facelift (ohne Plattformwechsel), wann überhaupt von einer kompletten Neuentwicklung? Flottenmanagement bringt ein bisschen Licht ins Dunkel.

Glauben Sie niemals Werbesprüchen, diese Empfehlung gilt nicht nur bei Schokoladenriegel, man kann sie sich bei Autowerbespots ebenfalls zu Herzen nehmen. Denn häufig ist nur „runderneuert“ drin, wo aber „neu“ draufsteht. Ist für den Kunden aber nicht zwingend schlimm, man muss eben wissen, was man möchte. Ein Facelift kann massive Designänderungen zur Folge haben – es gibt andererseits aber auch komplett neue Fahrzeuggenerationen, die unter dem Blech von Grund auf renoviert wurden, sich äußerlich aber nur evolutionär gewandelt haben. Was für den einen banal klingt, mag für den anderen ein entscheidendes Kaufkriterium sein. Entweder, weil er es gezielt auf neue Technologie absieht, die das reine Facelift nicht bieten kann. Oder weil er mit aufgefrischter Optik mal frischen Wind in seine Garage bringen will – die Technik ist womöglich noch völlig angemessen und bedarf keiner Auffrischung. Manchmal sind jedoch auch komplett neue Modelle unter dem Kleid nur behutsam angefasst worden. Der Teufel steckt eben im Detail.

Was bedeutet es, wenn verschiedene Fahrzeuge einer Marke, eines Konzerns oder sogar markenübergreifend im Zuge einer Kooperation auf einer einzigen Plattform aufbauen? Keine Frage, bestimmte Elemente sind dann gleich – ein Verlust an Individualität muss aber nicht zwingend gegeben sein. Zu den gleichen Komponenten können Dinge wie Achsen, die Aufhängung von Motor und Getriebe, der Auspuff, Bremsen, Kraftstofftank, Lenkung und Verkabelung gehören. Design, Karosserieform und auch die Anzahl der Türen können jedoch komplett unterschiedlich ausfallen – was somit kein Verlust an Eigenständigkeit bedeutet. Innerhalb der Konzerne werden dennoch häufig Gleichteile im Bereich des Antriebsstranges verwendet – zum Beispiel, um eine Motorenfamilie breit zu streuen. Schließlich senken höhere Stückzahlen die Kosten, was sich nicht nur für den Konzern positiv in der Bilanz auswirkt, sondern auch dem Kunden entgegenkommt, wenn ihm der Hersteller attraktive Angebote unterbreitet. Was macht eine Plattform eigentlich so teuer, dass sich ein Sharing auszahlt?

Bereits die oberflächliche Betrachtung eines selbsttragenden Auto-Chassis mit dem bloßen Auge lässt erahnen, welche Komplexität sich dahinter verbirgt. Es gibt schließlich jede Menge Zielkonflikte, die es zu entschärfen gilt. Karosseriesteifigkeit beispielsweise ist gut für die Insassen des eigenen Autos, kann aber für den Crashgegner verheerende Folgen haben, falls die Steifigkeit zu hoch ausfällt. Eine Plattform ist ein denkbar aufwendiges Gebilde aus zig verschiedenen Materialien und mit unzähligen Zonen, die jeweils andere Ansprüche an die Verformbarkeit haben. Computerprogramme mit viel Rechenleistung helfen dabei zu ermitteln, wie der beste Kompromiss aus Kosten und Materialeinsatz aussieht. In die Gesamtrechnung fließt auch ein, wie viele Schweißpunkte zu setzen sind. Moderne Verbindetechniken erlauben ebenso unkonventionelle Verfahren wie zum Beispiel die Klebung. Plattformsharing ist keine sonderlich neue Erfindung, sondern war auch vor vielen Jahrzehnten schon üblich – nur sind die Möglichkeiten heute vielfältiger und die Methoden ausgefeilter.

Plattformen werden dank Skalierbarkeit immer flexibler. So können die Hersteller verschiedene Fahrzeugklassen auf der gleichen Basis-Bodengruppe darstellen. Höhe und Länge der Autos können im großen Rahmen variieren, freilich auch der Radstand. Das wird auch nötig, um so viele verschiedene Segmente, wie es sie heute gibt, wirtschaftlich anbieten zu können. Autos werden in der Technik immer komplexer, was eine effiziente Gleichteilestrategie nötig werden lässt. Die Innenräume sind in der Regel auch unabhängig von der Plattformgleichheit verschieden gestaltet – Individualität geht also auch an dieser Stelle nicht verloren. Zurück zur Ausgangsfrage: Macht es also Sinn, beim Facelift des Wunschmodells noch nicht zuzuschlagen und erst auf den komplett neu entwickelten Nachfolger zu warten? Kann man nicht pauschal sagen. Es gibt beispielsweise Fälle, da werden entscheidende Komponenten zum Facelift erneuert – aber eben ausgerichtet für die noch im Einsatz befindliche Plattform mit dem Ziel einer deutlich aufgewerteten Technik.

So werden derzeit bei vielen Modellen umfangreiche Elektrifizierungsmaßnahmen von Nebenaggregaten durchgeführt, was zu Spritersparnis führen soll. Beliebt ist die Umstellung der Servopumpen von hydraulisch auf vollelektrisch – das merkt man dann nicht nur im Geldbeutel beim Tanken, sondern auch an einem Komfort-Feature: Denn mit einer elektrischen Servolenkung lässt sich ein automatischer Parkassistent realisieren, bei dem der Fahrer, nachdem der Rechner eine passende Lücke ausgemacht hat, nur noch Bremse und Gas betätigen muss – bei den neuesten Generationen reicht auch die Initialisierung. Doch zurück zum Thema Plattformen. Viele Hersteller nutzen wenige spezialisierte Plattform-Gruppen, um eine möglichst breitgefächerte Angebotspalette darzustellen. Dabei kommt den Fahrzeugen mit den alternativen Antrieben eine ganz besondere Rolle zu. Denn es ist eine Herausforderung, die derzeit noch recht ausladenden Batteriepacks elegant im Fahrzeug unterzubringen. Hier sind konventionelle Plattformen, die für Verbrenner entworfen wurden und nun auch für Stromer dienen sollen, im Nachteil: Beispielsweise durch ungünstig platzierte Akkus, die den Fahrzeugschwerpunkt negativ beeinflussen. Ein wichtiger Aspekt bei Plattformen ist eben auch das Packaging – es ist festgelegt, an welchen Stellen Komponenten untergebracht werden – so spart man auch Entwicklungszeit.

Plattform-Sharing nimmt eine immer wichtigere Rolle ein für die Autohersteller. Denn durch die Entwicklung von alternativen Antrieben sowie die Digitalisierung entstehen für die Konzerne gewaltige finanzielle Herausforderungen, die es zu stemmen gilt. Da erscheint sogar segmentübergreifendes Plattformteilen immer attraktiver. Interessant wird auch, wie sich der bisher anhaltende SUV-Boom auf die Plattformentwicklungen auswirken wird, denn mit Blick auf umweltoptimierte Antriebe (man denke an den Hybriden) werden die Anforderungen an das segmentspezifische Fahrzeug noch einmal diversifiziert: Ein Hybrid-Antrieb kann Geländewagen sogar entgegenkommen – Stichwort elektrischer Allrad. Es bleibt also spannend.


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