Besonders beliebt sind in den USA Fullsize-Pick-ups wie der Ford F-150 Raptor
MARKTÜBERSICHT PICK-UPS MIT DOPPELKABINE (AUSWAHL)

Die Freizeit-Arbeiter

Für viele Menschen ist es eine Idealvorstellung das Hobby zum Beruf zu machen. In den meisten Fällen herrscht jedoch eine strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Immer mehr Fahrzeughersteller versuchen diese beiden, oft so gegensätzlichen, Pole zusammenzuführen. Interessanterweise hält dieser Versuch auch in einem Segment Einzug, das hierzulande bislang nur wenig Beachtung gefunden hat.

In den USA seit jeher Bestseller fristen Pick-ups in Deutschland eher ein Nischendasein. Zum Vergleich: Von einem Gesamtvolumen an Neuzulassungen von fast 18 Millionen Fahrzeugen sind in den USA etwa 60 Prozent SUV und Pickups (Duisburger Center of Automotive Research (CAR)). In Deutschland bewegt sich der Anteil dieses Segments bei den neu zugelassenen Fahrzeugen unter der Ein-Prozent-Marke (SUV liegen bei rund 13 Prozent). Neben den USA ist auch der Rest der Welt begeistert von den Nutzfahrzeugen mit Ladefläche. So belegt Brasilien Platz zwei hinter den USA, wenn man die Pick-up-Zulassungen betrachtet. Generell sind die Lademeister vor allem in Wachstumsmärkten in Südamerika, Asien und Afrika zu finden, nur eben hierzulande tut sich das Segment schwer. Interessant dabei ist, dass in Nordamerika die über sechs Meter langen Fullsize-Pick-ups beliebt sind, wie beispielsweise ein Dodge Ram oder ein Chevrolet Silverado. In Südamerika und Asien werden wiederum die kleineren Trucks häufiger eingesetzt. Dort setzt man auf Midsize-Pick-ups in den Dimensionen eines Nissan Navara.

Von dem Boom der robusten Alleskönner auf fast allen Kontinenten der Welt war Mitteleuropa, allen voran Deutschland, bislang ausgeschlossen. So hat von den deutschen Herstellern auch nur Volkswagen mit dem Amarok versucht, in dem lukrativen Markt Fuß zu fassen. Doch es kommt Bewegung in die Angebotspalette der hierzulande erhältlichen Pick-ups. So hat Fiat mit dem Fullback wieder einen Pick-up in den deutschen Autohäusern stehen. Auch Mercedes-Benz gewährte mit dem Concept X-Class einen Ausblick auf seine kommende X-Klasse. Darüber hinaus wurden seit unserer letzten Marktübersicht zu diesem Segment (Flottenmanagement 5/2015) immerhin zwei Modelle komplett neu aufgelegt. Darunter mit dem VW Amarok einer der Bestseller unter den Pick-ups in Deutschland.

Die neue Generation von Pick-up-Modellen besteht zudem nicht ausschließlich aus klassischen Arbeitstieren ohne jeden Komfort. Gerade bei Mercedes-Benz und Volkswagen scheint man mehr als nur die Nutzfahrzeugkunden mit den neuen Modellen anzuvisieren und zielt deutlich auf eine Premiumkundschaft ab. „Wir öffnen und verändern das Segment der Midsize-Pick-ups – mit dem weltweit ersten echten Premium-Pick-up für den modernen, urbanen Lifestyle“, so Volker Mornhinweg, Leiter Mercedes-Benz Vans. „Unsere künftige X-Klasse ist ein Pick-up ohne Kompromisse. Leiterrahmen, Sechszylindermotor mit hohem Drehmoment sowie permanenter Allradantrieb sind für uns Pflicht. Als Kür bringen wir Sicherheit, Komfort, Agilität und expressives Design – also alles, was Automobile mit dem Stern auszeichnet. Damit sprechen wir neue Kunden an, die bislang nicht an einen Pick-up gedacht haben.“ Tatsächlich erinnert die Ausstattung der X-Klasse eher an eine C-Klasse-Limousine als an ein Nutzfahrzeug.

Auch andere Hersteller stellen zunehmend einen gewissen Lifestyle- und Freizeitaspekt ihrer Pick-up-Modelle heraus. Renault betritt mit dem Alaskan ebenso Neuland, wie dies Mercedes-Benz mit der schon erwähnten X-Klasse tut. Neben den schon etablierten Marken wollen auch die Franzosen mit dem Alaskan ein Nutzfahrzeug für Beruf und Freizeit präsentieren. „Das neue Pick-up-Modell ist gleichermaßen für den harten gewerblichen Einsatz wie für Sport und Freizeit geeignet. Der Alaskan spielt daher eine Schlüsselrolle in der Strategie des Unternehmens, noch mehr zum Global Player auch im Transportersektor aufzusteigen“, äußert sich Ashwani Gupta, als Renault Vizepräsident verantwortlich für leichte Nutzfahrzeuge weltweit, zu der seriennahen Studie des Pick-ups. Inwieweit die beiden Neulinge Renault und Mercedes-Benz damit den Nerv der Zeit treffen, bleibt abzuwarten. Denn gerade der topausgestattete X-Trail dürfte für die Märkte in Südamerika, Asien und Afrika zu teuer sein und für Nordamerika ist der Midsize-Pick-up zu klein. Damit bliebe vor allem der europäische Markt übrig.

Doch verwandeln sich jetzt alle Pick-ups von den geländegängigen Handwerkerfahrzeugen zu einem urbanen Lifestyle-Auto? Wohl eher nicht. Mehrheitlich spricht die besondere Form des Pritschenwagens Förster, Dachdecker oder Landwirte an. Für diese Gewerbetreibenden sind die Attribute Anhängelast, Offroad-Fähigkeit und Robustheit entscheidende Kaufargumente. Dies wird auch so bleiben. Beim Blick auf die Tabelle wird klar, dass Pick-ups immer noch mehr Nutzfahrzeug als Freizeitmobil sind. Wenngleich wie schon im Transportersegment immer mehr Assistenzsysteme und Komfortelemente in den Pick-ups der etablierten Hersteller Einzug halten. Schließlich soll sich der Fahrer ja nicht nur in seiner Freizeit wohlfühlen, sondern auch im Beruf. Alle Modelle sind Midsize-Pick-ups und bewegen sich in Sachen Preis, Leistungsdaten und Verbrauch etwa auf einem Niveau. Einzig der VW Amarok ist besser motorisiert, dafür aber auch deutlich teurer.

In den letzten Jahren hat sich die Doppelkabine als bevorzugte Karosserievariante durchgesetzt. Diesen Siegeszug verdeutlicht auch der Ssangyong Actyon Sports (nicht in der Tabelle), da der Koreaner ausschließlich als Doppelkabine konfigurierbar ist. Der Erfolg der Doppelkabine zeigt deutlich, dass gewerbliche wie auch private Käufer immer mehr Wert auf Pkw-typische Ausstattungen und Eigenschaften legen. Der elementare Vorteil dieser Karosserieart ist das Platzangebot für fünf Fahrgäste zusätzlich zur Ladefläche. Diese wird dadurch zwar kleiner, das Fahrzeug lässt sich aber dennoch vielseitiger einsetzen.

Ohne Zweifel ist das Segment der Pick-ups in Bewegung. Pick-up- Fans müssen jedoch kein Aufweichen des Segments befürchten. Die erweiterte Ausrichtung auf Freizeit und Lifestyle kann dem Pick-up-Segment in Deutschland dabei nur gut tun und als eine bodenständige Ergänzung zum SUV-Angebot verstanden werden.


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