Privilegien im Sinkflug

Die Lufthansa zieht sich aus dem Europageschäft zurück und überlässt die Kurzstrecke ihrer Tochter Germanwings. Mit einem neuen Drei-Stufen-Preissystem will die Airline sowohl Privat- als auch Geschäftskunden individuellen Service bieten. Für Vielflieger steht allerdings schon jetzt fest: Sie müssen auf eine Reihe ihrer Privilegien verzichten.

In Köln, Nürnberg und Stuttgart haben die Germanwings-Kurzstreckenjets die Kraniche der Lufthansa bereits abgelöst. Noch in diesem Jahr werden Hamburg und Berlin umgestellt, der Standort Düsseldorf folgt 2014. Danach wird Germanwings alle Verbindungen in Deutschland und Europa fliegen, die nicht über München oder Frankfurt gehen. Denn nur diese beiden großen Drehkreuze bleiben von den Plänen unberührt und werden weiterhin von der Lufthansa bedient.

Mit dem neuen Geschäftsmodell zieht die Lufthansa die Notbremse, um die Millionenverluste im Europageschäft zu stoppen. Zu viele Kunden, darunter auch immer mehr Geschäftsreisende, hatten sich in den letzten Jahren gegen einen Flug mit der Premiumlinie entschieden und ihr Ticket bei Billiganbietern wie Ryanair und Easyjet gekauft.

Diesem Schwund will die Germanwings nun Einhalt gebieten. Ein dreistufiges Preissystem soll der neuen All-Economy-Airline, die jetzt als Markenlogo ein stilisiertes „W“ für „Wings“ in Brombeer und Gelb trägt, dabei Flügel verleihen. Dieses bietet nach Überzeugung des Germanwings-Managements die Möglichkeit, die ganze Spannbreite vom Geschäftsreisenden bis zum Low-Budget-Kunden optimal zu bedienen. An Letzteren richtet sich der Basic-Tarif ab 33 Euro pro Strecke. Geboten wird dafür ein Flug, ein kostenloses Handgepäckstück und auf Wunsch Meilen aufs Konto. Fertig. Deutlich komfortabler geht es beim Smart-Tarif ab 53 Euro zu. Als Pendant zum klassischen Economy-Tarif bekommt der Kunde einen Sitzplatz mit mehr Beinfreiheit, einen Snack mit Getränk und ein freies Gepäckstück (23 kg). Als „das beste Produkt, das es derzeit für innereuropäische Low-Cost-Flugverbindungen gibt“ bezeichnet Germanwings schließlich den Best-Tarif ab 199 Euro Oneway. Dafür dürfen die Fluggäste in der 1. bis 3. Reihe Platz nehmen, wo sie einen Sitzabstand von 81,3 Zentimetern und ein Catering à la carte genießen. Der Mittelsitz bleibt frei und das Handgepäck ruht im reservierten Handgepäckfach. Hinzu kommen der Zugang zu den Lufthansa-Lounges, bevorzugtes Einchecken und die Überholspur bei der Sicherheitskontrolle sowie Umbuchungsmöglichkeiten.

Weniger Privilegien für Statuskunden
Doch auch wenn sich das Premium-Angebot der neuen Germanwings in weiten Teilen mit dem Business-Class-Service der Lufthansa auf Kurzstrecken messen kann, stößt das Modell vor allem bei Vielfliegern auf Unmut. Denn Teilnehmer am Miles & More-Programm, die sich einen Status als Frequent Traveller, Senator oder HON Circle Member erflogen haben, müssen ab sofort auf eine Reihe von Privilegien verzichten. Schwarz auf weiß nachzulesen in der Lufthansa-Broschüre „Startklar für die Zukunft“. Dort heißt es klipp und klar: „Statuskunden erhalten auch bei Germanwings zahlreiche Vorteile, allerdings nicht in gleichem Umfang wie bei Lufthansa-Flügen.“

Und tatsächlich ist die Liste der Kürzungen nicht unerheblich:
Buchungsgarantie: Konnten sich Senatoren und HONs bei der Lufthansa noch darauf verlassen, auf jeden Fall einen Platz in der gewünschten Maschine zu bekommen, so entfällt diese Buchungsgarantie bei Germanwings. Auch auf der Warteliste genießen die Statuskunden keine Priorität.

Freigepäck: Keine Ausnahmen gelten für Statuskunden bei der Gepäckaufgabe. Zusätzliche Gepäckstücke oder Golf-Equipment kosten Aufschlag, frei ist hingegen (in allen Buchungsklassen) das Skigepäck.

Schnellere Gepäckabfertigung: Da Germanwings im Gegensatz zur Lufthansa nicht Mitglied der Star Alliance ist, entfällt die schnellere Gepäckabfertigung für Vielflieger. Auch die Gepäck-Durchabfertigung ist nur noch mit ausgewählten Partnern, wie Lufthansa oder den Austrian Airlines möglich.

Lounge-Zugang: Zumindest in diesem Punkt bleibt für HON Circle Member und Senatoren alles beim Alten. Sie sind in allen Tarifen zur Nutzung der Lufthansa- und Partnerlounges sowie der Lounges an den Germanwings- Best-Stationen in Deutschland und Europa berechtigt. Beschränkungen gelten hingegen neuerdings für Frequent Traveller. Sie müssen mindestens den Smart-Tarif gebucht haben, um kostenfrei zu den Lounges zugelassen zu werden.

Schnellere Sicherheitskontrolle: Bevorzugt behandelt werden hierbei nur noch HONs, Senatoren und Kunden, die das Best-Angebot gebucht haben. Frequent Traveller müssen sich dagegen mit den anderen Fluggästen in die Warteschlange einreihen.

Meilen sammeln: Die Teilnahme am Miles & More-Programm ist in allen Buchungsklassen weiterhin möglich. HON Circle Meilen werden allerdings nur im Best-Tarif gutgeschrieben.

Bei all diesen Änderungen lohnt der Blick auf die gebliebenen Privilegien: Unverändert genießen alle Karteninhaber eine bevorzugte Behandlung beim Check-in. Und auch beim Boarding gilt wie bisher: Senatoren und HONs steigen als Erste ein. Es sei denn, ein statusloser Best-Kunde war schneller. Denn auch sie haben bei Germanwings freien Durchgang.

Ob sich die Lufthansa mit all diesen Änderungen letztlich einen Gefallen getan hat, muss die Zukunft zeigen. Die bislang einzigartigen Vorteile der Lufthansa speziell für die deutschen Geschäftsreisenden jedenfalls schrumpfen und damit der Gefühlsabstand zu allen anderen Fluglinien – nicht nur der zur Germanwings.


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