Die Geschäftsreisewelt 2025

Ein Blick in die Glaskugel: Mobile Kommunikation, Nachhaltigkeit, Car Sharing und Sorgfaltspflicht – sind das die Trends für die Geschäftsreisewelt der Zukunft?

Um auf diese Fragen Antworten zu finden, haben die Experten des GeschäftsreiseVerbands VDR im Zukunftsworkshop TrendsPort 2012 verschiedene Szenarien prognostiziert, die einen Einblick in die Geschäftsreisewelt in dreizehn Jahren geben. Wesentlich ist, so weit dieses Jahr für manch einen auch noch entfernt sein mag: „Hier wird keine Science-Fiction entworfen, sondern Denkanstöße und Strategien für die Praxis, die gleich morgen umsetzbar sind“, so VDR-Präsident Dirk Gerdom.

Die Teilnehmer des Zukunftworkshops haben sich zwei volle Tage Zeit genommen, um als Vordenker eines Think Tank in die Zukunft der Geschäftsreisewelt zu blicken. Mit der sogenannten Szenario- Technik haben sie dafür zwei Welten inszeniert, um mit diesem methodisch geeigneten Ansatz „zwei möglichst heterogene Kulissen zu erzeugen, die eine wahrscheinliche und gleichzeitig deutlich unterschiedlich verlaufende Entwicklung beschreiben“, so Trainer Ludger Bals. Diese beiden Welten lassen sich wie folgt beschreiben: In der „Closed World“ herrschen Regionalisierung und eine „Handschlagmentalität“ vor, die Innovationen überflüssig machen. Die „Open World“ dagegen ist eine logistisch und technologisch vernetzte Welt, in der hauptsächlich virtuell kommuniziert wird. Laut Ludger Bals ist „die Wahrscheinlichkeit, dass sich die kurz- und mittelfristige Zukunft zwischen diesen beiden Extremen abspielt, sehr hoch.“

Aus den Szenarien haben die Zukunftsdenker die Trends für die Geschäftsreisewelt 2025 abgeleitet – in den Bereichen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, Umwelt und Ökologie, Technik, Kunden und Märkte, Gesellschaft und Individuum. Einer der zentralen Trends für das Travel Management der Zukunft: Mobilität und mobile Kommunikation gehören untrennbar zusammen. Bereits die VDR-Geschäftsreiseanalyse 2012 hatte nach der Integration der mobilen Kommunikation in die Prozesse im Unternehmen gefragt. Das Ergebnis: 53 Prozent der befragten Geschäftsreiseverantwortlichen erwarten, dass mobile Kommunikation von der Planung bis zur Abrechnung in Zukunft integrierbar sein wird. Mehr als 80 Prozent können sich darüber hinaus vorstellen, dass Geschäftsreisende den Unternehmensvorgaben auch dann folgen werden, wenn die Anwendungen nicht in bestehende Systeme integriert werden. Ob die Diskussion darüber in den betroffenen Betrieben stattfinden wird oder zwischen Betrieben und Anbietern von Applikationen, bleibt abzuwarten. Die Zukunftsprognosen aus dem VDR-TrendsPort gehen einen Schritt weiter und liefern bereits im Ansatz eine Antwort auf diese Frage. „Es geht nicht darum, dass das Smartphone zum Zentrum des Geschäftsreiseprozesses wird, mit dem wir künftig kommunizieren, buchen und bezahlen, sondern dass Unternehmen und Anbieter die Einsatzmöglichkeiten erkennen und die Geschäftsreisenden in ihrem Sinne informieren und steuern können“, erklärt Carsten Czub, der in diesem Jahr für das VDR-Präsidium an der Zukunftswerkstatt teilgenommen hat. „Unternehmen müssen Strategien entwickeln, indem sie auch alternative Angebote zu monopolartigen Strukturen schaffen. Das Wichtigste ist dabei, zu kommunizieren. Das bedeutet ganz einfach: Wer mit den Mitarbeitern vor, während und nach der Reise in Kontakt bleibt, der führt den Prozess. So können Travel Manager die Geschäftsreiseprozesse weiterhin zum Wohl der Unternehmen beeinflussen – unabhängig von externen Anbietern.“ Das bedeutet, den Reisenden eine verkehrsträgerübergreifende Informationsversorgung bereit zu stellen, die Echtzeitinformationen auf mobile Geräte liefert. Wenn dann die Anbieter auch noch universelle Schnittstellen schaffen, damit integrierte und intuitive Oberflächen für unterschiedliche Medien herstellbar und verfügbar sind, sind das die besten Voraussetzungen für eine rosige Zukunft von Mobilität und Kommunikation.

Zwar verdrängt das Ziel der Wirtschaftlichkeit Überlegungen zu nachhaltiger Mobilität. Dennoch hat die Öffentlichkeit das Thema bereits auf der Agenda. Schon ein Drittel der größeren Firmen ist im Bereich Nachhaltigkeit bei Geschäftsreisen aktiv. Trotz breiter gesellschaftlicher Debatten und neuen Tools zur spezifischen Umsetzung sind kleinere Unternehmen noch zögerlich.

Der Trend geht dahin, dass Unternehmen mit neuen Techniken zur virtuellen Kommunikation reagieren. Dennoch: Oft ermöglichen es Breitband- Internet und flächendeckende Mobilfunknetze lediglich, immer online zu sein. „Ob unterwegs, in Co-Working-Centern oder im Home Office – E-Mails, Chats, Web-Konferenzen und Voice over IP auf mobilen Endgeräten ersetzen Reisen nicht automatisch“, stellt Dirk Gerdom, selbst Vielreisender, fest. Er bestätigt die Visionen der Zukunftswerkstatt: „Es ist ein Trend dahingehend zu beobachten, dass Unternehmen die Mobilität auch beim Nachhaltigkeitsbeauftragten platzieren und sich zunehmend für ihren Öko-Fußabdruck interessieren.“ Währenddessen nehmen Systemanbieter die Herausforderung an, für sämtliche Produkte auch CO2-Emissionen darzustellen, damit diese in den Buchungsprozess integriert werden. Nachholbedarf besteht trotzdem noch bei der CO2-Bilanzierung der Geschäftsreisen. Als Hauptgrund hat der VDR den hohen Aufwand analysiert. Ein weiterer Grund: Die Bilanzierung sei nicht relevant genug. An Personal, Wissen und Budget mangele es dagegen nicht. Gute Voraussetzungen also, damit „grüne“ Geschäftsreisen noch populärer werden.

Eine Möglichkeit, betriebliche Mobilität nachhaltig zu gestalten, ist Car Sharing – zumal sich der Mobilitätsbedarf wandelt. Zukünftig wird nicht mehr der Besitz eines Autos im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Nutzung des Fahrzeugs. Nach dem Motto „Nutzen statt besitzen“ teilen sich viele Menschen beim Car Sharing mehrere Fahrzeuge, die von einer Zentrale verwaltet werden und je nach Bedarf und Einsatzzweck − meist rund um die Uhr − per Telefon oder Internet gebucht werden können. Laut VDR-Geschäftsreiseanalyse 2012 ist dieses Modell eher in größeren Betrieben bekannt – hier spiegelt sich laut Geschäftsreiseanalyse einerseits der höhere Professionalisierungsgrad des Mobilitätsmanagements wider, andererseits auch die Tatsache, dass die Informationen in kleinen Unternehmen offenbar noch nicht angekommen sind.

Vierter, wichtiger Trend ist die unternehmerische Sorgfaltspflicht. Sie wird neu definiert und deutlich ausgeweitet. Vielreisende halten wegen besonderer Stressbelastung ständigen Kontakt über Health-Tracker; Gesundheitsund Präventionsprogramme – gemeinsam entwickelt mit den Krankenkassen – werden obligatorisch und dienen der Mitarbeiterbindung. Unternehmen wissen, wie wertvoll eine gelebte Work-Life-Balance (oder besser: Life-Work-Balance) ist – und fördern den Einklang von Beruf und Familie. Demnach spielen Mitarbeitermotivation, Gesundheit und Sicherheit künftig eine zentrale Rolle, denn aufgrund der demographischen Entwicklung werden Belegschaften immer älter bei gleichzeitigem Fachkräftemangel, der wiederum einen „War for Talents“ auslöst. Der Trend lässt bereits spezielle Angebote für Geschäftsreisende entstehen. So gibt es zum Beispiel an einigen deutschen Flughäfen bereits Arztpraxen, die den Flugreisenden präzise getaktete medizinische Behandlungen anbieten. Wartezeiten am Flughafen können Geschäftsreisende so mit lange aufgeschobenen Arztbesuchen, die nicht in den straffen Zeitplan gepasst haben, sinnvoll überbrücken. Flughafenärzte ermöglichen gerade beruflich sehr eingespannten und geforderten Vielfliegern ein hohes Maß an Kontinuität in der Gesundheitspflege. Noch ist die Vielfalt der medizinischen Services recht unterschiedlich. Auffallend ist auf diesem Gebiet: Zahnmediziner machen das Gros aus, lediglich an den großen Drehkreuzen haben sich auch andere Fachrichtungen etabliert.

Noch können wir nur in die Glaskugel schauen und erahnen, wie unsere Welt 2025 aussehen und welchen Einfluss diese Entwicklung auf den Geschäftsreisemarkt haben wird. In einem Punkt können wir uns jedoch sicher sein: Den Beruf des Travel Managers wird es immer geben. Möglicherweise wird sein Aufgabenfeld andere, zusätzliche Bereiche wie moderne Kommunikation und Sicherheit umfassen. Fest steht: Der Travel Manager von morgen wird noch mehr zum Mobilitätsmanager, der seine Position durch breites Wissen, Kompetenz und Mehrwert für das Unternehmen stärkt.


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