Erfolgsgeschichte Travel Management

Deutsche Unternehmen sehen das Ende der Fahnenstange erreicht, was Kostensenkungen im Bereich Geschäftsreisen angeht. In der heute starken Wirtschaftslage bleiben nur wenige Freiräume für Sparfüchse.

Obwohl die Krise weit in die Vergangenheit gerückt scheint und die Zahl der betrieblich bedingten Reisen auch wieder kräftig gestiegen ist, der Druck auf die Travel Manager in den Unternehmen hat nicht nachgelassen – eher im Gegenteil. Das in den Krisenjahren entstandene Kostenbewusstsein setzt sich fort – das hat jetzt die aktuelle VDR-Geschäftsreiseanalyse des Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR) gezeigt. Die Jubiläumsausgabe enthält neben jährlich wiederkehrenden Zahlen zu Kostenstrukturen der betrieblich bedingten Reisen und zur Positionierung des Travel Managements im Unternehmen Erkenntnisse zu aktuellen Entwicklungen im Markt wie Nachhaltigkeit, Car Sharing und mobile Kommunikation. „Die VDR-Geschäftsreiseanalyse ist ein wichtiges Instrument unserer Marktforschung und das ideale Werkzeug für die Marktteilnehmer, um die eigene Strategie zu überprüfen und sich für die Zukunft richtig aufzustellen“, erklärt VDR-Präsident Dirk Gerdom. „Die aktuelle Studie beweist einmal mehr, dass Geschäftsreisen ein sensibles Barometer für die Wirtschaft in Deutschland sind“. Denn geht es den Unternehmen gut, werden Restriktionen auch wieder gelockert. Drohenden Wirtschaftsabschwüngen können Travel Manager früh entgegensteuern und schnell viel Geld einsparen, indem sie die Reiserichtlinien nachjustieren.

Dabei wird ihnen das Sparen nicht leicht gemacht. Steigende Kerosinpreise, Kreditkartengebühren und die Luftverkehrsabgabe verteuerten die Ticketpreise. Kein Wunder also, dass laut Geschäftsreiseanbieter CWT bei innerdeutschen und kontinentalen Flügen der Business Class-Anteil unter zehn Prozent gerutscht ist.

Eine durchaus beachtliche Leistung ist es unter diesen Umständen, dass die Reiseausgaben im vergangenen Jahr weniger stark gestiegen sind als die Zahl der Reisen selbst. 44,8 Milliarden Euro gaben deutsche Unternehmen für Geschäftsreisen aus. Das entspricht einer Zunahme im Vergleich zu 2010 um 3,1 Prozent. Die Zahl der Geschäftsreisen dagegen legte sogar um 5,9 Prozent auf 163,9 Millionen zu. Pro Tag geben Geschäftsreisende durchschnittlich 148 Euro aus – doppelt so viel wie ein Urlaubsreisender pro Tag. „Geschäftsreisende generieren damit unter der Woche sowie zu Kongressund Messezeiten hohe Umsätze, mit denen sie indirekt die urlauberfreundliche Preisgestaltung am Wochenende subventionieren“, resümiert Daniela Schade, Mitglied im VDR-Präsidium.

Das Niveau des Vorkrisenjahres 2008 wurde erstmals wieder erreicht. Damit kommt der VDR zum gleichen Ergebnis wie die Geschäftsreisestudien der Austrian Business Travel Association abta und des internationalen Zusammenschlusses der Geschäftsreiseverbände GBTA: Geschäftsreisen ziehen wieder an. Aufgrund unterschiedlicher Quellen – abta hat nur rund 300 österreichische Travel Manager befragt, GTBA nutzte Sekundärquellen – weichen die Zahlen zwar etwas von denen der VDR-Studie ab. Die Tendenz ist jedoch dieselbe: etwas weniger Wachstum der Ausgaben als bei der Anzahl der Reisen.

Um die eigenen Reisekosten angesichts dieser Entwicklung im Rahmen zu halten, haben die Firmen an zahlreichen Schrauben gedreht. So wurde unter anderem bei der Unterbringung gespart. Die Kosten verteilen sich zwar wie in den vergangenen Jahren zu gleichen Anteilen auf die einzelnen Kostenbereiche Flug, Übernachtung, Bahn, Verpflegung, sonstige Kosten und Mietwagen. Doch aus der Entwicklung hin zu zwar mehr, aber kürzeren Reisen – der Anteil der Ein-Tages-Reisen war noch nie so hoch wie 2011 – ist die Bahn als Sieger hervorgegangen; sie verzeichnet den größten Zuwachs. Und: Wer nicht übernachtet, gibt auch weniger Geld für Verpflegung aus.

Bei Übernachtungen verzichten dienstlich Reisende im In- wie auch im Ausland auf jeweils einen Stern im Vergleich zum Vorjahr. Der Trend geht hin zur Mitte: Der Anteil der Übernachtungen von Geschäftsreisenden in Fünf- Sterne-Hotels hat sich innerhalb eines Jahres halbiert, während Nächte in Vier-Sterne-Hotels zugelegt haben.

Während die Österreicher in ihrer Geschäftsreisestudie vor allem in der Nutzung von Low-Cost-Airlines einen weiteren Hebel zur Kostensenkung sehen, sind neun von zehn deutschen Geschäftsreiseverantwortlichen pessimistisch, was weitere Potenziale angeht. „Die Unternehmen haben ihre Kompetenz im Umgang mit Reisekosten derart optimiert, dass das Ende der Fahnenstange an vielen Stellen erreicht ist“, beschreibt Dirk Gerdom die Entwicklung in Deutschland. Sogenannte Low-Cost-Airlines haben als wirksame Kostensenkungsmaßnahme im Vergleich zu 2006 am stärksten an Zuspruch verloren.

Was also tun, um den nach wie vor vielfach bestehenden Sparvorgaben aus den Chefetagen zu genügen? Weniger Reisen? Für die Mehrheit der Travel Manager ist das keine Option – zumindest nicht in der derzeitigen Situation mit einer insgesamt recht robusten deutschen Wirtschaft. Denn eigeschränkte Reiseaktivitäten bedeuten zwar geringere Ausgaben, gleichzeitig drohen jedoch zumindest mittelfristig auch rückläufige Umsätze. So befürchten neun von zehn Unternehmen Umsatzrückgänge, wenn sie ihre Reisen zu sehr reduzieren. Sie schätzen den Umsatzverlust auf bis zu 50 Prozent und mehr, sollten Geschäftsreisen um die Hälfte reduziert werden. „Hier zeigt sich, dass der Wirtschaftsfaktor Geschäftsreisen nicht zu unterschätzen ist – das sollten sich die Politik und der Markt immer wieder vor Augen führen. Veränderte Rahmenbedingungen dürfen uns nicht dazu zwingen, mit Geschäftspartnern nur noch per Telefon zu kommunizieren“, findet VDR-Präsident Dirk Gerdom. Er spricht damit Kostensteigerungen durch die Luftverkehrsteuer, Preiserhöhungen der Anbieter und steigende Prozesskosten im Unternehmen an, die entstehen, weil der Markt immer komplexer wird. Das war in den vergangenen Jahren auch nicht anders. Der Markt war immer wieder konfrontiert mit Entwicklungen, die nicht immer zugunsten der Firmenkunden ausfielen. Auf zehn Jahre Hochs und Tiefs blickt auch die Jubiläumsausgabe der VDR-Geschäftsreiseanalyse zurück, denn „wer in der Zukunft schreiben will, muss in der Vergangenheit blättern“, heißt es in der Studie. Wichtigste Erkenntnis: Geschäftsreisen schaffen und sichern Arbeitsplätze – vor allem im eigenen Land: Zwei von drei Reisen finden innerhalb Deutschlands statt. Ausgaben bleiben damit zu 70 Prozent im Inland – ganzjährig, saisonal unabhängig, regional verteilt und auf Tagesbasis doppelt so hoch wie die Ausgaben von Urlaubsreisenden.

Geschäftsreisen sind also ein Wirtschaftsmotor. Da überrascht auch nicht, dass aktuelle Studien wie die International Travel Management Study von Air- Plus und der BTI Outlook Western Europe der GBTA in diesem Jahr von steigenden Reisevolumina ausgehen. Der BTI befasst sich zwar zu einem großen Teil zunächst mit einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung in Westeuropa. Der zweite Teil der Studie betrachtet jedoch die Geschäftsreisetätigkeit der einzelnen Länder. Ein Fokus liegt dabei auch auf Incoming-Geschäftsreisen, weshalb Zahlen der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) als Quelle dienen. Mit der VDR-Geschäftsreiseanalyse haben sie gemeinsam, dass sie ein recht positives Bild der Zukunft malen. Die internationale Analyse prognostiziert für 2013 einen Anstieg der Gesamtausgaben für Geschäftsreisen um 5,4 Prozent. Die VDR-Studie hat zwar keine absoluten Zahlen ermittelt, sagt jedoch steigende Buchungen im Bereich Hotel und Flug voraus. Bei der Bahn und in Mietwagenfirmen ist die Nachfrage sehr stabil – die Befragten erwarten gleichbleibende Volumina.

Der deutsche Geschäftsreisemarkt hat die Nachwehen des Krisenjahres also abgeschüttelt; Travel Manager haben sich den veränderten Gegebenheiten angepasst und ein weiteres Mal bewiesen, weshalb ihr Job ein so wichtiger ist. Bleibt abzuwarten, welchen Herausforderungen sie sich künftig zu stellen haben werden.

 

VDR-Geschäftsreiseanalyse
Die VDR-Geschäftsreiseanalyse liefert repräsentative Zahlen über den Geschäftsreisemarkt in Deutschland und gibt Einblick in die Organisation von Geschäftsreisen in Unternehmen und im öffentlichen Sektor. Alle Unternehmen mit Sitz in Deutschland sowie Organisationen des öffentlichen Sektors ab zehn Mitarbeitern bilden die Grundgesamtheit der Untersuchung. Zwischen Januar und April 2012 wurden 800 aus einer Zufallsstichprobe gezogene Telefoninterviews mit Personen geführt, die für das Management von Geschäftsreisen zuständig sind.


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