Fachvorträge, Problemanalysen, Lösungsansätze: Der BME-Kongress bot viel Raum für Diskussionen über die verschiedenen Themengebiete
Jörg Gerhardt (Director Mobility Service Management, Infineon Technologies AG) im Gespräch mit Judith Kadach (Flottenmanagement) über nachhaltige Mobilität

Roter Faden: Nachhaltigkeit

Travel, MICE and More 2012 – unter diesem Stichwort kamen am 12. und 13. Juni 2012 Führungskräfte und Mitarbeiter aus dem Einkauf und Travel Management im Dorint Hotel Pallas in Wiesbaden zum BME-Kongress zusammen, um sich umfassend über Aktuelles zum Einkauf von Reise-, Event- und Finanzdienstleistungen zu informieren.

In parallel stattfindenden Fachforen wurden Vorträge zu sämtlichen Inhalten rund um das Thema gehalten, außerdem gab es (Podiums-)Diskussionen, beispielsweise zum Bereich Green Travel, der aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wurde – unter anderem unter dem Gesichtspunkt, inwiefern eine Einheitlichkeit von Zertifizierungen sinnvoll ist. Ebenfalls kam zur Sprache, anhand welcher Kriterien Einkäufer bei der Hotelbuchung ein „grünes“ Hotel überhaupt erkennen können – als Orientierung dient hier beispielsweise die VDR-Zertifizierung Certified Green Hotel, mithilfe derer Hotels, die nachhaltig und ökologisch zukunftsweisend geführt werden, für Einkäufer sofort auszumachen sind. Während der Diskussion (unter anderem mit Thomas Ansorge, Berater Travel- und Event Management) kristallisierte sich heraus, dass Green Travel nicht teurer sein muss als Reisen ohne die Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien, eröffnen doch beispielsweise Videokonferenzen Einsparpotenziale; zudem schlägt sich CO2, das eingespart wird, auch monetär nieder. Verbrauchs- und CO2-arme Fahrzeuge sind zwar bei der Anschaffung etwas teurer, rechnen sich jedoch über die Laufzeit, schlagen sich in der Leasingrate mit nur wenigen Euro mehr nieder und wirken sich deutlich auf den Geldbeutel aus. Eine ausgewogene Mischung aus diversen „grünen“ Maßnahmen wie Reisevermeidung und effiziente Fahrzeuge ist ein wesentlicher Schritt hin zu nachhaltigem Mobilitätsmanagement.

Dass Nachhaltigkeit auch im Bereich Meetings zunehmend wichtig wird, verdeutlichte der Vortrag „Green Meetings: Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement – von der Strategie zur Umsetzung“, gehalten von Matthias Schultze (Geschäftsführer GCB German Convention Bureau e.V.). Hatten im Jahr 2000 lediglich 13 Prozent der Deutschen vom Begriff der nachhaltigen Entwicklung gehört, waren es 2004 schon 22 Prozent und im Jahr 2010 sogar 43 Prozent, Tendenz steigend (Quelle: Bundesministerium/Umweltbundesamt). Auch sind Hotelgäste gewillt, Hotels zu unterstützen, die nachhaltig wirtschaften: 74 Prozent der Hotelgäste sind dazu bereit, bei der Lage ihres Hotels Abstriche zugunsten der Nachhaltigkeit zu machen, 70 Prozent würden einen Aufpreis für ein nachhaltig wirtschaftendes Hotel bezahlen (Quelle: Accor Studie). Als Fazit lässt sich festhalten, dass der „Green“-Gedanke in den Bereichen Ökologie und Ökonomie (der richtige Umgang mit Ressourcen ist hier genauso wichtig wie sinnvolles Mobilitätsmanagement) genauso verankert werden muss wie in der Gesellschaft und bei den Unternehmensmitarbeitern (unter anderem durch Bewusstseinssensibilisierung oder Mitarbeiterinformationen). Veranstalter und Anbieter sind sich einig, dass Green Meetings eine positive Zukunft haben.

Wie sich effektives Nachhaltigkeitsmanagement im Fuhrpark auswirken kann, verdeutlichte Jörg Gerhardt (Director Mobility Service Management, Infineon Technologies AG) in seinem Vortrag „Strategien zur Gestaltung innerbetrieblicher Mobilität“. In Zusammenarbeit mit BMW Financial Services und Alphabet Fuhrparkmanagement hat Infineon ein Corporate Carsharing-Produkt auf Leasingbasis implementiert. Mobilität soll so intelligent, ökologisch und ökonomisch gestaltet werden – ein interessantes Konzept für Unternehmen, deren Ziel es ist, die TCO in der Flotte zu reduzieren und die TCM stärker in Betracht zu ziehen – mithilfe eines günstigen Fahrzeugpools, der mit der Flexibilität eines Mietwagenmodells verbunden wird. Mittels automatisierter Poolverwaltung fällt weder seitens des Unternehmens noch der Mitarbeiter Mehraufwand an, die Kosten für Taxi, Mietwagen oder Parkgebühren am Flughafen werden substituiert, gleichzeitig stellt das Projekt die Basisplattform für zukünftige Elektromobilität dar – ganz im Zeichen von nachhaltigem Mobilitätsmanagement.

Ebenfalls zur Sprache kamen die Herausforderungen, die es auf den Märkten Travel, MICE und Fleet zu bewältigen gilt. In seinem Vortrag zu diesem Thema zeigte Klaus Bersch (Leiter Medien-/Event-/Mobilitäts-Services, RWE Service GmbH), wie schwierig es ist, die Herausforderungen in allen drei Märkten zu meistern. Im Bereich Fleet sind es unter anderem die Punkte Green Fleet, Einstieg in die Elektromobilität oder Optimierung der Vollkosten, die koordiniert werden müssen, im Markt Travel beschäftigen Flugpreise/Nebenkosten, Konzentration der Airlines und Wettbewerb der Online-Portale die Einkäufer. Im MICE-Segment lösen die Stichpunkte Wertschöpfungstiefe, gekürzte Budgets oder Green Meetings Diskussionsbedarf aus – immer im Spannungsdreieck Wirtschaftlichkeit-Akzeptanz-Zukunftstauglichkeit (WAZ). Deutlich wurde jedoch auch, dass Lösungsansätze zwar schwierig zu finden, jedoch vorhanden sind. So können sinnvolle Policies ein Weg sein, Kosten in den Griff zu bekommen, ohne jedoch die Bereiche Komfort und Klima zu vernachlässigen, unter anderem durch das Setzen von Standards, die Konzentration auf bevorzugte Anbieter, Incentivierung oder die Einführung „grüner“ Fahrzeuge in Flotten. Auch individuell ausgearbeitete Mobilitätskonzepte können sich auf das Spannungsdreieck WAZ auswirken, durch die einfache Administration von Poollösungen, Carsharing, dem Einsatz von E-Fahrzeugen für Dienstreisen zwischen Standorten in Ballungsgebieten oder koordiniertem Reisen und Vermeidung von Reisen, wo möglich.

Ein roter Faden ließ sich bei fast allen Inhalten, die beim BME-Kongress behandelt wurden, ausmachen: Das Thema Nachhaltigkeit kommt mittlerweile in sämtlichen Bereichen rund um Travel und MICE zur Sprache und lässt sich nicht nur im Fuhrpark umsetzen, wenngleich hier das Potenzial offenkundig am größten ist. Befürchtungen, nachhaltiges Wirtschaften verursache Mehrkosten bei gleichzeitig wenig Effekt, sind längst unbegründet – wie mehr als nur ein Vortrag gezeigt hat.


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