Thomas Winkelmann: „Wir sind vor zehn Jahren angetreten mit dem Ziel, das Fliegen zu revolutionieren – wir wollten Fliegen für jedermann erschwinglich machen, und ich denke, dieses Ziel haben wir auch erreicht“
Der Einsatz moderner Flugzeuge ist bei Germanwings Pflicht, um gegen hohe CO2-Emissionen und hohen Treibstoffverbrauch anzusteuern

Zum Erfolg geflogen

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Germanwings fasst Thomas Winkelmann (Sprecher der Geschäftsführung) im Interview die Fakten, die zum Erfolg der Airline beigetragen haben, zusammen

Flottenmanagement: Herr Winkelmann, Germanwings feiert in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum. Was bedeutet dieses Ereignis für Sie als Geschäftsführer zum einen und für die Airline zum anderen?

Thomas Winkelmann: Wir sind vor zehn Jahren angetreten mit dem Ziel, das Fliegen zu revolutionieren. Wir wollten Fliegen für jedermann erschwinglich machen, und ich denke, dieses Ziel haben wir auch erreicht. Germanwings hat die Menschen in Deutschland und in vielen anderen Ländern Europas ein Stück mobiler gemacht. Das Exklusive und Elitäre, das Fliegen einst hatte, ist verschwunden. Ich denke, das ist ein Grund zum Feiern.

Leider sind die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch nicht zum Feiern: Alle Airlines und besonders die in unserem Segment leiden sehr unter der Luftverkehrssteuer und extrem hohen Kerosinpreisen.

Flottenmanagement: Wenn Sie einmal auf die letzten zehn Jahre zurückblicken, welche Entwicklung verzeichnen Sie? Welche Pläne gab es bei der Unternehmensgründung, wie sah die Umsetzung aus?

Thomas Winkelmann: Wir haben, wie bereits angesprochen, die Preisstrukturen für das Fliegen revolutioniert. Das macht es heute jedem möglich, zu fliegen. Weiterhin haben wir Germanwings zu einem Unternehmen entwickelt, das heute weit mehr als 1.300 Mitarbeitern einen attraktiven Arbeitsplatz bietet und indirekt mehrere zehntausend weitere Menschen beschäftigt. Parallel zum Ausbau unserer Flotte haben wir an unseren Standorten in Deutschland – vor allem in Köln/Bonn und Stuttgart – ein sehr dichtes und äußerst attraktives Streckennetz für unsere Kunden geknüpft.

Flottenmanagement: Was waren die wichtigsten Meilensteine, die zum Erfolg der Airline beigetragen haben? Welche Rolle spielt die Kundengruppe der Geschäftskunden für diesen Erfolg und wie ist es Ihnen gelungen, diese Zielgruppe für sich zu gewinnen?

Thomas Winkelmann: Wir haben uns bereits wenige Monate nach dem Start von Germanwings sehr intensiv um die Gruppe der Geschäftsreisenden bemüht und auf die Bedürfnisse dieser Kundengruppe zugeschnittene Angebote entwickelt. Diese haben wir im Laufe der Jahre verfeinert, so dass wir jetzt ein sehr ausgefeiltes und attraktives Angebot für Unternehmen haben, das auf zwei Umsatzstaffelungen beruht. Sie ermöglichen unseren Partnern auf der einen Seite erhebliche Einsparpotenziale und reagieren auf der anderen Seite auf die Bedürfnisse von Unternehmen, zum Beispiel mit flexiblen Regeln bei Namechange, Stornierung und Umbuchung von Tickets. Weil wir zudem ein attraktives Flugangebot und ein leistungsfähiges Streckennetz haben, eine hohe Zuverlässigkeit und ein gutes Image, wächst die Zahl unserer Partner immer weiter – übrigens auch im Ausland.

Wenn Sie mich nach den großen Meilensteinen fragen, dann liegen diese sicherlich vor allem in der Eröffnung neuer Standorte. Das jeweils damit verbundene Wachstum hat uns stets ein gutes Stück vorangebracht und in die Lage versetzt, nun Betreiber einer sehr modernen A319-Flotte zu sein, die inzwischen stattliche 32 Flugzeuge umfasst.

Flottenmanagement: Weshalb wurde Köln/Bonn als Unternehmensstandort ausgewählt? Welche Rolle spielt die Strecke Köln/ Bonn-Berlin in der Unternehmensgeschichte von Germanwings? Hat Germanwings möglicherweise auch dazu beigetragen, dass der Standort Bonn in wirtschaftlicher Hinsicht an Bedeutung gewonnen hat?

Thomas Winkelmann: Die letzte Teilfrage vermag ich nicht abschließend zu beurteilen – ich denke aber schon, dass Germanwings einen Anteil hieran hat. Mobilität ist eine der Grundvoraussetzungen für die Entwicklung von Unternehmen, und große Unternehmen siedeln sich mit Bedacht dort an, wo die Erreichbarkeit und das logistische Umfeld stimmen.
Bei der Standortentscheidung von Germanwings spielte die Analyse der Einzugsgebiete die Hautrolle. Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland, und vor allem im Süden gab es noch nicht so viele Flugangebote. Außerdem sind die Menschen im Rheinland reisefreudig. Die Entwicklung der Germanwings hat sehr schnell gezeigt, dass die damals getroffene Entscheidung richtig war. Die Strecke Köln/Bonn – Berlin war von Anfang an eine der wichtigsten in unserem Streckennetz. Sie verbindet die ehemalige mit der neuen Hauptstadt Deutschlands. Und es lag auf der Hand, dass wir mit dieser Strecke auf eine sehr hohe Nachfrage treffen würden.

Flottenmanagement: Weshalb ist Germanwings der richtige Partner für Geschäftskunden? Inwiefern sind Sie auf diese Kundengruppe ausgerichtet, welche Angebote halten Sie hier parat?

Thomas Winkelmann: Grundsätzlich können sich Firmenkunden bei Germanwings zwischen den beiden Varianten „Dynamic Flex“ (ab einem Jahresumsatz von 15.000 Euro) und „Dynamic Flex VIP“ (ab einem Umsatz von 200.000 Euro) entscheiden. Dabei profitieren Vertragspartner bereits im einfacheren Tarif von einem deutlichen Mehrwert bei Germanwings. Kernvorteile sind flexible Buchungsbedingungen, was Umbuchungen und Stornierungen anbelangt. So bieten wir die gebührenfreie Umbuchung von Flügen bis zwei Stunden vor Abflug. Zudem sind Stornierungen gegen Gebühr ebenfalls bis zwei Stunden vor Abflug möglich. Alle Reisenden genießen innerhalb der Firmentarife an Bord einen kostenfreien Service, können ohne Mehrkosten einen Koffer aufgeben und sitzen je nach Verfügbarkeit mit mehr Beinfreiheit in einer der ersten zehn Reihen des Germanwings- Airbus. Selbstverständlich sammeln sie auch innerhalb des Firmenangebotes Meilen im Boomerang Club oder Prämien- und Statusmeilen bei Miles & More, dem Vielfliegerprogramm der Lufthansa. In der zweiten Staffelung „Dynamic Flex VIP“ sind die Stornierung von Flügen und die Namensänderung noch einmal wesentlich günstiger. Beide Tarifmodelle orientieren sich am tagesaktuellen „Best“-Tarif im Internet, sie sind als Returntickets oder auch auf one-way-Basis buchbar.

Flottenmanagement: Stichwort Klimaschutz: Wie wirken Sie den negativen Folgen von Mobilität entgegen? Mit welchen Mitteln steuern Sie gegen hohe CO2-Emissionen und hohen Treibstoffverbrauch an?

Thomas Winkelmann: Für Airlines liegen die Möglichkeiten auf diesem Gebiet vor allem im Einsatz moderner Flugzeuge – und hier sind wir mit neuen Airbus A319 hervorragend aufgestellt. Das Flugzeug ist das modernste in seiner Klasse, und nebenbei investieren wir auch noch in europäische Arbeitsplätze. Ein weiterer Faktor ist das Flugzeuggewicht: Wir fliegen mit den leichtesten Sitzen, die es auf dem Markt gibt und unterziehen unsere Maschinen regelmäßig einer Überprüfung, ob nicht überflüssige Gegenstände durch die Gegend geflogen werden. Dies geht so weit, dass wir sogar ein Flugzeug aus- und wieder einräumen und uns bei allen beweglichen Gegenständen fragen, ob wir sie wirklich brauchen. Auf diese Weise haben wir in den vergangenen Jahren tausende Tonnen Kerosin gespart.

Flottenmanagement: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Wohin möchten Sie die Airline noch bringen, welche Projekte und Pläne gilt es umzusetzen? Wird es neue Angebote für Geschäftskunden geben?

Thomas Winkelmann: Unser Bestreben wird auch in Zukunft vor allem sein, aus Sicht unserer Kunden noch besser zu sein. Dazu gehört natürlich auch die Pflege unserer wichtigen Kundengruppe der Geschäftskunden. Wir sind eine relativ kleine Fluggesellschaft, und einer unserer Vorteile ist, nahe am Kunden zu sein. Wir werden auch in Zukunft auf die Bedürfnisse unserer Firmenkunden mit entsprechenden Angeboten reagieren. Jedoch unterscheiden sich deren Grundbedürfnisse nicht zu sehr von denen der Privatreisenden: Sie verlangen vor allem einen sicheren, zuverlässigen und pünktlichen Flugbetrieb. Sie haben Ansprüche an den Komfort an Bord und wollen eine schnelle und reibungslose Abfertigung am Boden. Hier sind wir schon richtig gut, aber wir können noch besser werden. Es gibt gerade in unserem Geschäft erhebliche Qualitätsunterschiede unter den Wettbewerbern, diese müssen wir ausbauen. Am Ende wird nicht der in der Gunst des Kunden siegen, der billiger ist, sondern der, der das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Davon bin ich fest überzeugt.


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